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Eine lehrreiche Plauderei

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Zwei Tassen Tee, feine Biscuits und zwei Notizblöcke liegen auf dem Tisch vor den zwei Herren, die sich munter unterhalten. Sie lachen, scherzen und erzählen einander Geschichten von erlebten Ereignissen und manchmal rutschen sie auch ins Politische ab. «Michel erklärte mir die Angelegenheit rund um Staatsrätin Marie Garnier und zeigte mir auf, welche politischen Ämter die involvierten Personen besetzen», sagt der gebürtige Appenzeller Urs Büchler, der seit zweieinhalb Jahren in der Stadt Freiburg wohnt. Deshalb sei er noch wenig bewandert in der Freiburger Politik. Doch Michel Spicher helfe ihm, sein lokales Wissen aufzubessern. Spicher selbst ist im freiburgischen Pensier aufgewachsen und wohnt heute in Marly. Mit Büchler verbindet ihn seit dem 26. September ein gemeinsames Ziel: die Muttersprache des Gegenübers verstehen und beherrschen.

Einfachere Integration

«Quand je suis retourné des États-Unis, je me suis installé à Fribourg.» – «Rentré», korrigiert Spicher seinen Partner freundlich. Die beiden treffen sich seit sechs Wochen. Urs Büchler und Michel Spicher haben sich an der Veranstaltung kennengelernt, die am Tag der Zweisprachigkeit stattfand und vom Forum für die Zweisprachigkeit organisiert wurde. Sie treffen sich mindestens einmal pro Woche und haben sich gegenseitig verpflichtet, während sechs Monaten die Sprachtandembeziehung aufrechtzuerhalten. Doch scheint es, als sei dies keine grosse Bürde für die zwei Sprachinteressierten: Sie unterhalten sich wie alte Freunde, die sich zu einem gemütlichen Schwätzchen treffen. Jeweils eine halbe Stunde unterhalten sie sich auf Französisch, danach eine halbe Stunde auf Deutsch.

Als er nach Freiburg kam, habe er auf Französisch ein Bier bestellen können, mehr nicht, sagt Urs Büchler. «Bei der Arbeit haben wir englisch gesprochen, da wir ein international zusammengewürfeltes Team waren. Somit musste ich nicht zwingend französisch sprechen können.» Der 58-Jährige arbeitete bei der Swisscom, ist aber seit Mai in Pension. Von Freiburg wolle er nicht mehr weg, da ihm die Stadt ans Herz gewachsen sei, doch wolle er sich hier ein eigenes Netzwerk aufbauen. «Der Schlüssel dazu ist die Sprache», so Büchler.

Michel Spichers Muttersprache ist Französisch. Er kann sich souverän auf Hochdeutsch unterhalten. Doch weshalb engagiert er sich für das Sprachtandem? «Ich möchte besser Schweizerdeutsch sprechen», sagt Spicher. Zum einen begeistere ihn der Schweizer Dialekt. Zum anderen möchte er während den Pausengesprächen auf der Arbeit mithalten können, die unter den Deutschfreiburgern geführt werden. «Unterhaltungen zwischen Deutschfreiburgern entwickeln eine Dynamik, bei der ich nicht mithalten kann. Ich verliere schnell den Faden.» Ein weiterer Grund seien die Försterinnen und Förster, mit denen er viel zusammenarbeite. Er selbst ist Geograf und arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim kantonalen Amt für Wald, Wild und Fischerei. «Die Förster können Französisch sprechen, doch die Kommunikation würde um einiges leichter fallen, wenn ich mich auf Schweizerdeutsch verständigen könnte. Es wäre ungezwungener», erklärt er.

Strikte Sprachführung

Ist eine Sprache während des Tandemtreffens festgesetzt, halten Büchler und Spicher sich strikt daran. Selten fragt der eine in seiner Muttersprache nach einem Wort, sollte ihm ein Wort entfallen sein, sondern versucht es zu umschreiben. Büchler ist der Mann der grossen Gesten, wenn ihm einmal ein Begriff fehlt. Spicher hingegen ist der Ruhigere: Er legt eine Denkpause ein, um sich die Worte im Kopf zurechtzulegen.

Vor zehn Jahren hatte Spicher bereits einen ersten Tandempartner und ist seither überzeugt vom Lernerfolg solcher Treffen. So auch Büchler, der diese Spracherfahrung erst seit kurzem macht, selbst aber schon Fortschritte bemerkt hat. «Ich habe die Hemmungen verloren, die Sprache anzuwenden. Ich getraue mich nun auch tagsüber mit anderen Leuten französisch zu sprechen», sagt Büchler, «Ich muss aber noch viel üben. Bis dahin lerne ich bei jedem Treffen mit Michel.»

«Unterhaltungen zwischen Deutschfreiburgern entwickeln eine Dynamik, bei der ich nicht mithalten kann.»

Michel Spicher

Sprachtandem-Partner

Zur Organisation

Forum für die Zweisprachigkeit

Die Stiftung Forum für die Zweisprachigkeit wurde 1996 in Biel ins Leben gerufen. Sie befasst sich mit den Herausforderungen des Zusammenlebens verschiedener Sprachgruppen in einer zweisprachigen Stadt und Region, so wie in Biel und in Freiburg. Über ihre Plattform vermittelt sie Sprachinteressierte, die sich gegenseitig die eigene Muttersprache beibringen. Zusätzlich organisiert die Stiftung Informationsabende, an denen sich die Personen kennenlernen können, um einen passenden Sprachpartner zu finden, wie es am 26. September im Grenette-Saal am Tag der Zweisprachigkeit in Freiburg der Fall war (die FN berichteten).

jp

www.zweisprachigkeit.ch

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