Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

«Einen Kulturwandel kann man nicht per Dekret verordnen»

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Das Sense-Mittelland soll zu einer einzigen Gemeinde fusionieren. So sieht es der Fusionsplan des Sensler Oberamtmannes Nicolas Bürgisser vor. Bisher haben die Gemeinden Alterswil, Heitenried, St. Ursen, St. Antoni und Tafers allerdings keine Schritte in diese Richtung unternommen. Die CVP St. Antoni hat mit einer Diskussionsrunde am Dienstagabend unter dem provokativen Titel «Wie lange kann St. Antoni noch selbstständig bleiben?» die Debatte lanciert (siehe auch FN vom 27. Mai).

 «Ich befürchtete, dass nur zwei, drei Leute kommen würde», sagte Heinz Wyler, Präsident der CVP St. Antoni und ehemaliger Gemeinderat, zu den rund 50 Anwesenden. «Der Abend ist auch ein Test; wenn niemand gekommen wäre, hätten wir uns wirklich Sorgen machen müssen», sagte CVP-Mitglied Albert Noth, der den Abend moderierte.

«Fusion ist sinnvoll»

«Ihr ward schon einmal zusammen», sagte Oberamtmann Nicolas Bürgisser. Bis Ende des 19. Jahrhunderts bildeten die heutigen fünf Gemeinden eine Pfarrei. Er hielt fest, dass eine Fusion nicht in jedem Fall sinnvoll sei; «für das Sense-Mittelland ist sie es aber». Die Aufgaben für die Gemeinden würden immer härter und brutaler und es sei schwierig, geeignete Gemeinderäte zu finden. «Ein Gemeinderat ist kein Kegelverein. Es kann nicht sein, dass man einfach jemanden dazu überredet, dafür sind die Aufgaben zu anspruchsvoll.»

Daniel Riedo, Gemeindepräsident von Gurmels, referierte als «Fusionsmeister»: Gurmels hat drei Fusionswellen hinter sich. Als Vorteile einer Fusion nannte Riedo etwa die grössere Finanzstärke, die grössere politische Kraft und den Ausbau der Verwaltung. Ein Nachteil sei aber, dass nach der Fusion deutlich weniger Bürger die Gemeindeversammlung besuchten.

Der Berner Fusionsexperte Reto Steiner hielt fest: «Einige Gemeinden kommen an ihre Grenzen.» Er riet den fünf Gemeinden, eine Fusion frühzeitig anzugehen, da es den Esprit der Bevölkerung brauche. «Es braucht Zeit. Einen Kulturwandel kann man nicht per Dekret verordnen.»

Zurückhaltende Syndics

In der Fragerunde wollte ein Bürger wissen, welche Rolle es spiele, dass es im Sense-Mittelland keine Gemeinde wie Gurmels gebe, nach der sich die anderen orientieren könnten. «Es ist tatsächlich einfacher, wenn es ein klares Zentrum gibt», antwortete Reto Steiner. «Ohne das braucht es mehr Zeit und Wille.»

Ein anderer Bürger kritisierte, dass der Kanton immer mehr Aufgaben auf die Gemeinden abwälze und so die Fusionen notwendig mache. «Der Kanton delegiert die Aufgaben, ob ihr fusioniert oder nicht», sagte Bürgisser. «Da ist der Kantons-Gessler angesprochen», meldete sich darauf Staatsrat Beat Vonlanthen zu Wort. «Ich möchte heute Abend aber als Gemeindebürger eine Frage an die Syndics stellen: Wie wollt Ihr eine Fusion konkret angehen?»

«Jetzt kommt es zur öffentlichen Beichte», sagte Albert Noth und gab Hubert Schibli, Ammann von Alterswil, das Wort. «In den nächsten fünf Jahren müsst Ihr nicht zu uns kommen», sagte dieser. «Wir funktionieren noch gut.» Ähnlich tönte es von Walter Fasel, Ammann in Heitenried: «Im Moment drängt es sich nicht auf», sagte er. «Dass in der Schweiz die Gemeinden eine solche Hoheit haben, erachte ich als grosses Glück, das man nicht einfach so aufgeben sollte.» Wenn sich einmal keine Gemeinderäte mehr finden liessen, müsse Heitenried jedoch über eine Fusion nachdenken.

Genau dies sei für die Gemeinde St. Antoni der Grund, eine Fusion anzustreben, sagte Ammann Urs Klemenz. «Ich sehe schwarz, in Zukunft Personal für den Gemeinderat zu finden.»

Die Gemeinde St. Ursen war nicht vertreten und von Tafers war der Syndic nicht anwesend, jedoch Gemeinderätin Margrit Dubi. «Wir diskutieren gelegentlich über eine Fusion, konkret ist aber nichts.»

Lead beim Gemeinderat

Nach diesen Voten forderten die Grossräte Emanuel Waeber (SVP, St. Antoni) und Thomas Rauber (CVP, Tafers) die Gemeinderäte auf, den Lead zu übernehmen. «Die Bevölkerung sieht es häufig nicht gleich wie der Gemeinderat», sagte Rauber. «Für die Jungen ist es normal, mit den anderen Gemeinden zusammen zu sein.»

 

Zahlen und Fakten

Eine Gemeinde mit 10000 Einwohnern

Würden die Sense-Mittelland-Gemeinden Alterswil, Heitenried, St.Ursen, St.Antoni und Tafers gemäss den Plänen des Oberamtmannes fusionieren, entstünde eine Gemeinde mit rund 10000 Einwohnern. Bisher haben die Ammänner jedoch keine Notwendigkeit zu einer Fusion gesehen. Im Sense-Unterland ist keine Fusion geplant. Im Sense-Oberland sind die Fusionsvorbereitungen fortgeschritten: Brünisried, Oberschrot, Plaffeien, Plasselb und Zumholz arbeiten an einer Fusionsvereinbarung. Auch Rechthalten war dabei, zog sich nun aber gestern zurück (siehe Text Seite 3). Auch Giffers, St. Silvester und Tentlingen haben nach einer Konsultativabstimmung im Februar zu verhandeln begonnen. Wollen die fusionswilligen Gemeinden in den Genuss von Kantonssubventionen kommen, müssen sie die Fusion bis am 1. Januar 2017 umgesetzt haben.mir

Mehr zum Thema