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«Eine Praxis ist ein Lebensprojekt»

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Die Zahlen sind eindeutig. Die Schweiz bildet im Jahr rund 900 Ärzte aus, aber nur rund 70 von ihnen sind daran interessiert, als Familienarzt mit eigener Praxis oder in einer Gemeinschaftspraxis zu arbeiten. Andererseits arbeiten heute 6000 Allgemeinpraktiker in der Schweiz, ihr Durchschnittsalter beträgt 57 Jahre, und 350 bis 400 von ihnen kommen jährlich ins Pensionsalter.

«Der Bund hat kurzfristig keine Lösung bereit», sagt der Freiburger Jean-Paul Buchmann. Er hat in diesem Missverhältnis ein Marktpotenzial erkannt und spezialisiert sich seit fünf Jahren mit seiner Firma B-plus project AG in Bulle auf die Rekrutierung von Ärzten, die bereit sind, als Familienarzt eine Praxis zu übernehmen oder in einer Gemeinschaftspraxis mitzutun.

Buchmann hat mit B-plus Ende 2011 als Einmannbetrieb begonnen. Heute arbeiten 13 Personen für das Start-up, fünf davon im Mandatsverhältnis, und zu Beginn dieses Jahres hat B-plus ein Büro in Bern eröffnet, das die Deutschschweiz abdeckt. «Im ersten Jahr betrug unser Umsatz 100 000 Franken, nach vier Jahren waren es 600 000 Franken, und für 2016 hoffen wir auf eine Million Franken zu kommen.»

Die letzten zwölf Monate hat B-plus 55 Dossiers bearbeitet. Rund ein Zehntel davon aus dem Kanton Freiburg, so Buchmann. Für wie viele Ärzte hat die Firma Nachfolger gefunden? «Für 100 Prozent», so Buchmann. Allerdings braucht ein solcher Prozess Zeit. «Ein bis anderthalb Jahre», sagt er.

Buchmann ist ausgebildeter Pharma-Ingenieur mit einem MBA. Als 42-Jähriger wurde er vor 20 Jahren selbständig und spezialisierte sich auf die Nachfolgeregelung von Apotheken. Erstmals einen Arzt für eine Praxis vermittelte Buchmann, als ein Arzt starb, der bei seinem Bruder, einem Apotheker in Romont, eingemietet war.

Familienärzte zu finden sei aber ungleich schwieriger als Apotheker, so der Unternehmer. «Wenn ein Arzt selbständig werden will, so bringt das Investitionen und ein gewisses Risiko mit sich.» Am Spital habe ein Arzt einen guten Lohn, arbeite in einer «geschützten Umgebung» und müsse sich nicht binden. «Eine Arztpraxis aber ist ein Lebensprojekt.»

Eine eigene Praxis kann aber durchaus lukrativ sein. Wie B-plus in einer Broschüre für Interessenten schreibt, betrage das durchschnittliche Einkommen für privat praktizierende Ärzte 230 000 bis 240 000 Franken, dazu könne das Einkommen durch eine praxiseigene Apotheke und eigene Laboranalysen noch erhöht werden.

Schweizerdeutsch als Hürde

 Diese Angaben richten sich vor allem an Ärzte aus dem Ausland, die an einer Tätigkeit in der Schweiz interessiert sind. Tatsächlich rekrutiert B-plus mögliche Nachfolger für Arztpraxen fast ausschliesslich im Ausland. Als B-plus nur die Westschweiz bearbeitete, waren dies Ärzte aus Frankreich, mit dem Ausbau Richtung Deutschschweiz erfolgt die Rekrutierung nun auch im deutschsprachigen Raum. Marktverantwortliche für Deutschland und Österreich ist Julia Balensiefen, eine ausgebildete Juristin aus Deutschland, die in Freiburg studiert hat. Die Rekrutierung erstreckt sich für sie nicht bloss auf Deutschland und Österreich, sondern auch auf Holland oder Südschweden. Gerade in Deutschland gestalte sich die Personalsuche aber schwierig. «Bei den Ärzten in Deutschland hat sich rumgesprochen, dass sie in der Schweiz nicht willkommen seien. Das ist in den entsprechenden sozialen Medien ein Thema.»

Gemäss Balensiefen haben es Ärzte gerade bei Patienten in ländlichen Gebieten der Deutschschweiz schwer, wenn sie nicht Mundart sprechen. Dazu komme, dass auch in Deutschland ein Ärztemangel herrsche und Ärzte dort mittlerweile gut verdienen. Eine weitere Schwierigkeit für Ärzte aus dem deutschsprachigen Ausland sei, dass eine Arztpraxis in der Schweiz weniger hierarchisch funktioniere und Mitarbeiter oft besser ausgebildet seien, als die Ärzte es aus ihrer Heimat gewohnt seien. Deshalb schaut Balensiefen bei der Rekrutierung auch auf Ärzte, die in der Schweiz schon in einem Spital gearbeitet haben und die Verhältnisse hier besser kennen.

Für 24 000 Franken

Sucht ein Schweizer Arzt über B-plus einen Nachfolger, so erstellt die Firma ein umfangreiches Dossier über die zu übernehmende Praxis. In einem zweiten Schritt geht es mit diesem Dossier auf die Suche nach einem Arzt. Dazu gehört auch Unterstützung bei der Anerkennung von Diplomen, bei der Buchhaltung und Informatik, Anmeldung bei der Ärztegesellschaft, Aufenthaltsbewilligung, Wohnungssuche, Versicherungen. Kommt es zur Einigung, verpflichtet sich ein Arzt, die Praxis mindestens fünf Jahre zu führen. Bei erfolgreicher Vermittlung kassiert B-plus 24 000 Franken vom abtretenden Arzt: 7000 Franken für das Praxis-Dossier, 7000 Franken für Suche und Coaching und 10 000 Franken bei erfolgreichem Geschäftsabschluss.

Für sich selber hat Buchmann schon einen Nachfolger: Frédéric Stalder aus Marly wird im September Direktor.

Rekrutierung: Zwei Private und die FMH

D ie Firma B-plus project AG aus Bulle ist im Bereich der Nachfolgeregelung für Arztpraxen nicht der einzige Anbieter in der Schweiz. Der grösste Konkurrent auf dem Markt ist die Schweizerische Ärztegesellschaft FMH. Diese bietet über ihr Tochterunternehmen FMH Services ebenfalls Dienstleistungen bei der Nachfolge- oder Praxispartnersuche an. Wie FMH Services auf ihrer Website schreibt, bietet sie ganzheitliche Lösungen oder auch Unterstützung zu spezifischen Themen an. Um Praxisübergaben kümmert sich auch die Firma Federer & Partners mit Sitz in Dottikon. Gemäss Jean-Paul Buchmann von B-plus unterscheidet sich seine Firma von FMH Services dadurch, dass sie ausländische Ärzte sucht, und von Federer & Partners, dass B-plus die Westschweiz abdeckt. uh

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