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«Eine Pflicht gegenüber den Kindern»

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Der Weltklimarat sagt in seinem 5. Report, dass die Erwärmung der Erde bei 1,5 Grad noch gestoppt werden kann, sofern jetzt die ­not­wendigen Massnahmen ergriffen werden. Wie gelassen gehen Sie mit dieser ­Infor­mation um?

Ich befinde mich in einem permanenten inneren Widerspruch. Einerseits lebe ich einen normalen Alltag und bin zufrieden. Andererseits ist November, und es ist warm. Wir hatten schon letztes Jahr wenig Schnee, wir haben dieses Jahr wenig Wasser, und das beschäftigt mich. Wenn wir allzu lang schönes Wetter haben, nehme ich es irgendwann nicht mehr gelassen.

Beschäftigt es Sie, dass Sie mit ihrem Verhalten Teil einer Gesellschaft sind, die ­ver­antwortlich für die ­Klima­erwärmung ist?

Ja, ich weiss, dass ich mich radikal umstellen sollte, weil die schlimmen Folgen des Klimawandels bekannt und teilweise schon spürbar sind. Gleichzeitig nehme ich aus beruflichen Gründen hin und wieder den Flieger, leihe manchmal ein Auto aus, fliege auch schon mal in die Ferien, mache eigentlich weiter wie bisher.

Hier geht’s zu den Infos über #FNTuWas.

Gibt es eine moralische Pflicht des Einzelnen, gegen den Klimawandel etwas zu ­unternehmen?

Ich persönlich sehe eine Pflicht gegenüber meinen Kindern, gegenüber den künftigen Generationen. Diese Überlegung ist in der Schweiz aber schwer rüberzubringen. Denn bei uns steht ja nur der Status quo auf dem Spiel und nicht die Sicherung des Überlebens. Es ist darum vor allem eine globale Verpflichtung, dafür zu sorgen, dass es nicht zu grausamen Menschenrechtsverletzungen kommt, dass die Menschen nicht sterben und verhungern, weil sie sich nicht ernähren können, oder dass Krieg herrscht wegen Flüchtlingsströmen. Wir schulden den Nachkommen auf dieser Welt angemessene Lebensbedingungen, was auch immer das heisst.

Dank der Industrialisierung machte die Menschheit eine grosse Entwicklung durch. Wie verhält sich das Recht auf Entwicklung zum Recht der künftigen Generationen auf angemessene Lebens­bedingungen?

Sich einschränken bedeutet nicht, wirtschaftliche Entwicklungen zu unterbinden, wir müssen sie gemäss der Green Economy verlagern. Darunter ist eine Wirtschaftsweise zu verstehen, die CO2-arm, ressourceneffizient und sozial verträglich ist. Das gilt insbesondere auch für Schwellenländer, die ebenso einen Anspruch haben, sich zu entwickeln. Unsere Aufgabe wäre es dabei, diese so zu unterstützen, dass sie die Entwicklung nachhaltig vollziehen können.

Das heisst aber auch, dass wir bereit sein müssten zu teilen?

Ja, das Versprechen wurde in verschiedenen Abkommen bereits abgegeben. Nun müssen die Gelder aber tatsächlich fliessen, und die Unterstützung muss tatsächlich erfolgen. Es darf nicht nur um ein Umlabeln von Entwicklungshilfe zu Anpassungsmassnahmen im Klimaschutz gehen. Es muss auch tatsächlich etwas transferiert werden.

Wer ist beim Klimaschutz in der Schweiz gefordert, der Einzelne oder der Staat?

Grundsätzlich müssen wir auf allen Ebenen handeln. Es ist sicherlich so, dass man beim Einzelnen anfangen muss; jeder kann einen Beitrag leisten. Um das Steuer wirklich herumreissen zu können, braucht es aber staatliche Regulierungen. Es reicht nicht aus, dass wir unseren Lebensstil verändern, sondern wir brauchen zusätzlich eine Politik der negativen Emissionen, das heisst technische Massnahmen, um CO2 der Atmosphäre zu entziehen.

Braucht es auch Verbote?

