Eishockey 20.03.2019

«Das wäre eine Katastrophe»

Die Elite-A-Junioren von Gottéron spielen ab heute in der Liga-Qualifikation gegen Rapperswil ums Überleben auf höchster Nachwuchsstufe. Ein Abstieg hätte verheerende Folgen, sagt Ausbildungschef Gerd Zenhäusern.

Ein einziges Tor hat am Sonntag Gottéron im letzten Spiel der Relegationssrunde der Elite-A-Junioren gegen Ambri gefehlt, und der Freiburger Nachwuchs wäre gerettet gewesen. Stattdessen jedoch verlor er die Partie mit 2:3, weshalb er den letzten Platz von den Tessinern übernommen hat und den Gang in die Liga-Qualifikation gegen die Rapperswil-Jona Lakers, die Schweizer Meister der Elite-B-Junioren, antreten muss. In einer Best-of-5-Serie, die heute (20.30 Uhr) für Gottéron mit einem Heimspiel beginnt, geht es für die jungen Freiburger nunmehr um alles oder nichts.

«Bin der Hauptverantwortliche»

«Ein Abstieg wäre eine Katastrophe, ein Erdbeben. Ich darf gar nicht daran denken», sagt Gerd Zenhäusern, der Ende 2016 als Gottéron-Trainer zurückgetreten war und das Amt des Nachwuchschefs übernommen hatte. Der ohnehin bereits schwierige Weg von den Junioren in das Erwachseneneishockey würde ohne ein Team auf der höchsten Nachwuchsstufe unmöglich – und die Freiburger würden die letzten übrig gebliebenen Talente auf Stufe Elite-A-Junioren verlieren.

Die Ursachen dafür, wie es überhaupt so weit kommen konnte, dass die Junioren am Abgrund stehen, sind vielfältig. «Vieles ist schiefgelaufen. Es ist immer das Gleiche und tönt ein wenig wie Ausreden … Wir sind schon schlecht in die Saison gestartet mit dem Abgang von David Aebischer, den wir nicht ersetzen konnten (Red.: den mit Abstand besten Verteidiger des Teams zog es in die kanadische Junioren-Meisterschaft zu Gatineau), und mit drei Spielern, die verletzungsbedingt für die komplette Saison ausgefallen sind», erklärt Zenhäusern. Ein anderer Spieler habe nach nur einem Monat das Handtuch geworfen, und auch die Zusammenarbeit mit Trainer Pavel Rosa – der Tscheche hatte von 2011 bis 2013 für Gottéron gestürmt – verlief nicht wie gewünscht. «Ich hatte das Gefühl, dass nie eine richtige Mannschaft auf dem Eis stand. Dafür trägt auch der Trainerstaff eine grosse Verantwortung, doch es ist nichts passiert.» Ende Februar wurde Rosa, der noch einen Vertrag für die nächste Saison besitzt und für den nun eine andere Lösung in der Juniorenabteilung gesucht wird, von Serge Volet und Nicolas Gauch abgelöst. Den Fall in die Liga-Qualifikation konnte dieses Duo jedoch ebenfalls nicht mehr verhindern. «Es hat uns schlicht auch die Qualität für vier Linien gefehlt, die es für eine ganze Meisterschaft braucht.» Dafür nimmt sich Gerd Zenhäusern ganz persönlich in die Pflicht. «Ich bin der Hauptverantwortliche, ich habe die Mannschaft zusammengestellt. Ich dachte, dass das so klappen könnte, nun übernehme ich auch die Verantwortung.»

Der Standortnachteil

Gleichzeitig hadert der Ausbildungschef mit der Situation. «Es ist ein Wahnsinn, du investierst so viel, und wenn es in einem Jahr schlecht läuft, ist alles kaputt.» 1,5 Millionen Franken lässt sich Gottéron den Nachwuchs pro Jahr kosten. Dieses Geld hat Zenhäusern während der vergangenen drei Jahre vorab in die Qualität gesteckt. «Weil wir nicht über die Quantität an Spielern verfügen, habe ich die Qualität priorisiert. Ich habe ein kantonales Ausbildungskonzept erarbeitet, die Trainingsphilosophie auf den unteren Stufen ab Minis abwärts verändert und einen Trainer im Powerskating engagiert.» Und er habe versucht, die Elite-Novizen nach vorne zu bringen, was mit dem Sieg am letzten Freitag in den Playoff-Viertelfinals gegen den SCB Future gelungen sei.

Doch über all dem steht aktuell das Schicksal der Elite-A-Junioren, das letztlich auch die Konsequenz davon ist, dass im Kanton noch immer kein funktionierendes Konzept für die Vereinbarkeit von Ausbildung und Sport vorhanden ist. «Jedes Jahr verlieren wir zwei oder drei Spieler, weil sie die Ausbildung nicht mit fünf Trainings und zwei Spielen pro Woche vereinbaren können», kritisiert Zenhäusern. Die geografisch eher ungünstige Lage zwischen Bern und Lausanne käme dann hinzu, wenn Junioren aus anderen Kantonen rekrutiert werden sollten, weil es keine zweite Mini-Top-Equipe in Freiburg gebe, um die Novizen-Elite mit neuen Spielern zu versorgen.

Zu resultatorientiert

«Es dürfte deshalb nicht so sein, dass ein National-League-Verein keine Elite-A-Junioren hat. Schliesslich investieren alle Clubs viel in die Junioren.» Gottérons Nachwuchschef plädiert dafür, dass die Spitzenclubs einen fixen Anspruch auf ein Team auf höchster Juniorenstufe haben, «unabhängig von den Resultaten. In unserem Fall ist es ja nicht so, dass nichts hinterherkommt, wie die Elite-Novizen zeigen. Das alles jedoch bricht zusammen, falls wir absteigen sollten.» Das stehe in krassem Widerspruch zu dem, was vom Verband immer wieder gepredigt werde: Nicht die Resultate sollen im Vordergrund stehen, sondern die Förderung der Junioren. Unter den aktuellen Umständen habe Gottéron diesbezüglich keine Chance. «Statt in den Playoffs auf Sieg zu spielen, stehen die drei stärksten Elite-Novizen Lauris Zengaffinen, Colin Bochud und Dominik Binias mit den Elite-A-Junioren in der Liga-Qualifikation und gehen auf das Eis, um nicht zu verlieren. Wir aber wollen Spieler ausbilden, die siegen wollen», redet sich Zenhäusern in Rage.

Er sei auf hundert, weil er im Schlamassel stecke, fügt Zenhäusern entschuldigend an. Denn die Aussichten für das ­Duell gegen die Lakers lassen ihn nicht ruhig schlafen. «Rapperswil hat eine sehr gute Mannschaft. Der Club hat drei Jahre darauf hingearbeitet, den Aufstieg zu schaffen.» Letzte Saison scheiterten die St. Galler noch an Ambri. Jetzt soll es gegen Gottéron klappen. Bleibt aus Freiburger Sicht nur zu hoffen, dass die Junioren es gegen die Lakers besser machen als das Fanionteam, dessen Bilanz gegen Rapperswil mehr als nur mässig ist …

«Es ist ein Wahnsinn, du investierst so viel, und wenn es in einem Jahr schlecht läuft, ist alles kaputt.»

Gerd Zenhäusern

Ausbildungschef Gottéron