Eishockey 20.12.2017

Ein deutliches Lebenszeichen

Nach vier Niederlagen in Folge hat Gottéron gestern Abend endlich wieder gewonnen – und wie: Die Freiburger siegten dank starken Rückkehrern und einem leidenschaftlichen Auftritt in Lausanne gleich mit 5:1.

Wenn auf ein Spiel mit acht Gegentoren eine Partie mit nur einem Gegentreffer folgt, ist klar, in welchem Bereich die grösste Steigerung auszumachen ist: in der Defensive. Entscheidend dafür mitverantwortlich, dass Gottéron gestern beim 5:1-Sieg in Lausanne deutlich besser verteidigte als bei der 2:8-Klatsche am Samstag in Lugano, waren die beiden Rückkehrer Barry Brust und Jonas Holos, die letzte Woche mit ihren Nationalmannschaften unterwegs gewesen und bei Gottéron schmerzlich vermisst worden waren. Torhüter Brust spielte bis auf einen groben Schnitzer, der in der 44. Minute zum nicht weiter schlimmen Lausanner Ehrentreffer führte, sehr stark, wehrte 34 der 35 Lausanner Schüsse ab und brachte sowohl am Stock als auch mit seinen Paraden viel Ruhe in die Defensive der Gäste. Sicherheit strahlte auch Verteidiger Holos aus, der über die gesamte Partie hinweg fehlerfrei blieb und fast jeden Zweikampf gewann. Kein Wunder war er mit 23:43 Minuten Spielzeit klar der meistforcierte Spieler der Gäste.

Überragender Jim Slater

Doch Gottéron zeigte sich nicht bloss defensiv stark verbessert, sondern auch offensiv deutlich inspirierter als in den Spielen zuvor. Überragend war die Sturmlinie um Jim Slater und die beiden Doppeltorschützen Matthias Rossi und Killian Mottet. Das Trio hatte bei allen fünf Toren auf irgendeine Art die Stöcke im Spiel. Slater war der Motor des Teams. Seine Entwicklung ist bemerkenswert: Vor der Saison eigentlich bloss als fünfter Ausländer verpflichtet, war der Amerikaner gestern nicht nur Captain und Topskorer seines Teams, sondern auch der Hauptgrund dafür, dass Gottéron nach dem Startdrittel 2:0 führte. In der 4. Minute trug er den Puck vom eigenen Drittel bis vor das gegnerische Tor und bediente Rossi ebenso mustergültig wie in der 18. Minute Mottet.

4:0 nach 27 Minuten

Gottéron blieb auch im Mitteldrittel hartnäckig und nutzte die Fehler der verunsicherten Lausanner aus. In der 25. Minute verlor Jonas Junland als letzter Mann den Puck an Andrei Bykow. Der Puck gelangte zu Tristan Vauclair, der nicht lange überlegte, sondern sofort schoss. Goalie Cristobal Huet liess nach vorne abprallen, Rossi erzielte das 3:0. Es war diese Geradlinigkeit, die Freiburg offensiv besser und effizienter machte als in den letzten Partien. Keine zwei Minuten nach dem dritten Treffer erzielte Caryl Neuenschwander im Fallen das 4:0. Einmal mehr stand Slater mit einem versuchten Buebetrickli am Ursprung des Tors.

Während durchaus Einzelspieler hervorgehoben werden können, zeigte Gottéron aber als gesamte Equipe eine sehr gute Teamleistung. Die Freiburger traten wieder so kompakt, systemtreu und mit derselben Opferbereitschaft auf wie zu Saisonbeginn. Nur selten liess man Lausanne aus guter Position zum Abschluss kommen, selbst die Paradelinie um die beiden besten Skorer der Liga, Dustin Jeffrey und Nicklas Danielsson, erspielte sich nur wenige Chancen.

In Gefahr war der klare und verdiente Sieg der Freiburger nach der frühen Viertoreführung nie. Das einzige Tor der Waadtländer war ein Geschenk von Brust, der zu Beginn des letzten Abschnitts unbedrängt hinter dem Tor den Puck auf den Stock von Florian Conz passte, der nur noch ins leere Tor einschieben musste. Als Lausanne verzweifelt Sandro Zurkirchen, der ab der 27. Minute für Huet im Tor der Waadtländer stand, durch einen sechsten Feldspieler ersetzte, erzielte Mottet mit seinem zweiten Treffer des Abends sogar noch das 5:1.

