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Eine Sprachenverträglichkeitsprüfung

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Demokratische Gesellschaften schützen und fördern schwächere und benachteiligte Mitglieder und Gruppen der Gesellschaft. So gibt es besondere gesellschaftliche und gesetzliche Massnahmen für Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene, Kranke, Behinderte, Alte, Frauen, Minderheiten und benachteiligte Personen. Ziel ist es, Diskriminierungen zu verhindern und Personen, welche in erschwerten Verhältnissen oder mit ungünstigen Voraussetzungen leben und arbeiten müssen, zu fördern und somit deren Chancen im Leben zur verbessern und möglichst gleichwertige Bedingungen für alle anzubieten.

 

Gewisse Massnahmen wie zum Beispiel Quotenregelungen werden heftig diskutiert. Viele Massnahmen gehören zu den ungeschriebenen Gesetzen oder zur normalen Funktionsweise unserer Gesellschaft. So denkt niemand daran, bei einem kontradiktorischen politischen Gespräch nur eine Partei oder bei sozial relevanten Themen an Podiumsgesprächen nur eine Generation, Vertretende einer einzigen Gruppe oder Schicht einzuladen. Frankreich hat neu für die Departementswahlen Binome zwischen Frauen und Männern aufgestellt, und in der Schweiz kennt man für die Besetzung von Funktionen wie Präsidentin, Co- und Vizepräsidenten eine gleichzeitige oder alternierende Aufteilung zwischen Frauen und Männern, Parteien und Sprachgruppen.

 

Deshalb erstaunt es immer wieder, dass in der mehrsprachigen Schweiz Sprachen einfach durch die Lappen gehen. So wird auch von politischen Instanzen häufig nur von der dreisprachigen Schweiz gesprochen, und in Freiburg wähnt man sich oft in einer einsprachigen Stadt oder in einem einsprachigen Kanton. So versucht man in der Stadt Freiburg, die neue Steuererklärung nur auf Französisch schmackhaft zu machen, obwohl die deutsche Entsprechung für die entsprechenden Regionen existiert, deutschsprachiges Theater gehört nicht zu einem systemischen Ganzen, sondern bildet eine Art Wurmfortsatz. Französisch wird mitunter an Diplomverleihungen nicht gebraucht. Wenn Kultur gefördert werden soll, dann hat der sprachliche Aspekt zu wenig Gewicht. Das Freiburger Filmfestival Fiff gebraucht das Deutsche mündlich sehr marginal, obwohl die Filme beispielhaft in beiden Sprachen vorgestellt werden.

 

Es geht natürlich nicht um eine systematische und parallele Übersetzung (das ist für die vielen Zweisprachigen tödlich!), sondern um einen dynamischen, kreativen Umgang mit der Zweisprachigkeit. Der Einbezug der Sprachen, der Sprechenden und ggf. auch der Zweisprachigkeit gehört in das Freiburger Projektmanagement–egal, ob es sich dabei um ein Gesetz, eine Publikation, eine Veranstaltung, ein Logo, ein Schild, eine Preisverleihung, eine Ansprache handelt.

 

Wir brauchen eine sprachliche Checkliste, eine Art Sprachenverträglichkeitsprüfung, welche hilft, unsere Eigenart zu erhalten und weiterzuentwickeln.

Claudine Brohyist Linguistin und wohnt in Freiburg. Sie ist zweisprachig aufgewachsen und hat in Freiburg und in Kanada studiert. Sie interessiert sich für die verschiedenen Aspekte der Zweisprachigkeit und ist Mitglied einer FN-Autoren-Gruppe, die im Monatsrhythmus frei gewählte Themen zur Zweisprachigkeit bearbeitet.

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