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Eine Schlammlawine rollte durch Plasselb

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Diesen Anblick werden einige nicht so schnell wieder vergessen: Eine Schlammlawine fliesst mit hohem Tempo mitten durch das Dorf Plasselb und führt dabei mit tosendem Geräusch eine riesige Menge Erde, Kies und Steine mit sich. Bedingt durch die starken Regenfälle und Hagelschauer, die am Freitag kurz nach 22 Uhr über dem Sense-Oberland niedergegangen waren, hatte sich im höher gelegenen Plasselber Quartier Birchi eine grosse Menge Wasser in einem Talkessel gesammelt, das sich einen Weg talabwärts suchte: Die Massen unterspülten die Quartierstrasse Frühlise, umspülten zwei Mehrfamilienhäuser, flossen über einen Hang und einen Hausplatz in Richtung Dorf. Von dort bewegte sich die Schlammlawine weiter in die March, ausgangs Dorf in Richtung Giffers. Die Hauptstrasse wurde innert Minuten zum schlammigen Bach, der mitschwemmte, was nicht niet- und nagelfest war.

Wasser und Schlamm

Die interkommunale Feuerwehr Sense-Süd war mit 80 Mann im Einsatz. Zahlreiche Keller waren überflutet worden, und im Grenzgebiet zu Oberschrot, in der Gousmatta, war der Zufluss eines eingelegten Baches verstopft, so dass Wasser und Kies entlang eines Bauernhofs geschwemmt wurde. In der benachbarten Pouletmasthalle sind 600 der 4100 Küken umgekommen, das Wasser stand 20 Zentimeter hoch. Private Unternehmer wurden aufgeboten, um die Ablagerungen wegzuräumen und die Schächte zu spülen. Um Mitternacht waren schwere Geräte im Einsatz, und der Kieshügel vor der Kirche wurde immer höher.

 Quartierstrasse zerstört

Erst am Samstagmorgen zeigte sich das ganze Ausmass des Schadens in Plasselb: Die Quartier- und Gemeindestrassen ins Birchi waren teils unpassierbar. In der March war das Wasser in eine Hauseinfahrt gelaufen und hatte ein Strassenbord so unstabil gemacht, dass die Böschung und ein Teil der Kantonsstrasse abrutschten – gleich hinter dem kürzlich fertiggestellten Trottoir. Um ein weiteres Absinken zu verhindern, ist die Böschung mit grossen Holzstämmen stabilisiert worden. An mehreren weiteren Hängen sind kleinere Erdrutsche niedergegangen.

 Derweil sah der Dorfplatz am Samstagmittag schon wieder sehr aufgeräumt aus, nachdem unzählige Camionladungen Kies und Schlamm weggebracht worden waren. Die Betroffenheit in der Bevölkerung war gross, vielen sah man die schlaflose Nacht an.

Erste Bewährungsprobe

Für den neuen Gemeinderat ist das Wochenende zur ersten Bewährungsprobe geworden. Am Freitag hatte er in der neuen Zusammensetzung die erste Gemeindeversammlung abgehalten (siehe Seite 4) – knapp anderthalb Stunden später musste er krisenstabmässig über Sofortmassnahmen entscheiden. «Die Koordination zwischen den Einsatzkräften hat sehr gut funktioniert», sagte Vize-Gemeindepräsidentin Vivien Rüffieux. Zahlreiche Helfer hätten die ganze Nacht unermüdlich durchgearbeitet. «Es wurde sehr rasch sehr gute Arbeit geleistet.»

Ammann Beat Brünisholz hatte gehofft, dass Plasselb am Samstagmorgen zum Aufräumen Unterstützung vom Kanton erhalten würde, vor allem fehlte es an Material. «Erst durch die Polizei konnten wir einen Kontakt zum Zivilschutz herstellen, und dann hiess es von oberster Stelle, dass vor Montag wohl nichts geht. Wir hätten die Hilfe aber sofort gebraucht», gab er seiner Verärgerung Ausdruck. Die Plasselber mussten deshalb vom Werkhof Plaffeien Schaufeln, Pickel und andere Werkzeuge ausleihen, um etwa die Schächte freimachen zu können. «Dies war vor allem auch wichtig, weil weitere Regenfälle erwartet wurden», erklärte Vivien Rüffieux.

 Die zerstörte Quartierstrasse wurde noch bis am Samstagabend notfallmässig instand gestellt. Zum einen, um den Zugang zu den Häusern zu ermöglichen. «Aber auch, um das Gelände zu stabilisieren, denn bei erneuten Regenfällen wäre sonst wieder Material hinuntergeschwemmt worden und hätte die Abflüsse wieder verstopft.»

Das Gemeindeführungsorgan GFO, zu dem die fünf oberen Oberland-Gemeinden gehören, hat ab Samstagmorgen die Aufräumarbeiten koordiniert und ein Schadensregister erstellt. GFO-Chef Armin Vonlanthen verglich die Lage in Plasselb mit dem Unwetter in Schwarzsee von 1997. Auch ältere Plasselber können sich nicht erinnern, je so etwas erlebt zu haben. Die Ärgera, die bei starken Regenfällen zu einem reissenden Fluss werden kann, ist kaum angeschwollen. Das zeigt, dass die Gewitterfront in einem sehr schmalen Streifen über das Oberland gefegt ist.

See im Eichholz

Auch in anderen Gemeinden war die Feuerwehr im Einsatz (siehe Kasten). Zwischen Plasselb und Giffers war die Kantonsstrasse ab Freitagabend wegen Schlammlawinen, Erdrutschen und umgefallenen Bäumen gesperrt. Der Platz vor der Käserei Eichholz wurde wegen verstopfter Abflüsse zu einem See.

Die Schlammlawine floss über eine Liegenschaft und sorgte dafür, dass in der March Böschung und Strasse abrutschten. Bilder Aldo EllenaBlick auf die Schlammlawine, am Freitag kurz vor 23 Uhr. Wenig später waren die Aufräumarbeiten voll im Gange. Bild zvg/imDas Wasser suchte sich den Weg den Hang hinunter (l.). Dorfplatz am Samstagmorgen (m). Rutschung in der March (r). Bilder Aldo Ellena

Zahlen und Fakten

220 Einsätze in 13 Gemeinden

Gemäss Kantonspolizei wurden die Feuerwehren von 13 Ortschaften insgesamt zu 220 Einsätzen gerufen, und die Polizei musste 42 Mal ausrücken. Betroffen war vor allem der Sensebezirk. Die Autobahneinfahrt Freiburg-Nord war von 23.15 Uhr am Freitag bis zum frühen Samstagmorgen wegen Überschwemmungen gesperrt. Für 30 Minuten war zudem eine Strasse zwischen Granges-Paccot und Courtepin gesperrt. Verletzt wurde einzig ein älterer Mann in Plasselb: Er stürzte, als er die Schäden in seinem Keller begutachten wollte.im

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