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«Eine regelrechte Babuschka-Politik»

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Die Gemeinde Murten ist zwar offiziell nicht zweisprachig. Dennoch geht die Gemeinde beispielhaft mit ihrer Zweisprachigkeit um. Dieser Ansicht ist der Verein Kultur Natur Deutschfreiburg (Kund): Gestern hat der Verein den Preis für Zweisprachigkeit der Gemeinde Murten als Institution verliehen. Als Einzelperson erhielt Hubertus von Gemmingen aus Villars-sur-Glâne die Auszeichnung im Rathaus in Murten (siehe Kasten).

In ihrer Laudatio hielt Claudine Brohy vom Kund-Vorstand fest, dass die Stadt Murten «konkrete Schritte unternimmt, damit die Französischsprachigen als Minderheit in Murten, aber als Mehrheit im Kanton Freiburg und als Minderheit in der Schweiz anerkannt werden». Murten sei der Hauptort des einzigen amtlich zweisprachigen Bezirks des Kantons. «Der Seebezirk muss für seine Aufgaben eine regelrechte Babuschka-Politik umsetzen – eine Minderheit ist hier in der Mehrheit in der Minderheit in der Mehrheit.»

Preis als Motivation

Sie sei mehrmals gefragt worden, nach welchen Kri­terien eine Gemeinde den Zweisprachigkeitspreis erhalte, sagte Brohy. «Erwähnenswert sind das zweisprachige Informationsblatt der Gemeinde Murten, die zweisprachige Kulturpolitik, zum Beispiel im Museum Murten, ein zweisprachiger Schulkreis und zweisprachige Kindertagesstätten. Das zweisprachige Bahnhofsschild Murten/Morat von 2012 habe zum zweisprachigen Schild in Freiburg angeregt. «Auch die Website der Gemeinde ist zweisprachig», sagte Brohy. Zudem könnten alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt in beiden Sprachen antworten. «Es gibt also eine echte Sprachenpolitik und den Wunsch, einen mehrsprachigen öffentlichen Dienst zu gewährleisten.» Der Preis belohne die erzielten Fortschritte und solle dazu motivieren, die Zweisprachigkeit noch sichtbarer zu machen.

Der Stadtammann von Murten, Christian Brechbühl, zeigten sich geehrt. Er habe sich Gedanken darüber gemacht, warum die Gemeinde Murten den Preis erhalte. «Mir ist viel durch den Kopf gegangen. Ich denke, da kommen viele Puzzle­teile zusammen.» Murten sei nicht von Gesetzes wegen eine zweisprachige Gemeinde, «wir leben die Zweisprachigkeit». Das sei hier eine Selbstverständlichkeit, «und wir fühlen uns als Brückenbauer».

Brechbühl erwähnt das Beispiel Primarschulen: «Früher waren das zwei Welten – heute wollen wir zusammenleben.» Vor zwölf Jahren hätten die deutschsprachige und die französischsprachige Primarschule fusioniert. Es habe Befürchtungen gegeben, dass die französischsprachige Minderheit zu kurz komme. «Doch heute befruchten wir uns gegenseitig und lernen voneinander.» Und mit dem Umbau der Primarschule gebe es endlich ein Sekretariat für beide Sprachen.

Chronologie

Die bisherigen Preisträger

1999: Naturhistorisches Museum Freiburg

2000: Hochschule für Wirtschaft und Verwaltung

2002: Kantonale Gebäudeversicherung

2003: Pro Freiburg/Pro Fribourg, Gérard Bourgarel

2004 Scou-Bi-Doux (zweisprachige Spielgruppe)

2007: Gemeinde Courtepin-Courtaman

2009: Frauen in Freiburg/Femmes à Fribourg

2010: Bernard Garnier und Jubla Ratatouille Freiburg

2013: Gustav (Pascal Vonlan­then) und das Mitteilungsblatt der Stadt Freiburg «1700»

2015: Ida Bertschy und das Amt für Strassenverkehr und Schifffahrt.

Übersetzer und Autor

«Einen grossen Fisch an Land gezogen»

Der Verein Kultur Natur Deutschfreiburg (Kund) ehrte Hubertus von Gemmingen für seinen Einsatz für die Zweisprachigkeit mit einem Zertifikat. Hubertus von Gemmingen ist seit 1988 als selbstständiger Sachübersetzer für die Fachgebiete Architektur, Kunst, Kultur und Geschichte tätig. Er übersetzt aus dem Französischen und dem Englischen ins Deutsche und schreibt auch selber, vor allem zur Freiburger Geschichte.

«Ich konnte Hubertus von Gemmingen, meinen früheren Studienkollegen, vor 27 Jahren dafür gewinnen, im Geschichtsforschenden Verein mitzumachen», sagte Ernst Tremp in der Laudatio. Von Gemmingen sei in den Vorstand eingetreten und auch in die Redaktion der «Freiburger Geschichtsblätter». Der damalige Schriftleiter habe ihm einige Monate später gesagt, er habe da «einen grossen Fisch an Land gezogen». Auch heute Abend könne gesagt werden: «Wenn der Verein Kund den Preis an Hubertus von Gemmingen verleiht, dann hat er damit einen grossen Fisch an Land gezogen», sagte Tremp. Dessen Leistungen für die Zweisprachigkeit im Kanton Freiburg seien enorm, «sei es als Übersetzer, sei es als Autor, sei es als Mitglied in den kulturellen Gremien des Kantons und der Stadt».

Die Kundigen von Kund

«Ehre, wem Ehre gebührt, das mag ja gut und recht sein, aber wieso gebührt mir die Ehre?», fragte Hubertus von Gemmingen in den Raum. Er freue sich, keine Frage, aber wieso er den Preis erhalte, «können die Kundigen von Kund besser beantworten». Der Übersetzer sprach von seiner Freude am Fortbilden und Entdecken. Aber wenn die Zweisprachigkeit so normal wäre, dass es ihn als Übersetzer nicht mehr bräuchte, «das wäre das Schönste». Wenn alle fliegend zwischen den Sprachen wechseln würden, «und dabei dürften wir auch Fehler machen». Er wolle weiter versuchen, «die Glut der gegenseitigen Verständigung anzufachen», sagte von Gemmingen. Und er werde versuchen, sich des Preises würdig zu erweisen. «Der Preis geht an alle Übersetzer.»

 

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