Waeber fällt wochenlang aus

Dass Brust gestern eine starke Partie zeigte, dürften die Verantwortlichen bei Gottéron übrigens mit Erleichterung zur Kenntnis genommen haben. Denn der Kanadier wird in nächster Zeit in jeder Partie das Tor der Freiburger hüten. Sein potenzieller Ersatz Ludovic Waeber muss sich am Knie operieren lassen und fällt vier bis sechs Wochen aus. Der junge Torhüter, der immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen und in seiner jungen Karriere bereits beide Kreuzbänder gerissen hatte, verletzte sich am Samstag in Lugano beim Einwärmen. Er habe sich beim Verschieben am Knie verletzt, habe aber selbst grünes Licht gegeben, von einem Arzt ebenfalls grünes Licht erhalten und deshalb die Partie dennoch absolviert, erklärte gestern Sportchef Christian Dubé. Er wird keinen Ersatz für Waeber holen. Da Brust stets im Tor stehen wird – Junior und Türchenöffner Lucas Gaudreault dürfte keine ernsthafte Option sein –, wird Trainer Mark French in den kommenden Wochen selbst nach einer Rückkehr von Roman Cervenka damit die taktische Möglichkeit mit vier ausländischen Feldspielern anzutreten, nicht zur Verfügung stehen.

Chance zum Nachdoppeln

Wie wichtig der gestrige Erfolg war, zeigt ein Blick auf die Tabelle. Mit dem Sieg konnte Gottéron verhindern, dass Lausanne punktemässig aufschliesst, und sich eine gute Ausgangslage schaffen, Weihnachten trotz allem über dem Strich zu verbringen. Am Freitag bietet sich den Freiburgern sogar eine gute Möglichkeit, sich im Strichkampf wieder etwas Luft zu verschaffen. Dann nämlich gastiert das formschwache Ambri, das zuletzt fünfmal in Folge verloren hat, im St. Leonhard.

Telegramm

Lausanne - Gottéron 1:5 (0:2, 0:2, 1:1)

6333 Zuschauer. – SR Oggier/Tscherrig, Borga/Fluri. Tore: 4. Rossi (Slater) 0:1. 18. Mottet (Slater) 0:2. 25. Rossi (Vauclair) 0:3. 27. Neuenschwander (Vauclair, Slater) 0:4. 44. Conz 1:4. 59. Mottet (Birner) 1:5 (ins leere Tor). Strafen: 6-mal 2 Minuten gegen Lausanne, 7mal 2 Minuten gegen Freiburg.

Lausanne: Huet/Zurkirchen (ab 27.); Genazzi, Fischer; Junland, Frick; Schelling, Thévoz; Nodari; Pesonen, Jeffrey, Danielsson; Zangger, Froidevaux, Herren; Ryser, Miéville, In-Albon; Roberts, Kneubuehler, Conz; Bariatti.

Freiburg-Gottéron: Brust; Kienzle, Stalder; Rathgeb, Abplanalp; Holos, Chavaillaz; Kühni; Meunier, Bykow, Birner; Rossi, Slater, Mottet; Neuenschwander, Rivera, Vauclair; Marchon, Schmutz, Chiquet.

Bemerkungen: Lausanne ohne Borlat, Gobbi, Trutmann, Walsky und Vermin (alle verletzt), Gernat (überzähliger Ausländer) sowie Ritz (U20), Freiburg ohne Cervenka, Glauser, Schilt, Sprunger, Fritsche und Waeber (alle verletzt). – Timeout Lausanne (4./Coaches Challenge). – Lattenschuss Junland (9.), Pfostenschuss Zangger (51.). – Genazzi im Mitteldrittel verletzt ausgeschieden. – Lausanne von 55:55 bis 58:54 ohne Torhüter.

Die FN-Besten: Zurkirchen und Slater.