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Eine Städterin wird Alphirtin

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Eine Städterin wird Alphirtin

Autor: Anton Jungo

Die 51-jährige Ute Braun aus dem deutschen Laufersweiler arbeitet jeweils während der Sommermonate als Hirtin auf Freiburger Alpen. Die ersten Alpsommer verbrachte sie im Schwarzseetal und jetzt 16 Sommer auf der Rumena im Plasselbschlund. Ihre Erlebnisse und Eindrücke hat sie in einem 250-starken Buch «Alpsommer. Mein neues Leben als Hirtin» festgehalten.

«Alpsommer» ist in diesen Tagen im Ehrenwirth-Verlag erschienen. Zurzeit weilt die Autorin an der Leipziger Buchmesse, wo sie Gelegenheit hat, ihr Buch zu präsentieren.

Auf sich allein gestellt

Ute Braun lädt in ihrem Buch dazu ein, mitzuerleben, wie eine Städterin mit einem ihr total fremden Leben konfrontiert wird. Plötzlich auf sich allein gestellt, muss sie sich langsam an ihr neues Leben und ihre Aufgabe auf der Alp herantasten. «Jetzt habe ich nur noch mich. Mich, auf einer Weide im Nebel», stellt sie fest. Sie muss sich an das Alleinsein gewöhnen, an die einsamen Nächte in der Alphütte ohne Licht und mit seltsamen Geräuschen.

Sie freundet sich mit Tieren an, vor denen sie sich in ihrer Jugend ängstigte. Die Städterin muss sich an die Arbeit im Stall gewöhnen. Sie unternimmt bei Wind und Wetter tägliche Gänge über die Weiden und kontrolliert die Zäune. Sie geht entlaufenen Tieren nach und führt zugelaufene zurück.

Umgang mit dem Essen

Sie muss sich an die Alphütte ohne elektrisches Licht und fliessendes Wasser gewöhnen. Beim Schleppen der Eimer erinnert sie sich an Bilder von Frauen in Mali. Sie muss den Herd anfeuern, wenn sie warmes Wasser will. Sie muss mit einfachem Essen vorliebnehmen, das sie Biss für Biss auf die Alp tragen oder selbst produzieren muss. «Wenn ich nächstes Jahr nicht wieder komme, ist mein grösster Schatz, den ich von der Alp mitnehme, einen Umgang mit dem Essen gefunden zu haben», stellt Ute Braun fest, die in ihrer Jugend an Essstörungen gelitten hat.

Fantasie ist gefragt

Ihre Fantasie hilft ihr, Lösungen zu finden, um den Alltag zu organisieren und angenehmer zu gestalten. Sie richtet sich ein Freiluftbad ein, verpflanzt die Toilette, um die Sicht ins Tal geniessen zu können. Der Garten wird immer reicher mit Gemüse und Kräutern bepflanzt. Der Speisezettel wird vielfältiger. Sie muss aber gegen Wühlmäuse und Kaninchen kämpfen und töten lernen, um die Ernte zu sichern.

Sie lernt Käsen und den Kreislauf der Milch kennen. Aus Ziegenmilch entsteht nicht nur Käse und Zieger. Die lauwarme Schotte dient als wohltuendes Fussbad und schliesslich als Schweinefutter.

Sie macht aber auch Bekanntschaft mit Nachbarhirten, die ihr zu Hilfe eilen, wenn schwere Arbeiten anfallen. Sie empfängt auf der Alp Familienangehörige, bewirtet aber auch fremde Wanderer, die unangemeldet bei ihrer Hütte Halt machen.

Im Lauf der vergangenen 16 Jahre hielt auf der Rumena auch eine gewisse Modernisierung Einzug. Das Telefon und Sonnenkollektoren wurden eingerichtet. Die Heuwiese wird nun mit dem Motormäher gemäht.

Augenblicke der Musse

Das Leben auf der Alp eröffnet aber auch Augenblicke der Musse. Es gibt Zeiten zum Meditieren und seinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Die Augenblicke, wo sie auf dem Lehnstuhl auf der Veranda in die Nacht hinauslauscht, sind Ute Braun heilig. Sie geniesst es aber auch auf einer Weide in die Hocke zu gehen und dem Tauwetter zu lauschen. «Je länger ich zuhörte, umso klarer ertönte Musik. Ein ganzes Orchester schien zu spielen. Geigen und Trompeten und Posaunen, mächtiger als das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker», schreibt sie, und weiter: «Heute, in der Farnlandschaft, spüre ich es wieder, das kostbarste Geschenk, der Natur an mich: teilzuhaben an ihrem Geheimnis, dass alles IST.»

Ute Braun: Alpsommer. Mein neues Leben als Hirtin. Bergisch Gladbach: Ehrenwirth/Lübbe Verlag, 256 Seiten, 64 Abbildungen. Fr. 33.90.

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