eishockey 29.06.2019

Bulls fehlt das Geld für grosse Namen

Bei den Bulls führt der Erfolg auch in der nächsten Saison nur über das Team und nicht über einzelne Ausnahmekönner.
Trotz gesunder Finanzen gestaltet sich die Spielersuche für die Düdingen Bulls zunehmend schwierig, wie der Club der Swiss Regio League an seiner Generalversammlung vom Donnerstag erklärte.

Praktisch mit der Schlusssirene hatten sich die Düdingen Bulls Ende Februar im Spiel gegen den nachmaligen Absteiger Star Forward in extremis noch in der Swiss Regio League halten können. Die äusserst schwierige Saison ist nicht ohne Spuren an Spielern und Trainer vorbeigegangen. Trainer Thomas Zwahlen sagte, er sei zuerst einmal eine Woche krank gewesen: «Die Saison war extrem herausfordernd, und ich möchte so was nicht nochmals erleben.» Einmal mehr wurde an der GV vom Trainer, aber auch von Sportchef Martin Jeckelmann darauf hingewiesen, wie die Verletzungshexe immer wieder zuschlug. «Teils waren 14 Spieler verletzt», erklärte Jeckelmann, das könne keine Mannschaft verkraften. Zwahlen übernahm aber auch Mitverantwortung für die schwierige Saison: «Wir haben sicher den Fehler gemacht, dass wir der zweiten Goalieposition zu wenig Beachtung geschenkt haben. Durch den Ausfall unseres Stammhüters während der ganzen Saison waren wir auf kurzfristige Lösungen angewiesen, was unserem Defensivspiel gar nicht guttat.»

Präsident Josef Baeriswyl stellte seinen Saisonrückblick unter das Motto «Zusammen sind wir stark». Ziel sei gewesen, das Team in seiner zweiten Saison in der Swiss Regio League zu etablieren. Das sei knapp gelungen. Dass Spieler zum Teil mit Knochenbrüchen in das entscheidende Spiel in Morges stiegen, war für den Präsidenten ein Zeichen, wie sehr sich die Spieler für den Verein aufopferten.

Gottérons Juniorenchef Gerd Zenhäusern und der designierte Gottéron-Präsident Hubert Waeber wiesen auf die wichtige Zusammenarbeit mit den Bulls hin. «Der Ligaerhalt war auch für uns äusserst wichtig. Die Zusammenarbeit konnten wir in der letzten Saison, die auch für unsere Junioren nicht einfach verlief, vertiefen», hielt Zenhäusern fest. Durch das neue Ausbildungskonzept im Kanton und die Partnerschaft der Bulls mit SenSee Future soll auch im Juniorenbereich endlich die notwendige langfristige Talentschmiede im Kanton professionalisiert und die Arbeit daran intensiviert werden. Ein Team in der National League und eines in der Swiss Regio League zu haben sei unabdingbar.

Cup-Einnahmen fehlen

Die schwierige Saison zieht im Kader Konsequenzen nach sich. Verschiedene Spieler entschieden sich, ihre Karriere an den Nagel zu hängen oder zumindest kürzerzutreten. Andererseits gestaltete sich die Spielersuche nicht ganz einfach. So konnten bisher sieben Zuzüge gemeldet werden. 14 Spieler verlassen den Club. «Wir haben nicht die finanziellen Mittel, um grosse Namen zu verpflichten», sagte Zwahlen. «Wir führten etwa Gespräche mit drei Spielern, die am Ende alle bei Aufsteiger Lyss landeten.» Es sind nicht nur die Finanzen alleine, die entscheidend sind, immer öfter wird auch erwartet, dass auf diesem Niveau zwei Trainings pro Tag stattfinden – beim Amateurklub Düdingen Bulls ist das schlicht nicht machbar.

Auch wenn die Bulls finanziell keine grossen Sprünge machen können, so haben sie ihre Finanzen doch im Griff. Der dafür zuständige Damian Roggo konnte eine ausgeglichene Rechnung 2018/19 präsentieren, vorab dank den über 30 000 Franken an Einnahmen aus dem Cup-Spiel gegen La Chaux-de-Fonds und diversen Finanzaktionen. Total beliefen sich Einnahmen und Ausgaben auf rund 480 000 Franken. Just die Cup-Einnahmen werden dieses Jahr nach dem blamablen Ausscheiden gegen 1.-Ligist Franches-Montagnes aber fehlen. Deshalb müssen die Ausgaben für den Spielbetrieb gesenkt und gleichzeitig die Einnahmen aus Finanzaktionen erneut gesteigert werden. Dazu soll das einzige «Heimvorbereitungsspiel» von Gottéron am 5. September gegen die Düsseldorfer EG in Düdingen beitragen.

