Eishockey 17.09.2019

An der Seite seiner Jugendhelden

Vor vier Tagen gab Gottéron-Stürmer Sandro Schmid sein Debüt bei den Profis. Nach seinen drei Lehrjahren in Schweden will sich der 19-Jährige aus Murten nun in Freiburg seinen Platz in der Mannschaft erarbeiten.

«Als ich als Junge im Nachwuchs von Gottéron spielte, waren Andrei und Julien bereits diejenigen, die den Club prägten», sagt Sandro Schmid, mit Jahrgang 2000 klar der jüngste Spieler beim ältesten Team der Liga. Nun sind Andrei Bykow und Julien Sprunger nicht mehr die Spieler, denen er zujubelt, sondern seine Teamkollegen. «Natürlich denkt man sich da manchmal: Wow! Aber gleichzeitig versuche ich das auszublenden und mich bloss auf mein Spiel zu konzentrieren – schliesslich bin ich jetzt ebenfalls Teil dieses Teams.»

Sein Debüt bei den Profis gab der Stürmer am Freitag beim Saisonauftakt in Biel. An der Seite von Flavio Schmutz und Tristan Vauclair spielte er im vierten Block, stand insgesamt 7:15 Minuten auf dem Eis und machte seine Sache gut. «Ich bin zufrieden mit meiner Leistung. Ich denke, dass ich das umgesetzt habe, was der Trainer von mir verlangt hat», so der 19-Jährige, der auch in Unterzahl zum Einsatz gelangte und das Eis mit einer ausgeglichenen Bilanz verliess.

Tatsächlich hält Trainer Mark French einiges vom jungen Murtner. «Er hat in der gesamten Vorbereitung einen wirklich guten Job gemacht und es sich redlich verdient, zum Saisonauftakt einen Platz in unserem Lineup zu haben», so French. «Er skatet gut und nimmt auch die Zweikämpfe an. Ausserdem hat er einen hohen Hockey-IQ, das hilft ihm dabei, Systeme und Taktiken schnell zu lernen.»

Topskorer bei Malmö

Den Hockey-IQ hat Schmid in den letzten drei Jahren in Schweden weiterentwickelt, in einem Land, das bekannt dafür ist, Spieler mit hohem taktischem Verständnis auszubilden. Direkt nach der Orientierungsschule ging Schmid nach Malmö. Dort lebt seine Tante, die ihm ein Probetraining bei den Malmö Redhawks organisierte, einem Team aus der höchsten schwedischen Juniorenliga. Der Deutschfreiburger reüssierte und wohnte fortan auch gleich bei seiner Tante. Zwischen 2016 und 2019 lief er drei Saisons lang für die Redhawks auf. Letzte Saison war er mit 23 Toren und 21 Assists in 41 Spielen Topskorer des U20-Teams. «Die drei Jahre in Schweden haben mir sehr viel gebracht, das Juniorenhockey dort hat ein sehr hohes Niveau. Aber nicht nur sportlich, sondern auch menschlich hat es mich weitergebracht», so Schmid, der im Gespräch trotz seinem jungen Alter tatsächlich sehr reif wirkt.

Gottéron oder Ajoie?

Wie viele weitere Spiele Schmid, der noch zwei Jahre unter Vertrag steht, in dieser Saison mit Gottéron absolvieren wird, ist völlig offen. Schon nur, dass er heute Abend in Langnau wieder auf dem Eis steht, ist nicht sicher. Gestern im Training wechselten sich Killian Mottet, Vauclair, Schmutz und Schmid in der vierten Linie ab. Nicht ausgeschlossen also, dass Schmid 13.  Stürmer oder gar überzählig sein wird. Gut möglich auch, dass er in dieser Saison den einen oder anderen Match beim Partnerteam Ajoie in der Swiss League absolvieren wird. Freiburgs Sportchef Christian Dubé hat bereits mehrmals betont, für einen jungen Spieler sei es vor allem wichtig, viel Einsatzzeit zu haben. «Natürlich ist es mein Ziel, bei Gottéron zu bleiben und möglichst viel auf dem Eis zu stehen», sagt Schmid dazu. Er habe aber kein Problem damit, dass stets die Möglichkeit bestehe, zu Ajoie abgeschoben zu werden. «Alles, was ich machen kann, ist, jeden Tag alles zu geben. Das ist das Einzige, worauf ich wirklich Einfluss habe, deshalb konzentriere ich mich einzig darauf. Über alles andere mache ich mir keine Gedanken.»

