eishockey 09.05.2019

Christoph Bertschys WM-Premiere

Christoph Bertschy (l.) wird an der WM in der Slowakei die vierte Sturmformation der Schweiz anführen.
Erstmals wurde der Sensler Christoph Bertschy für eine Eishockey-WM aufgeboten. Ab Samstag wird er in der Slowakei an der Seite des weiteren Freiburgers Tristan Scherwey stürmen. Die Vorfreude ist gross.

Als Junior nahm Bertschy mit der Schweizer U18- (2011) und der U20-National­mannschaft (2012 und 2013) dreimal an einer Weltmeisterschaft teil. Nachdem der 25-jährige Düdinger Stürmer in den letzten Jahren den letzten Cut der Vorbereitung nicht überstanden hatte, feiert er nun in Bratislava/Kosice WM-Premiere mit der A-Nationalmannschaft. Im Interview mit den FN spricht der Spieler des HC Lausanne, der für die Minnesota Wild neun NHL-Spiele bestritten hat, über seine Ziele mit der Schweiz, darüber, was Nationaltrainer Patrick Fischer von ihm erwartet und ob er sich mit guten Leistungen in der Slowakei für ein Angebot aus Übersee auf­drängen will.

Christoph Bertschy, wie gross ist die Vorfreude auf Ihre erste Teilnahme an einer Weltmeisterschaft?

Sehr gross. Ich konnte schon zwei- oder dreimal die WM-Vorbereitung mitmachen, am Ende hat es aber nicht gereicht. Das war zwar sehr frustrierend, aber so ist eben das Business. Dass ich diesmal dabei sein werde, ist sehr cool.

Das Saisonende mit Ihrem Club Lausanne im Playoff-Halbfinal liegt bereits über einen Monat zurück. Wie schwierig ist es, danach über eine so lange Zeit die Spannung hochzuhalten?

Nach dem Saisonende sind schon ein paar Tage nötig, um abzuschalten und eine Teamreise oder so zu machen. Sobald die WM-Vorbereitung beginnt und die Testspiele anstehen, ist es aber relativ einfach, die Spannung für die kommenden Aufgaben aufzubauen.

In der Nationalmannschaft spielen Sie wieder mit Tristan Scherwey zusammen, so wie einst schon bei den Junioren oder beim SC Bern …

Das ist sicher eine coole Sache. Wir kennen uns tatsächlich schon lange, noch von den Freiburger Juniorenzeiten her. Dass wir beide dereinst zusammen an einer Weltmeisterschaft spielen würden, hat bestimmt niemand erwartet. Es ist spannend, zu sehen, wie wir beide verschiedene Wege gegangen sind und am Schluss doch wieder am gleichen Ort landen.

Nach den WM-Silbermedaillen 2013 und 2018 sind die Ansprüche an die Schweizer Nationalmannschaft gestiegen – auch bei Ihnen?

Nationaltrainer Patrick Fischer geht damit offen um. Wir wollen uns gegenüber der letzten WM sicherlich nochmals verbessern. Das Gleiche will auch ich.

Dann wird innerhalb der Nationalmannschaft also der WM-Titel als Ziel formuliert?

Soweit ich es mitbekommen habe, ja (schmunzelt).

Patrick Fischer war trotz des WM-Silbers nicht unumstritten. Wie nehmen Sie den Nationaltrainer wahr?

Fischer ist ein positiv eingestellter Mensch und sehr offen. Als Trainer kommuniziert er seinen Spielern klar, was er erwartet. Er ist ein moderner junger Trainer, der auch bei den Spielern auf die Karte Jugend setzt.

Und welches Spiel erwartet er von seinem Team?

Er will ein schnelles Eishockey sehen, modern und offensiv ausgerichtet.

Welche Rolle hat Fischer für Sie bei Ihrer WM-Premiere vorgesehen?

Stand heute werde ich zusammen mit Tristan Scherwey und Noah Rod die vierte Linie als Center anführen. Fischer erwartet von uns, dass wir viel Energie ins Spiel bringen. Wir sollen mit Speed und körperbetont agieren. Und natürlich sollen auch wir Tore erzielen.

Dennoch ist Ihre Rolle eine andere als beim HC Lausanne, wo sie offensiver spielen.

Das ist klar, so spiele ich beispielsweise kein Powerplay in der Nationalmannschaft, dafür aber im Boxplay. Fischer trennt das strikt: Wer Powerplay spielt, kommt in Unterzahl nicht zum Zug und umgekehrt.

Ihr Vierjahresvertrag mit Lausanne enthält eine NHL-Ausstiegsklausel, die vor jeder Saison aktiviert werden kann. Eine starke WM könnte allenfalls eine Tür in Übersee öffnen …

Ehrlich gesagt, habe ich darüber zuletzt relativ wenig nachgedacht. In erster Linie will ich mit der Nationalmannschaft ein gutes Bild abgeben. Aber klar, wenn sich etwas ergibt, werde ich sicher nicht Nein sagen.

«In erster Linie will ich mit der Nationalmannschaft ein gutes Bild abgeben.»

Christoph Bertschy

Schweizer Nationalspieler