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Eisenbahnwaggons und Lemminge

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Potz Jobs und heiliger Zuckerberg. Sie haben versucht, mich fertigzumachen, als ich sagte, dass Digitalisierung auch Gefahren in sich berge und ein Hype – gleichbedeutend mit aufgebauschten Übertreibungen – sei. Ich wurde als ein romantischer Naivling in die Ecke gestellt. Typen wie ich seien ein Schweiz-feindliches Standortrisiko. Und wenn wir nicht mitmachen würden, seien wir für immer abgehängt, und man könne sich doch der Zukunft nicht verweigern, sie sei unauf­haltsam.

Mich hat das verwundert. Schliesslich wird doch gefordert, dass kritische Menschen keine Phrasen nachbeten sollen. Und die Prognosen, die uns das vollcomputerisierte Dasein ausmalen, habe ich auch nicht erfunden: das gläserne Individuum, die Abschaffung des Bargeldes, der ermordete Detailhandel, das zentrale Erfassen aller Lebensdaten, inklusive Gesundheit, die Verrohung der Kommunikation, das Verschwinden vieler Jobs. Natürlich muss das nicht passieren. Aber es kann. Und wenn es passiert, drohen soziale Verwerfungen, die jede bisherige Krise wie ein laues Lüftchen erscheinen lassen. Das so zu sehen, soll ein Standortrisiko sein?

Dass schliesslich alle anderen auch mitmachen, kann auch kein Argument sein – jedenfalls, wenn man dem Kindergartenalter entwachsen ist. Das letzte angeblich Unaufhaltsame war die Globalisierung. Die sei notwendig und nützlich für alle, wurde behauptet. Heute fragen sich mancherlei Leute, ob das so stimmt. Passende Ideen und der Wille vorausgesetzt, ist nichts unaufhaltsam. Die Verzifferung des Lebens ist kein Naturgesetz, und dem lieben Gott ist es egal. Es ist der Mensch, der sie betreibt. Er kann es auch sein lassen.

Nicht jede Zukunft ist eine gute. Wenn man nicht mehr nachsehen muss, ob es genug Milch im Kühlschrank hat, mag das toll sein. Wenn der Computer die fehlende Milch nur noch bei Amazon-eigenen Käsereien bestellt, ist’s schon weniger lustig. Gar nicht lustig wird’s, wenn mich das Algorithmus genannte Blechhirn für kreditunwürdig hält, nur weil ich in einem günstigen Quartier lebe. Richtig ernst wird es, wenn ich im Knast lande, weil ein anderes Blechhirn behauptet, Leute mit meinem Nachnamen würden zum Terrorismus neigen.

Die Digitalisierung fordert uns heraus. Wer ausschliesslich danach strebt, nicht abgehängt zu werden, gleicht einem Eisenbahnwaggon, dessen Tempo und Richtung der Zug bestimmt. Wer ausschliesslich tut, was andere tun, ist ein Lemming. Und wer nur noch Vollgas gibt, landet eines Tages im Abgrund. Ich denke, die Welt braucht Menschen, die selbst entscheiden, ob sie im Zug mitfahren oder nicht, und die auch den Mut haben, aus dem Zug zu auszusteigen oder das Lemmingsrudel zu verlassen.

Das ist alles andere als einfach, aber notwendig.

 

Beat Brülhart wohnt in Düdingen. Er ist Unternehmensberater und Trainer für Führungskräfte sowie Referent am Schweizerischen Institut für Unternehmensschulung. Als Mitglied des Gewerbeverbandes Sense ist er in einem FN-Kolumnistenkollektiv tätig, das in regelmässigem Rhythmus frei gewählte Themen bearbeitet.

 

 

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