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Einsatz für ein Dach über dem Kopf

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Ein 24-jähriger Schweizer hat zwischen zwei Stellen eine zweiwöchige Einkommenslücke, zahlt die Miete verspätet und sieht nach einem Jahr seinen Mietvertrag nicht mehr verlängert. Er hat Betreibungen; einen festen Wohnsitz findet er nicht mehr. Während zweier Monate übernachtet er im Auto.

Dieses Beispiel greift Caritas Freiburg in der April-Ausgabe ihrer Zeitschrift auf. Die Publikation ist ganz den Leuten gewidmet, die in Freiburg vergeblich eine Wohnung suchen. Auch an der Generalversammlung vom Mittwoch wurde das Problem den Mitgliedern anschaulich dargestellt.

«Das Problem hat ein enormes Ausmass angenommen», sagt Petra Del Curto, Direktorin von Caritas Freiburg. «40 Prozent unserer Anfragen um Unterstützung bei Stiftungen betreffen heute die Wohnsituation.» Caroline Vannay, Sozialarbeiterin bei Caritas Freiburg, sagt: «Es vergeht keine Woche, während der wir uns nicht mit einem Wohnproblem auseinandersetzen.» Sie unterscheidet zwei Arten: Personen mit Rückständen in der Miete und solche, die ihre Wohnung bereits verloren haben und keine neue finden.

Druck von überall

Caritas hat für die angespannte Situation verschiedene Probleme ausgemacht. Mit der Bevölkerungsentwicklung habe sich der Wohnungsmarkt verschärft; die Mieten sind gestiegen. Dazu kommt, dass bei Personen mit Schulden Inkassobüros «problematische Methoden bis hin zu Drohungen anwenden», so Direktorin Del Curto. Dies hat zur Folge, dass die Betroffenen zuerst diese Rechnungen und erst nachher die Miete bezahlen.

Doch Mietrückstände werden bei Immobilienfirmen immer weniger toleriert. Caroline Vannay: «Eine Miete im Rückstand kann schon grosse Auswirkungen haben.» Del Curto ergänzt: «Die Miete und die Krankenkasse zu bezahlen, muss erste Priorität haben. Auch wenn viele Leute das nicht wahrhaben wollen: Mieter werden sogar im Winter auf die Strasse gestellt.»

Deshalb empfiehlt die Sozialarbeiterin Vannay, so früh wie möglich mit Caritas Kontakt aufzunehmen, jedenfalls bevor man auf der Strasse steht. Sie hat festgestellt, dass Immobilienbesitzer heute mehr denn je, den «idealen Mieter» suchen. Ein Klecks im Reinheft, etwa eine Betreibung, auch wenn es sich nicht um Mietrückstände handelt: Schon entspricht man nicht mehr diesem optimalen Profil.

 Wer sich ohne Obdach bei der Caritas meldet, für den ist Hilfe schwierig. Die Hilfsorganisation kann die Personen oft nur an die Notschlafstelle La Tuile oder an den Sozialdienst weiterleiten. Für Petra Del Curto ist vor allem die Lage von Familien prekär. Gerade letzten Freitag habe eine Familie in dieser Situation bei der Caritas angeklopft. Im Kanton gebe es keinen Ort, der auf obdachlose Familien ausgerichtet ist. Del Curto hofft, dass ein für 2014 angekündigter kantonaler Bericht über die Armut Lösungen den Weg ebnet, beispielsweise in Form von sozialem Wohnungsbau.

Ebenfalls besorgt über die Situation auf dem Wohnmarkt zeigt sich François Mollard, Dienstchef Soziale Aktion bei der kantonalen Gesundheits- und Sozialdirektion. Rückmeldungen von den Sozialdiensten «an der Front» bestätigen ihm den von Caritas aufgezeigten Trend. Mollard verweist auf die Kantonsverfassung, in der steht, jede Person habe das Recht auf eine angemessene Unterkunft. Oder in den Worten Mollards: «Niemand kann und muss auf der Strasse oder unter der Brücke schlafen.» Wer also in einer Notlage ist, könne sich an einen Sozialdienst wenden, und dieser muss eine Lösung finden.

Sozialdienste als Garanten

Die Sozialdienste treten gegenüber Vermietern als Garanten für Mieten auf. Im Unterschied zu den Bittstellern bei Caritas sind das aber Personen, die nicht über ein bestimmtes Mindesteinkommen verfügen.

Für François Mollard ist heute der Zeitpunkt gekommen, eine Arbeitsgruppe zu reaktivieren, welche die grossen Sozialdienste, die Vermieter und eine Institution wie die Notschlafstelle La Tuile an einen Tisch bringt. Diese Arbeitsgruppe war bereits vor ein paar Jahren aktiv und habe für eine gute Zusammenarbeit unter den Beteiligten gesorgt.

Nun sind aber bei diesen Institutionen zum Teil wieder neue Leute dabei, und man müsse sich kennenlernen und Vertrauen schaffen, so Mollard. Vor allem müsse ein Vermieter wissen, dass er einer Garantie der Sozialhilfe trauen kann. Der Dienstchef hat denn auch nicht den Eindruck, dass Immobilienfirmen strikter geworden sind als früher: «Es gibt so viele Fälle, wo ein Vermieter lange wartet, bevor er jemandem kündigt.» Die Zusammenarbeit zwischen Vermietern und Sozialdiensten sieht Mollard als eine seiner Hauptaufgaben.