Saison 2019/20

Kader der Bulls

Torhüter: Lucas Gaudreault (neu, Elite A Gottéron), Damian Guggisberg (neu, EHC Basel).

Verteidigung: René Bruni (neu, Wiki-Münsingen), Gaël Bulliard, Ludovic Hayoz, Matthias Jörg (neu, Elite A Gottéron), Ronnie Schmid, Sandro Thom, Noel Tschanz, Michel Zwahlen.

Sturm: Marco Baeriswyl, Jonas Braichet, Benjamin Bussard, Philipp Fontana, Benoît Grandjean (neu, Châteaux-d’Oex), Andri Kessler, Luca Knutti, Guillaume Leva (neu, Star Forward Morges), Antoine Maillard, Remo Schlapbach, Elton Shala (neu, Uni Neuenburg), Yannick Stettler.

Trainer: Thomas Zwahlen. Assistenztrainer: Max Dreier.

Abgänge: Lars Blanchard (?), Yannic Chassot (?), Mathieu Dousse (Rücktritt), Mauro Flüeler (?), Janick Holzer (Rücktritt), Sandro Nussbaumer (Sarine), Simon Perdrizat (?), Kilian Roggo (Rücktritt), Joël Röthlisberger (?), Michael Ryf (?), Thibaud Sauthier (?), Maic Spicher (Rücktritt), Fabian Zaugg (Wiki-Münsingen), Pascal Kohler (Thun).

Interview

Zwahlen: «Können um Playoffs mitspielen»

Im Interview mit den FN blickt Bulls-Trainer Thomas Zwahlen auf die nächste Saison voraus.

Thomas Zwahlen, Sie steigen erneut mit einem jungen Torhüterduo in die kommende Saison. Gehen Sie dadurch nicht wieder ein erhöhtes Risiko ein?

Damian Guggisberg hat in Basel wertvolle Erfahrungen gesammelt, und ich setze deshalb grosse Hoffnungen in ihn. Und Lucas Gaudreault hat bei Gottérons Elite-A-Junioren entscheidend zum Ligaerhalt beigetragen. Der Unterschied zum letzten Jahr ist, dass wir zwei gute Torhüter haben, die ich beide auch wirklich einsetzen kann. Das ist ein grosser Vorteil, und ich bin überzeugt, dass wir nun auf der Torhüterposition wesentlich besser aufgestellt sind.

Wie sieht Ihre Transferbilanz grundsätzlich aus?

In der Verteidigung sind wir dank den Zuzügen von René Bruni und Matthias Jörg sicher stärker besetzt. Nach wie vor etwas mehr Sorgen macht mir die Offensive. Hier hätte ich sicher gerne noch die eine oder andere Verstärkung.

Wie wird die Zusammenarbeit mit den Junioren von Gottéron aussehen?

Ich verstehe mich mit Gerd Zenhäusern (Red.: Nachwuchschef Gottéron) sehr gut. Wir überprüfen regelmässig, wie wir uns gegenseitig helfen können. Die schwierige letzte Saison beider Teams hat uns natürlich nicht geholfen, aber wir haben beide das Beste für den anderen zu erreichen versucht. Dieses Jahr haben wir bereits eingehend die Zusammenarbeit besprochen und einige Spieler bestimmt, die auch bei uns zum Einsatz kommen sollen. Ebenfalls sehr positiv erachte ich die engere Partnerschaft mit SenSee Future.

Was erwarten Sie für die Saison 2019/20?

Die Playoffs müssen das Ziel sein. Ich denke, wir werden mit Teams wie Seewen, Chur, Thun oder Wiki-Münsingen darum kämpfen. Die Aufsteiger Lyss und Arosa scheinen Ambitionen zu haben. Wir werden sehen, ob sie den Schwung des Aufstieges mitnehmen können. Durch die Relegation von Star Forward ist neu Huttwil statt Basel in der Westgruppe, andererseits ist Siders aufgestiegen, womit die Stärkeverhältnisse einigermassen gleich bleiben. Ich bin überzeugt, dass wir ohne allzu grosse Verletzungssorgen um die Playoffs mitspielen können.

mr