Der Klimawandel ist eine grosse Herausforderung. Irgendwann müssen wir uns auf radikale, autoritäre Massnahmen einstellen. Aber das ist nur die eine Seite. Auf der anderen Seite haben wir die Errungenschaften der Demokratie: Gleichberechtigung, gemeinsame Selbstbestimmung. Das sind Werte, die wir nicht einfach zugunsten von radikalen Massnahmen opfern dürfen.

Denken Sie, dass der Einzelne möchte, dass der Staat die Verantwortung übernimmt, respektive, dass er ihm Vorschriften macht?

Das beste Beispiel ist das Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden. Das wurde sehr gut angenommen. Darunter waren sicher auch viele Raucher, die sich selber beschnitten haben. Wir sind immer wieder bereit, uns einzuschränken zugunsten eines guten Zwecks. Es gibt bloss keine Garantie dafür.

Der Klimawandel lässt uns nicht viel Zeit. Demokratie ist aber eine langsame Regierungsform. Gibt es so etwas wie den guten ­Umweltdiktator?

Meine Hoffnung ist es, dass ein breites Verständnis für die Klimaanliegen in der Schweiz vorhanden ist und die Politik die dringenden Massnahmen ergreift. Empirisch gesehen kann nicht gesagt werden, welche Regierungsform in Bezug auf die Umweltanliegen besser ist, denn sie bringen etwa gleich viel oder wenig. Ich finde aber, dass man darüber nachdenken sollte, ob es Möglichkeiten gibt – ohne das Ideal der Demokratie zu zerstören –, die Demokratie zu verändern.

Wie zum Beispiel?

Eine Möglichkeit wäre, eine Verfassungsgerichtsbarkeit einzuführen, welche die Gesetze auf ihre Nachhaltigkeit hin überprüft. Denkbar sind auch die Einführung von Mechanismen im legislativen Prozess, die verhindern, dass Schnellschüsse produziert werden, und die sicherstellen, dass Anliegen der künftigen Generationen mitberücksichtigt werden. In diesem Zusammenhang wird die Repräsentation von zukünftigen Generationen am prominentesten diskutiert.

Also mehr junge Politike- rinnen ­und Politiker in den Parlamenten?

Nein. Unter zukünftigen Generationen sind noch nicht existierende Generationen in hundert Jahren zu verstehen, die im Heute ihre Repräsentanten hätten. Konkret könnte eine gewisse Anzahl der Sitze im Parlament für Vertreter der zukünftigen Generationen, die gewählt werden, reserviert sein. Diskutiert wird tatsächlich aber auch eine Quote für junge Parlamentarierinnen und Parlamentarier, weil die junge Generation zurzeit untervertreten ist. Allerdings bieten sie keine Garantie für vernünftigere Entscheidungen.

Was halten Sie von befristeten Amtszeiten, damit Politike­rinnen und Politiker ohne Wiederwahlstress den Leuten reinen Wein einschenken können?

In diesem Zusammenhang gibt es den Vorschlag, dass gewisse Politiker für eine längere Amtsdauer gewählt sind als andere, etwa für zwölf Jahre, damit sie eben langfristigere Entscheidungen fällen können.

In der Diskussion um den Klimawandel wird oft der Vergleich mit der Sklaverei angestellt: Wir müssten uns dereinst wie beim Sklavenhandel vorhalten lassen, aus wirtschaftlichen Gründen gegen Menschenrechte verstossen zu haben. Stimmt dieser Vergleich?

Ich denke, er hinkt dahingehend, dass Sklaverei aus moralischer Sicht falsch ist, es gibt keine moralisch valablen Gründe, Unterschiede zwischen Menschen zu machen…

… ist es denn moralisch in Ordnung, die Erde zu ­zer­stören?

Wenn das Ausstossen von Kohlenstoff gleichzusetzen ist mit «Erde zerstören», dann stimmt der Vergleich. Aber der Klimawandel ist das Ergebnis eines Handelns, das moralisch nicht verwerflich ist. Klar könnte man bescheidener leben. Aber ganz grundsätzlich ist wirtschaftliche Entwicklung etwas Gutes: Sie bringt Wohlstand, soziale Sicherheit, Bildung, fördert die Gleichberechtigung und so weiter. Das ist moralisch nicht falsch. Nur der Nebeneffekt ist moralisch problematisch.

