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«Eine gesetzliche und moralische Pflicht»

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Der Informationsabend hätte auch ganz anders ausgehen können. Als im Juli bekannt wurde, dass im Herrenhaus Notre Dame du Rosaire in Grolley eine Asylunterkunft entstehen soll, unterzeichneten 752 Personen eine Petition: Sie forderten den Staatsrat auf, auf die Asylunterkunft zu verzichten (die FN berichteten). Am Dienstagabend jedoch meldete sich am Informationsabend des Kantons zur Asylunterkunft niemand zu Wort, der das Asylheim grundsätzlich ablehnte.

Die beiden Freiburger Staatsrätinnen Marie Garnier (Grüne) und Anne-Claude Demierre (SP) zeigten den rund 200 Interessierten im Saal der Kaserne in Grolley auf, wie viele Flüchtlinge in den letzten Monaten dem Kanton Freiburg zugewiesen wurden, und dass der Kanton dringend neue Unterkünfte für sie benötigt. Flüchtlinge aufzunehmen sei für die Schweiz, welche die Genfer Konvention unterschrieben habe, eine gesetzliche Pflicht, sagte Garnier. «Es ist aber auch unsere moralische Pflicht.»

«Verzweifelte Menschen»

Das Herrenhaus Notre Dame du Rosaire gehört der Diözese Lausanne-Genf-Freiburg. «Wenn Leute ihre Heimat verlassen und mit ihren Familien unter lebensgefährlichen Umständen nach Europa flüchten, tun sie dies, weil sie verzweifelt sind», sagte Bischof Charles Morerod. Das Herrenhaus stehe seit Jahren leer. «Ich freue mich, dient es nun einem guten Zweck», sagte Morerod.

Die Betreibergesellschaft ORS erwartet laut Direktor Claude Gumy Einzelpersonen, Paare und Familien im Heim. Eine Frau aus dem Publikum fragte, warum die Kinder nicht in Grolley eingeschult würden. «Die Leute werden rund zwei Monate im Asylzentrum sein, bevor wir ihnen ihren definitiven Platz zuweisen», sagte Demierre. Es mache keinen Sinn, die Kinder für so kurze Zeit einzuschulen und sie dann wieder aus der Klasse zu reissen – weder für die Flüchtlingskinder noch die Schule in Grolley. Im Heim erhielten die Kinder jedoch Unterricht, «vor allem Sprachunterricht, damit sie sich danach möglichst gut einleben können».

Eine Frau fragte, ob die Polizei vermehrt präsent sein werde, sobald das Heim eröffnet sei. «Wir werden nicht auf Vorrat mehr Patrouillen einsetzen, aber sofort reagieren, sollte dies nötig sein», sagte Philippe Allain, Chef der Freibuger Gendarmerie. Eine Frage betraf die beiden Kapellen im Herrenhaus: «Es kommen vor allem Muslime; was geschieht mit den Kapellen?», fragte eine Frau. «Es werden Leute aus Syrien, Afghanistan und Eritrea kommen, also Christen, Orthodoxe und Muslime», antwortete Demierre. «Die Christen werden sich sicher sehr freuen, dass sie die Kapellen benutzen können.»

Zum Schluss stellte sich Sylvain Lang aus Grolley vor: Er hat zusammen mit einem Freund eine Begleitgruppe für das Asylzentrum gegründet, wie es sie beispielsweise auch in Düdingen gibt. «Wir möchten einen Schritt auf die anderen zu machen – für sie, aber auch für uns, denn dies wird sicher eine bereichernde Erfahrung sein.» Er erhielt grossen Applaus. Anne-Claude Demierre dankte den Anwesenden: «Seit einigen Wochen spüren wir eine grosse Solidarität in der Freiburger Bevölkerung.»

Obwohl viele Behördenmitglieder vor die Bevölkerung traten, fehlte der Gemeinderat von Grolley: Er hatte Beschwerde gegen das Asylzentrum eingereicht, unterlag damit jedoch. «Weil wir uns damals gegen das Heim gestellt haben, sind wir auch heute Abend nicht mit dem Kanton aufgetreten», sagte Vize-Syndic David Buchs den FN. Der Gemeinderat sei aber nicht grundsätzlich gegen das Asylzentrum. Syndic Christian Ducotterd (CVP) äussert sich nicht zum Heim: Er ist direkter der Nachbar des Herrenhauses und bleibt daher im Ausstand. «Ich möchte als Nachbar intervenieren können, sollte das nötig sein», sagte er den FN.

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