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Eine Gedenktafel für die Internierten

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Im Juni 1940 überrannten die Truppen von Adolf Hitler im Westfeldzug alle Hindernisse. In Frankreich wurde das 45. Französische Armeekorps mit seiner Division polnischer Schützen nahe der Schweizer Grenze umzingelt. Sein Kommandant ersuchte die Schweiz um eine Einlassbewilligung. Innert weniger Tage nahm die Schweiz rund 30 000 französische und 13 000 polnische Soldaten auf. Noch über Monate hinweg trafen kleine Soldatengruppen ein. Die Franzosen kehrten Anfang 1941 nach Frankreich zurück; die Polen blieben bis zum Kriegsende in der Schweiz.

Wichtiger Arbeitseinsatz

Das eidgenössische Kommissariat für Internierung und Hospitalisierung organisierte Lager für die polnischen Militärinternierten. Ab 1941 leisteten die Polen Arbeitseinsätze, gerade auch im Rahmen des Plans Wahlen, der den Lebensmittelanbau förderte. Der Plan Wahlen wird auch Anbauschlacht genannt. Nach und nach wurden die grossen Lager geschlossen und die polnischen Soldaten dorthin geschickt, wo die Schweizer Armee und die Industrie sie brauchten. Sie ersetzten auch in Fabriken und auf Höfen Schweizer, die wegen der Mobilmachung im Militäreinsatz waren. Die Polen leisteten zwischen sieben und acht Millionen Arbeitstage, errichteten nahezu 300 Kilometer neue Strassen, stellten 150 Kilometer Strasse instand und reparierten 40 Kilometer. Sie arbeiteten in der Holzwirtschaft, beim Torfabbau und in Minen.

Rund 900 Soldaten jedoch studierten in einem Hochschullager und arbeiteten nur während den Semesterferien. Eines der Hochschullager befand sich in Freiburg. Erst waren die Soldaten in Grange­neuve interniert, und die Professoren gingen für den deutsch- und französischsprachigen Unterricht ins Lager. 1942 dann – vor 75 Jahren – zogen die Soldaten ins Foyer St. Louis in Freiburg und besuchten die Universität wie alle anderen Studierenden auch.

Die Polen organisierten Orchester, Chöre und Theateraufführungen. Aber auch im Hochschullager Freiburg galt das Militärreglement. Die Soldaten trugen Uniform, und der Rangniedrigere hatte den Ranghöheren zu grüssen. «Das führte an der Universität zu Problemen», sagt Jacek Sygnarski, Präsident des Stiftungsrats von Archivum Helveto-Polonicum: So waren teilweise Rangniedrigere Assistenten, während Ranghöhere noch im Grundstudium sassen. Wer musste nun wen grüssen? «Der General entschied, dass auf der Strasse der Armeegrad zählte, an der Uni der Posten.»

Nach Kriegsende kehrten rund 2000 der Internierten nach Polen zurück, 9000 nach Frankreich. Andere emigrierten nach Übersee. Und rund 1000 blieben in der Schweiz. 350 Polen hatten eine Schweizerin geheiratet – auch der Onkel von Jacek Sygnarski, der in Freiburg Medizin studierte. Er zog mit seiner Freiburger Frau nach Polen. «Sie hat später selber gesagt, sie sei das beste Beispiel dafür, dass Liebe blind macht», sagt Jacek Sygnarski lachend. «Sie ist mit einem Mann, den sie erst seit gut einem Jahr kannte, in ein ihr fremdes Land gereist, in dem bereits die Russen sassen.»

Das Ehepaar lebte 18 Jahre lang in Polen, bevor es das erste Mal die Bewilligung für eine Auslandreise erhielt. Einmal in der Schweiz angekommen beschloss die Tante, nicht mehr nach Polen zurückzukehren. Und ihr Mann blieb mit ihr in Freiburg. «Sie haben in Polen alles zurückgelassen, sie hatten dies nicht vorbereitet.»

Jacek Sygnarski und seine Frau Ludwika besuchten das Ehepaar mehrmals in der Schweiz. Und 1981 blieben auch sie im Westen – als Wojciech Jaruzelski das Kriegsrecht ausrief, um die Gewerkschaft Solidarność zu zerschlagen.

Der Umzug der polnischen Militärinternierten in das Foyer St. Louis liegt nun genau 75  Jahre zurück. Zum Gedenken an diese Zeit wird heute im Foyer an der Murtenstrasse im Beisein des polnischen Botschafters eine Gedenktafel enthüllt.

Zur Stiftung

Das Archivum Helveto-Polonicum

Das polnische Ehepaar Jacek und Ludwika Sygnarski kam 1981 in die Schweiz und hat 1997 in Freiburg das Archivum Helveto-Polonicum gegründet; der 74-jährige Jacek Sygnarski ist heute noch Präsident des Stiftungsrats und wissenschaftlicher Bibliothekar. Die Stiftung hat sich zum wissenschaftlichen Zentrum für Schweiz und Polen entwickelt. Es besitzt heute mehr als 80 000 Bücher und Broschüren, rund eine Million Dokumente, etliche Millionen Fotografien, mehr als 5000 Periodika sowie über tausend Audio- und Videoaufnahmen. Viele Dokumente sind bereits digitalisiert. Die Räumlichkeiten der Stiftung mit einer kleinen permanenten Ausstellung sind an der Schützenmatte 16 untergebracht. Seit 2002 lagern die Bücher und Dokumente in den Magazinen der Freiburger Kantons- und Universitätsbibliothek im Beauregard.

njb

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