 

Aber diese wirtschaftliche Entfaltung findet auf Kosten der Natur statt, die wir offensichtlich als geringer einstufen. Also wird zwar kein Unterschied zwischen Menschen gemacht, aber zwischen den Menschen und der Natur.

Da sprechen Sie eine andere Dimension an. Ich habe ganz klar anthropozentrisch argumentiert. Bei Ihrer Sichtweise muss die Frage beantwortet werden, was ist moralisch gleichwertig. Es kann sein, dass sich in der Zukunft herausstellt: Es gibt eine allgemein geteilte Moralvorstellung, die besagt, dass alles, was auf dieser Welt existiert, als gleichberechtigt zu berücksichten ist. Dann kann man es mit der Sklaverei vergleichen. 


Man kann aber auch argumentieren, dass unser CO2-basierter Wohlstand auf einem kapitalistischen System beruht, einem System, das Ungleichheit zwischen den Menschen ausnützt und dessen Erträge nicht allen zugänglich sind.

Sie üben Systemkritik. Es mag sein, dass das System moralisch falsch ist, und darüber sollte man nachdenken. Aber um wirklich jetzt Lösungen für das Problem des Klimawandels zu finden, lohnt es sich nicht, das System anzugreifen, bevor wir uns für Lösungen innerhalb des Systems ausgesprochen haben. Darum würde ich mich auch als konservativer Philosoph bezeichnen. Denn es ist interessiert mich mehr, etwas vorschlagen zu können, das umsetzbar ist, wenn es um die Frage geht, wie Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten vermieden werden können.

Im Endeffekt wird man in der Klimadiskussion aber die Frage nach unserem Konsumverhalten nicht ausblenden können und damit die Frage nach unserem kapitalistischen System.

Auf lange Sicht könnte sich dieses System verändern müssen. Aber das ist meines Erachtens nicht der primäre Fokus.

Ist das Klima Verhandlungssache?

Wenn wir über Risiken reden, müssen wir die Betroffenen, die unter den Beschlüssen leiden, mitbeteiligen. Denn die Antwort auf die Frage, ob ein Risiko akzeptabel, tolerabel oder intolerabel ist, ist eine Wertentscheidung. Und darum können nur die, welche von den Massnahmen oder Risiken betroffen sind, selber darüber entscheiden.

Früher hat man das Nicht­handeln des Einzelnen mit der örtlichen und zeitlichen Distanz erklärt. Das geht angesichts des vergangenen Hitzesommers nicht mehr.

Der Klimawandel findet statt. Aber noch gibt es viel zu tun in Sachen Kommunikation.

Zum Schluss nochmals die Frage: Warum haben wir die Pflicht, etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen, und weshalb sollten wir nicht denken: Nach mir die Sintflut.

Man kann nun diskutieren, ob wir überhaupt eine Pflicht gegenüber der Erde haben. Aber ich würde sagen: Wir alle haben eine Vorstellung davon, ein würdiges menschliches Leben zu führen, und es scheint mir ein Selbstwiderspruch zu sein, sich zu sagen: «Es ist mir egal, ob Menschen in Zukunft so ein Leben führen können oder nicht.» Und darum haben wir eine Pflicht, es für die Zukunft sicherzustellen.

«Demokratische Werte dürfen nicht einfach zugunsten von radikalen Massnahmen geopfert werden.

#FNTuWas

Erzählen Sie von Ihren Taten gegen den Klimawandel

Wir alle sind aufgefordert, den CO2-Ausstoss zu senken. Was tun Sie dafür? Berichten Sie von ihren kleinen und grossen Taten via Mail an fn.­redaktion@freiburger-nachrichten.ch oder via Twitter und Face­book unter dem #FNTuWas. Mit dieser Aktion möchten die «Freiburger Nachrichten» eine Plattform für jede Art von Initiativen bieten und eine Bewegung auslösen. Es locken tolle Preise, die die FN unter den teilnehmenden Leserinnen und Lesern verlosen werden.

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