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Eine Sekunde Ewigkeit

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Um einen Eindruck von «Ewigkeit» zu bekommen, erzählten wir uns ab und zu die Geschichte vom kleinen Vogel mit dem winzigen Schnabel:

Alle 1000 Jahre komme er zum höchsten Berg der Erde, um dort an dessen Spitze seinen Schnabel zu wetzen.

Wenn dann eines Tages der ganze Berg abgewetzt sein würde, sei eine Sekunde der Ewigkeit vorbei. Beliebig erhöhten wir die Zahl der Jahre des Wetz-Rhythmus, um der Ewigkeit noch mehr Unermesslichkeit zu geben.

Vor mehr als drei Jahrhunderten stand da ein Hügel, etwas ausserhalb der Stadt Paris, sein Name war «Stern», Butte de L’Etoile. Viele Jahre lang war auf seiner Anhöhe ein grosser achteckiger Platz angelegt. Ein Jahrhundert später entstand die Idee, den alten Strassen ein ausgeglicheneres Gefälle zu geben. Auf Vorschlag des Bauinspektors des Königs wurde der Sternen-Hügel um fünf Meter abgetragen. Mit dem Aushub wurden die Champs-Élysées aufgeschüttet. Es entstand der gross angelegte runde Platz, der Place de L’Etoile.

Man dachte auch da an ein ewiges Reich von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang.

Wenn Architekten heute fantastische, grossartige Gebäude aufstellen, sind diese womöglich nicht für die Ewigkeit gebaut, doch wer mag schon daran denken, beim Betrachten solcher Kunst- werke?

Als die Erde noch selbstverständlicher aus Freiplatz und Raum zu bestehen schien, konnten Fachleute – welche Freude, welche Arbeit – den Bau ganzer Städte planen. Daran musste ich denken, als ich kürzlich in Paris auf eine hohe Terrasse stieg.

So oft bin ich schon in dieser kunstvoll angelegten Weltstadt herumgegangen, kenne viele Ecken und staune immer wieder über geniale Anlagen von Architektur und Ingenieurwesen, bin aber noch nie auf der Plattform des Arc de Triomphe gestanden. Dieser Triumphbogen steht auf dem Place de l’Etoile, also auf dem abgetragenen Hügel. Und dieser Triumphbogen, der die Siegesgier von Napoleon verewigen soll, erschien mir immer als zu armee- und kriegsgetränkt, was wohl der Grund ist, dass ich ihn nur aus der Froschperspektive betrachtete.

Die Jahreszeiten wandern durch die Stadt, die Lichter gestalten ihr Ansehen, Paris beginnt manchmal in der Luft, ich wollte dem Herbsthimmel entgegengehn – wenn ich ein Vogel wär – diesmal dazu auf den Arc de Triomphe steigen.

Unten im Bogen erwartet einen die Ewigkeit, es brennt die traurige Flamme für die Erloschenen. Die Flamme, «die Ewige», symbolisiert die Erinnerung an die unbekannten Gefallenen, in Kriegen für Frankreich. Den Gedanken nahm ich mit auf den Stufenweg nach oben zur Plattform des Arc, obwohl ich die Rundsicht auf die wunderschöne Stadt wieder einmal sehen wollte und nicht in Kriegshistorie ertrinken.

Und es erwartete mich die Wucht der Schönheit!

Am klaren, leuchtenden Herbstabendhimmel segelten Wolkenkähne, wie auf einer Pariser Flagge die Seine-Schiffe – unten gerade und flach, oben gebauscht – und zu meinen Füssen lag der Stern, das enorme Strassenbild. Zwölf Avenuen laufen aus dem Rund des Platzes in jede Himmelsrichtung. Der Autostrassenverkehr ist aus meiner Vogelperspektive spielerisch leichtrollendes Karussell.

Der abgetragene Hügel ist sanftes An-und Absteigen der Sternstrassen. Heute heisst dieser Platz Charles-de-Gaulle-Etoile und ist ein Meisterwerk der Grossstadt-Verkehrsführung.

Da stand ich dann eine halbe Ewigkeit und schaute auf Stern und Himmel, Architektur und Baukunst, fand die Menschen wiedermal genial und vergass für eine Weile die unbekannten Toten unten im Hügel. Im Moment waren wir Stadtbetrachter die Übriggebliebenen.

Die Strahlung von unten, die Strahlung von oben, hat diese Stadt etwas Ewiges? Ich weiss, dass es nicht so ist, auch wenn alle Mauern des Arc de Triomphe «Sieg» heissen wollen.

 

Sus Heiniger ist Kunstmalerin und lebt in Murten. Als Kulturschaffende ist sie in einem FN-Kolumnistenkollektiv tätig, das in regelmässigem Rhythmus frei gewählte Themen bearbeitet.

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