Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Eine Reflexion über Individualität

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Ich wache auf mit dem schrillen Läuten meines Weckers. Es ist halb sieben in der Früh. Mühsam und noch trunken vom Schlaf erhebe ich mich vom Bett. Es fröstelt mich. Schnell schlüpfe ich in meine Kleidung, die ich am Tag zuvor vorbereitet habe. Nach dem Frühstück werfe ich noch einen letzten Blick in den Spiegel, um nach dem Zähneputzen aus dem Haus zu gehen. Jedoch fällt mir plötzlich auf, dass ich in dieser Bluse doch etwas zu streng wirke. Schnell sind etliche Kleidungsstücke aus dem Schrank gerissen. Zehn Minuten später renne ich unter dem kritischen Blick meiner Mutter in einem hautengen Oberteil und einem bunten Rock aus dem Haus.

Schock! Draussen ist es eisig kalt, und meine dünnen Strümpfe spenden kaum Wärme. Nun ist es jedoch zu spät, umzukehren. Und wenn schon! So kalt ist es nun auch wieder nicht. Durch den frühmorgendlichen Sprint zum Bus hat sich auch meine Frisur geöffnet, die etwas Keck in mein Auftreten bringen sollte. Während ich nun meine Haare ohne Spiegel gewollt lässig wieder hochstecken möchte, hält mein Bus an. Menschen rein, Menschen raus. Konzentriert schaue ich aus dem Fenster und versuche, mein Spiegelbild nicht in der Scheibe zu betrachten. Doch insgeheim frage ich mich schon ständig, ob meine Frisur denn auch wirklich sitzt.

Als ich wieder aus dem Bus steige, frappiert mich die Schutzlosigkeit meiner armen Beine. Ich nehme mir vor, mir die schönen Kniestrümpfe, die ich kürzlich im Auslagefenster eines Ladens gesehen habe, endlich zu gönnen. Sicherlich eine gute Investition! Dann beschäftige ich mich mit wichtigeren Dingen. Kleidung kann ja nicht den ganzen Tag meine Gedanken kontrollieren.

Nächste Lektion: Biologie. Möglichst unauffällig ziehe ich während dem Klassenzimmerwechsel meinen Schal aus. Es ist der eigenen Interpretation überlassen, ob ich dies nun wegen angeblicher Hitze oder aus ästhetischen Gründen getan habe. Im Unterricht beschäftigen wir uns mit dem Verhalten der Männchen gegenüber den Weibchen bei den Vögeln. Bin ich mit meinem Schalausziehen also zu vergleichen mit dem bunten Männchen, das sich stolz aufplustert?

Am Mittag werde ich nachdenklich, denn mir fällt auf, dass das Aussehen oftmals wichtiger ist, als man es sich eingesteht. Auf jeden Fall trifft dies auf mich zu. Und ich fühle mich plötzlich wie ein gekünstelter Vogel. Auch für die Klagen meiner besten Freundin, dass sie neuerdings so rote Flecken am Hals hätte, habe ich nur ein halbes Ohr offen. Als mir zum Schulschluss mein männlicher Freund die Vorteile eines Protein­shakes nach dem Muskeltraining erklärt, habe ich das Gefühl, in einer vollkommen oberflächlichen Welt zu leben. Aber natürlich verkneife ich mir nicht den alltäglichen Schreckensschrei, wenn ich abends in den Spiegel schaue und sehe, dass ich den ganzen Tag mit einem Pickel neben der rechten Augenbraue herumgelaufen bin.

Nachdem ich mich von diesem Schrecken erholt habe, schlüpfe ich in meine lockere Hauskleidung und überlege mir – nicht ohne vorher die Wettervorhersagen angeschaut zu haben –, was ich denn nun morgen tragen möchte. Vielleicht die ungetragene Bluse von heute Morgen?

Auf jeden Fall merke ich, dass mich mein Aussehen den ganzen Tag lang beschäftigt hat. Man kann dies natürlich oberflächlich nennen oder sogar eitel. Ich glaube jedoch, dass uns die Mode sehr viel Selbstbewusstsein spenden kann. Jeder Mensch scheint den Wunsch nach Individualität in sich zu tragen. Ob nun bewusst oder unbewusst: Wir definieren uns selbst immer in Abgrenzung zu den anderen. Die Vielzahl an Menschen zwingt das Individuum förmlich dazu, sich selbst mit individuellen Eigenschaften auszukleiden, um in der gesichtslosen Masse nicht unterzugehen.

Dieser Text ist eine gekürzte Version eines Eintrags aus dem ZiG-Blog. Die Blogeinträge von Gymnasiasten erscheinen während dem ganzen Schuljahr im Wochenrhythmus und sind einsehbar unter: www.freiburger-nachrichten.ch/blogs

Mehr zum Thema