Mieterverband: Mehr Wechsel, höhere Mieten

A rbeitskräfte aus EU-Ländern sind für Pierre Mauron, Präsident der Mietervereinigung Asloca, ein Grund für die sich verschärfende Situation auf dem Wohnungsmarkt. «Durch die Personenfreizügigkeit gibt es in Mietwohnungen mehr Wechsel: Viele Leute kommen, und viele gehen schnell wieder», so Mauron. «Mieterwechsel sind oft der Auslöser, dass die Besitzer die Mieten erhöhen.» Mauron befürchtet, dass sich dies noch verschärfen wird, wenn die Hypothekarzinsen wieder ansteigen.

Die Mietervereinigung interveniert in der Regel nur für Leute mit Mietverträgen. Bei der Beratung von Mietern mit Zahlungsschwierigkeiten rät Asloca, prioritär Krankenkasse und Miete zu bezahlen.

Schwierigkeiten, Wohnraum zu finden, sind in städtischen Gebieten akzentuierter, sie sind aber auch auf dem Land zu verspüren. Dies bestätigt Ingrid Hofstetter, Stellenleiterin der Beratungsstelle Impuls Seebezirk. «Mieten sind hoch und im Seebezirk gibt es keine Sozialwohnungen.»

Ingrid Hofstetter attestiert, dass in ländlichen Gebieten die Nachbarschaftshilfe in der Regel gut funktioniere, sie hat aber auch schon erfahren, dass Personen ohne Obdach kurzfristig in Hotels einquartiert wurden. Da setze sich manchmal ein Gemeinderat ein, um mit einem Hotel eine Lösung zu finden, so Hofstetter. uh

 

Zahlen und Fakten

Wohnraum in Bulle am knappsten

Das Bundesamt für Statistik erfasst jeweils per 1. Juni den Leerwohnungsbestand in der Schweiz. Gemäss der Erfassung vom Juni 2012 standen im Kanton Freiburg 1024 Wohnungen leer. Dies entspricht einem Durchschnitt von 0,77 Prozent. Noch knapper ist der Wohnraum gemäss dieser Erhebung in Genf (0,33 Prozent), Basel-Land und -Stadt, Zug, Zürich, Waadt, Obwalden, Luzern und Uri. Gesamtschweizerisch lag der Leerwohnungsbestand bei 0,94 Prozent. Auf die grösseren Freiburger Ortschaften heruntergebrochen lag am 1. Juni 2011 der Wert in Bulle bei 0,25 Prozent, in Murten bei 0,56 Prozent, in Villars-sur-Glâne bei 0,72 Prozent und in Freiburg bei 1,06 Prozent.uh

Wohnungsnot: Notschlafstelle La Tuile ist am Limit

D ie Wohnungsnot für Menschen in schwierigen Situationen schlägt sich bei der Notschlafstelle La Tuile deutlich nieder. Im vergangenen Jahr hat La Tuile rund 500 Personen ein Obdach für die Nacht gegeben. Die 8000 Übernachtungen für die 28 Betten stellen einen Rekord dar: die Belegung stieg gegenüber dem Vorjahr um 22 Prozent; der Deckungsgrad betrug 120 Prozent. «Wir legen Matratzen auf den Boden und richten Betten auf Sofas ein», erklärt Tuile-Direktor Eric Mullener. Er sagt aber: «Mehr ist nicht möglich.»

Dabei beherbergte La Tuile Leute aus verschiedenen Gründen. Gemäss ihrem Direktor Eric Mullener haben es Mieter, die anecken, aber auch Kranke, IV- oder AHV-Rentner oder Personen mit Betreibungen immer schwerer, ein Zuhause zu finden.

Dem Tuile-Direktor ist es wichtig, dass seine Institution nicht bloss Schlafmöglichkeiten anbietet. Dem grössten Teil der Klienten reiche zwar eine «dépannage» für einige Tage, problematisch aber seien jene fünf Prozent der Personen, die mehr als 90 Tage bei La Tuile bleiben. «Das sind Leute, für die der Wohnungsmarkt verstopft ist», so Mullener. Er sagt, dass für sie nicht das Einkommen das hauptsächliche Problem sei. Dafür sei die Sozialhilfe da. «Es ist eher das Benehmen dieser Leute: Sie haben eine Geschichte als schlechte Mieter.» Mullener beziffert diese Gruppe auf rund 30 Personen. Die Institution bietet deshalb begleitetes Wohnen an; die Plätze reichen aber nicht. Der Direktor verrät, dass La Tuile nächsten Monat in Bulle eine solche Wohngelegenheit eröffnet. Eine weitere Filiale erhofft er sich für Deutschfreiburg.

Der Tuile-Direktor attestiert vielen Immobilienfirmen, dass sie nicht nur an Geld denken. «Es reicht aber nicht, einem Mieter einfach einen Vertrag und einen Schlüssel zu geben. Es gibt Personen, die einfach nicht in der Lage sind, in einer Wohnung zu bleiben.» Soziale Begleitung «für schlechte Kunden» sieht Mullener als eine Aufgabe seiner Institution. uh

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