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Einsprecher fordern neues Gutachten

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Einsprecher fordern neues Gutachten

Autor: Pascale Hofmeier

Rot oder Blau entscheiden auf der Naturgefahrenkarte darüber, was auf einem Grundstück gebaut werden darf und was nicht. Das erfahren die Hausbesitzer im Quartier Bad in Schwarzsee hautnah und sehen rot ob der roten Zone mit erheblicher Erdrutschgefährdung, der ihre Liegenschaften zugeteilt wurden: «Das ist Willkür», sagt Anton Zaugg. Er ist Mitglied der Interessengemeinschaft (IG) Bad, in der sich alle Chaletbesitzer des Quartiers Bad zusammengeschlossen haben.

Empörte Chalet-Besitzer

Mit einer Sammeleinsprache, die 18 Personen unterschrieben haben, wehren sich diese gegen die Ortsplanungsrevision und zielen insbesondere auf die Gefahrenkarte. «Es kann nicht sein, dass das Hotel Bad in der blauen Zone liegt, wir aber der roten Zone zugeteilt sind.» Blau bedeutet mittlere Gefährdung (Kasten links).

Erstellt wurde die Gefahrenkarte durch den Kanton bereits 2003. Darin war das ganze Quartier Bad und auch das Hotel Bad rot eingezeichnet. Im letzten Sommer wurde ein Bericht veröffentlicht, der das Hotel Bad in die blaue Zone einstuft. Die Grenze zwischen den Zonen verläuft entlang der Kantonsstrasse. Und das ist denn auch der Grund für das Aufbegehren der Chaletbesitzer: «Das ist für uns nicht nachvollziehbar», sagt Alfred Lutz, ebenfalls Mitglied der IG Bad. «Ein Erdrutsch würde nicht an der Strasse halten», doppelt Zaugg nach.

Heftige Vorwürfe

Und die Vorwürfe der IG Bad gegenüber der Gemeindebehörde und auch dem Kanton sind happig: die öffentliche Auflage der revidierten Ortspläne sei mangelhaft; es fehle ein unabhängiges Gutachten; die Zuordnung zur roten Zone sei geologisch ungenügend abgeklärt; die gesetzliche Grundlage für Umzonungen fehle, und noch einige Punkte mehr.

Die beiden Vertreter fordern ein «unabhängiges geologisches Gutachten». Um selber eines in Auftrag zu geben, fehle ihnen das Geld, sagt Zaugg. Zumindest solle der Kanton dafür sorgen, dass der Hang mit Drainagen entwässert werde. «Auf der Riggisalp wird dies gemacht, aber der Schwyberg wird komplett vernachlässigt», sagt Lutz.

«Bericht ist unabhängig»

Die Vorwürfe der IG Bad stossen bei Ammann Otto Lötscher auf wenig Verständnis: «Der zweite Bericht ist unabhängig.» In Auftrag gegeben hatte diesen die Gemeinde mit dem Einverständnis des Kantons. Wenn die Haus- und Bodenbesitzer beweisen wollten, dass es sich nicht um eine rote Zone handle, müssten sie selber ein Gutachten erstellen.

Diese Meinung teilt auch Nicolas Bürgisser, Oberamtmann des Sensebezirks und Vizepräsident der kantonalen Naturgefahrenkommission: «Pauschale Vorwürfe bringen nichts. Die Messungen wurden durch ein unabhängiges Büro durchgeführt, und das Verfahren war sehr transparent» Er verstehe den Unmut der Bodenbesitzer, da die Grundstücke in der roten Zone nicht bebaut werden können und somit an Wert verlieren. «Es ist nicht sehr populär, die Konsequenzen aus Naturereignissen wie Falli-Hölli umzusetzen», sagt Bürgisser.

Beim Quartier Bad handle es sich um rutschgefährdetes Flyschgebiet. Die Notwendigkeit der Gefahrenkartierung fasst er in einen Satz: «Wenn etwas passiert, dann haftet die öffentliche Hand.» Es behaupte auch niemand, eine allfällige Rutschung würde an der Kantonsstrasse anhalten, denn das Hotel Bad liege weiterhin in einer Gefahrenzone, nämlich in der zweithöchsten, der blauen Zone.

Unscharfe Abgrenzungen

Dennoch stellt sich die Frage, warum im Gebiet Bad die Gefahrenkarte überhaupt revidiert wurde. «Gefahrenkarten sind immer mit einer gewissen Unschärfe behaftet», sagt Willy Eyer, Sektorchef Naturgefahren des freiburgischen Amts für Wald. Weil die erste Kartierung des Gebietes «zu knapp argumentiert» ausgefallen sei, habe das Amt die Gemeinde ermutigt, im Bad weitere Abklärungen durchführen zu lassen.

Diese dauerten anderthalb Jahre. In dieser Zeit seien zwei sogenannte Inklinometer eingesetzt worden, einer auf der Talseite des Hotels Bad und einer im Hang. Bei diesem Verfahren wurden rund 20 Meter tiefe Bohrkerne entnommen, anschliessend wird ein Kunststoffrohr in den Boden eingelassen. «An den Bohrkernen sieht man den geologischen Aufbau und die Schichtung des Untergrunds», erklärt Eyer. Die Röhren bleiben im Boden. «Anhand von Deformationen der Röhren kann später gemessen werden, ob Gleitschichten vorhanden sind.»

Bewegung deformiert

Die Messung habe gezeigt, dass sich im flachen Teil neben dem Hotel Bad keine Gleitschichten befänden, das Rohr sei also nicht deformiert worden. «Im Hang waren die Resultate weniger klar», sagt Eyer. Es seien nur kleine, nicht eindeutig identifizierbare Bewegungen gemessen worden. «Hier besteht die Gefahr in möglichen Aktivierungen von oberflächlichen Rutschbewegungen.»

Hinter der zweiten Messung stand aber noch ein weiterer Grund, die rote Zone: «Weil die hohe Gefahrenstufe Konsequenzen für den Wert der Grundstücke haben kann, unterstützten wir diese Überprüfung durch die Gemeinde. Die neuen Resultate wurden von der Gemeinde und von der Kantonalen Naturgefahrenkommission anerkannt.»

Karten sind nicht «fix»

Eyer gibt zu bedenken, dass es sich bei Gefahrenkarten nicht um millimetergenaue Karten handelt. «Wir beurteilen natürliche Prozesse, das ist mit Unsicherheiten behaftet.» Ein Problem sei auch, dass die Gefahrenkarten später als Basis für die Raumplanung als fixe, präzise Grösse verwendet würden. «Man behandelt sie dann so, als ob sie auf den Millimeter genau wären. Dem Problem der Unschärfe könnte man bei der Umsetzung in die Raumplanung besser Rechnung tragen.»

Ob und wie dies in Bezug auf die Einsprache der IG Bad geschehen wird, das wird der Gemeinderat bei der Umsetzung der Ortsplanungsrevision entscheiden müssen (vgl. rechter Kasten).

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