Verbessern könne er sich noch in sämtlichen Bereichen, sagt der U20-Nationalspieler. Was auffällt: Körperlich fällt der 179 Zentimeter grosse und 77 Kilogramm schwere Stürmer nicht ab. «Der Leichteste bin ich nicht. Zu zwei bis drei Kilogramm mehr würde ich allerdings nicht Nein sagen, aber es ist nicht meine erste Priorität. Es beeinträchtigt meinen Spielstil nur minim, wenn meine Gegenspieler schwerer sind als ich.»

Schmid ist ein klassischer Zweiwegstürmer. «Ich kann Tore schiessen, bin aber auch zuverlässig in der Verteidigung. Als junger Spieler ist es im Moment für mich wohl fast wichtiger, dass sich das Team in der Defensive auf mich verlassen kann.»

Wieder bei den Eltern

Sandro Schmid ist in Murten ein Exot. Das Städtchen ist nicht gerade als Eishockey-Hochburg bekannt. «Aber mein Vater war schon immer hockeybegeistert. Er spielte selbst in den Amateurligen und nahm uns mit an Spiele.» So begeisterten sich auch Sandro und sein zwei Jahre älterer Bruder Ronnie, der heute bei den Düdingen Bulls spielt, für den Sport. Via EHC SenSee fanden beide den Weg in die Juniorenabteilung von Gottéron.

Nach drei Jahren in Schweden ist es heute für Sandro Schmid fast wieder wie früher. «Ich wohne wieder bei meinen Eltern.» Ins Training fährt der 19-Jährige nun aber selber – oder mit Teamkollege Samuel Walser. «Mittlerweile habe ich das Permis aber ebenfalls gemacht, deshalb muss nicht immer nur er fahren, manchmal fährt er auch mit mir», sagt Sandro Schmid und lacht. Der junge Murtner wird erwachsen – und auch auf dem Eis wird er versuchen, sich in Gottérons Hierarchie Schritt für Schritt nach vorne zu arbeiten.

Der heutige Gegner

Fakten zu den SCL Tigers

• Mit Larri Leeger, Raphael Kuonen, Anthony Huguenin, Benjamin Neukom, Sebastian Schilt, Andrea Glauser und Damiano Ciaccio stehen bei Langnau gleich sieben Spieler im Kader, die in ihrer Karriere auch schon für Freiburg-Got­téron gespielt haben.

• Zum Auftakt setzte es für die Emmentaler am Freitag eine 1:3-Heimniederlage gegen Genf-Servette ab.

• Den Topskorerhelm trägt heute Abend entsprechend Yannick Blaser, der das einzige Langnauer Tor erzielte.

• Letzte Saison verlor Langnau beide Heimspiele gegen Gottéron und erzielte dabei beide Male keinen Treffer (0:2, 0:1).

• Neuer Center der ersten Linie ist bei Langnau in dieser Saison der Kanadier Ben Maxwell. Der 31-Jährige spielte letzte Saison mit Spartak Moskau in der KHL und erzielte dort in 59 Spielen 11  Tore und 12 Assists.

 

Spiel in Langnau

Papa Matthias Rossi heute in der Paradelinie

Nach der Auftaktniederlage in Biel ist Gottéron heute (19.45 Uhr) in Langnau auf Wiedergutmachung aus. Das scheint insbesondere für David Desharnais und Ryan Gunderson zu gelten. Die beiden neuen Ausländer, die am Freitag das Spiel jeweils mit einer Minus-3-Bilanz beendeten, standen noch lange nach dem Ende des Mannschaftstrainings auf dem Eis und sammelten am Ende sogar die Pucks zusammen – eine Aufgabe, die sonst eigentlich die Jüngsten im Team übernehmen.

Für die Partie in Langnau kehrt der frischgebackene Vater einer Tochter Matthias Rossi ins Team zurück. Er wird an der Seite von Desharnais und Viktor Stalberg stürmen. Lukas Lhotak wechselt deshalb an die Seite von Daniel Brodin und Samuel Walser.

Killian Mottet, der keine gute Vorbereitung hinter sich hat, dürfte hingegen bloss im vierten Block oder gar nur als 13.  Stürmer zum Einsatz gelangen. Eine Strafmassnahme von Trainer Mark French? «Nein, es wird immer wieder Wechsel geben. Meine Aufgabe ist es, die Leute zu bringen, die so spielen, wie wir spielen wollen, dadurch gibt es für andere Spieler halt manchmal weniger Minuten.»

Grundsätzlich müsse sein Team in Langnau das Puckmanagement verbessern, sagt French. «Wir brauchen mehr Puckbesitz in der gegnerischen Zone als in Biel. Deshalb müssen wir auch die ersten Duelle in der Offensivzone häufiger gewinnen.»

 

Heute (19.45 Uhr) spielen: Langnau - Gottéron. Servette - ZSC Lions. Bern - Ambri. Biel - Rapperswil. Zug - Lausanne. Lugano - Davos.