Eishockey 15.02.2020

Gottéron in all seinen Facetten

Diesmal hat Gottéron den Stolperstein Rapperswil umgehen können – auch dank Topskorer Viktor Stalberg, der endlich wieder Tore schoss. Doch der 5:3-Sieg musste trotz einer klaren Führung noch erzittert werden.

Ziemlich genau vor einem Jahr hatte sich die Ausgangslage für die Freiburger vor einem Heimspiel gegen die Lakers fast identisch präsentiert. Mit einem Sieg hätte Gottéron seinen Vorsprung auf den Strich (je nach den Ergebnissen der Konkurrenz) auf vier Zähler ausbauen können. Aber die Freiburger, die mit einer unerklärlichen Nonchalance auftraten, liessen diese goldene Chance sträflich aus und verloren gegen das Schlusslicht nach einer enttäuschenden Vorstellung mit 1:4. Es waren liegen gelassene Punkte, die damals in der Endabrechnung im Kampf um die Playoffs fehlten. Sicherlich hatte der eine oder andere Freiburger dieses Spiel im Kopf, als er gestern gegen die St. Galler auf das Eis ging, jedoch auch den festen Willen, gleiches nicht noch einmal geschehen zu lassen. Dennoch geriet das Heimteam wie vor Jahresfrist zuerst wieder in Rückstand. Juraj Simek eröffnete – allerdings entgegen dem Spielverlauf – das Skore für die Lakers (7.).

Stalberg beendet Durststrecke

Doch noch bevor sich Unsicherheit in den Reihen der Freiburger breitmachen konnte, folgte die prompte Reaktion in Form eines Doppelschlags. Zunächst traf Jéremie Kamerzin mit einem satten Schuss, und nur gerade 43 Sekunden später konnte Viktor Stalberg das 2:1 bejubeln, nachdem Lakers-Hüter Melvin Nyffeler einen für den Schweden zuletzt so typischen unplatzierten Abschluss passieren lassen musste. Ausgerechnet Stalberg also, der seit 19 Spielen oder dem 30. November auf seinen 12. Torerfolg der Saison gewartet hatte und gestern nur das Topskorer-Shirt tragen konnte, weil er zuletzt fleissig Assists gesammelt hatte und Killian Mottet gestern verletzt passen musste. Wie so oft nach einer langen Durststrecke hatte dieser Treffer eine erlösende Wirkung. Denn nur fünf Minuten später doppelte Stalberg zur 3:1-Führung nach, indem er einen Schuss von der blauen Linie in die Maschen abzulenken vermochte. «Die Zeit ohne Tor war lang», sagte Stalberg nach der Partie. «Seit Weihnachten habe ich eigentlich ganz gut gespielt, aber der Puck wollte einfach nicht rein.»

«Wir haben dumm gespielt»

Das änderte sich gestern nicht nur für Stalberg. Denn es lief weiter für Gottéron. Julien Sprunger stellte bei Spielmitte mit etwas Fortune und dank dem für einmal wenig überzeugenden Nyffeler gar auf 4:1 (der Pass kam von… Stalberg). Bei jeder anderen in Führung liegenden Equipe hätte das wohl einen ruhigen Restabend eingeläutet, zumal die Gäste aufgrund einer erfolglosen Coaches Challenge wegen eines vermeintlichen Offside beim Tor des Freiburger Captains gleich noch mit einem Mann weniger spielen mussten – und wenig später sogar für 63  Sekunden in doppelter Unterzahl. Nicht aber bei Gottéron.

Statt durch Lukas Lhotak oder Zach Boychuk den Sack zuzumachen, brachte es sich in geradezu unnachahmlicher Manier selber wieder in die Bredouille. Zunächst fand ein Slapshot von Daniel Kristo zwischen Freund und Feind den Weg ins Freiburger Tor. Und zwei Sekunden vor der zweiten Pause – wie beim 4:2 war erneut eine Strafe gegen Gottéron angezeigt – erwischte Andrew Rowe den völlig ausser Position stehenden Reto Berra aus spitzem Winkel zum Anschlusstreffer. Zu Recht frustriert, zerstörte der Gottéron-Hüter seinen Stock und verschwand in der Kabine – und bekam deshalb gar nicht mit, dass noch zwei Sekunden zu spielen blieben. Dies wiederum verhalf Backup Ludovic Waeber zum wohl kürzesten Einsatz seiner Karriere. «Die erste Hälfte war für uns ganz einfach, dann fielen wir ins alte Fahrwasser zurück. Wir haben ganz einfach dumm gespielt», hielt Stalberg nicht mit Selbstkritik zurück.

Erzrivalen im Fernduell

Berra seinerseits kehrte für den Schlussabschnitt zurück zwischen die Pfosten – und mit ihm doch noch die zittrigen Hände bei den Freiburgern. Wie bereits zuletzt in Lausanne und Biel konnte ein klarer Vorsprung nicht verwaltet werden, was Coachs und Zuschauern einmal mehr graue Haare bescherte. Anders noch als in der ersten Spielhälfte wenig stilsicher, wurden es lange Schlussminuten für Gottéron. Irgendwie aber brachten sie die drei so wichtigen Punkte doch noch ins Trockene. Verteidiger Marc Abplanalp machte 22 Sekunden vor Ende mit seinem 5.  Saisontreffer ins leere St.  Galler Gehäuse den Sack definitiv zu.

Weil sich der SC Bern gestern seinerseits zu Hause gegen Zug durchsetzen konnte, beträgt der Vorsprung der Freiburger auf den Strich weiterhin einen Punkt. Heute reist Gottéron zu den Zugern, während die Berner in Biel antreten müssen. Mehr und mehr zeichnet sich ab, dass der letzte Platz in den Playoffs zwischen den beiden Erzrivalen ausgemacht wird.

Telegramm

Gottéron – Lakers 5:3 (3:1, 1:2, 1:0)

6069 Zuschauer. Tore: 6. Simek 0:1. 7. Kamerzin (Brodin) 1:1. 8. Stalberg 2:1. 13. Stalberg (Gunderson) 3:1. 28. Sprunger (Stalberg) 4:1. 37. Kristo 4:2 (Strafe gegen Gottéron angezeigt). 40. Rowe 4:3 (Strafe gegen Gottéron angezeigt). 60. (59:38) Abplanalp (Berra) 5:3 (ins leere Tor). Strafen: 2-mal 2 Min. gegen Gottéron, 3-mal 2 Min. gegen die Lakers.

Freiburg-Gottéron: Berra (39:58 bis 40:00 Waeber); Stalder, Gunderson; Furrer, Kamerzin; Marti, Abplanalp; Gähler, M. Forrer; Brodin, Boychuk, Rossi; Stalberg, Schmutz, Sprunger; Marchon, Walser, Vauclair; Lhotak, Schmid, Lauper.

Rapperswil-Jona Lakers: Nyffeler; Randegger, Egli; Dufner, Vukovic; Maier, Hächler; Profico, Schneeberger; Casutt, Pyatt, Clark; S. Forrer, Rowe, Loosli; Simek, Dünner, Kristo; Hüsler, Ness, Mosimann.

Bemerkungen: Gottéron ohne Bykow, Chavaillaz, Desharnais und Mottet (alle verletzt), Lakers ohne Cervenka (verletzt), Schlagenhauf (krank) und Wellman (überzähliger Ausländer). – Lakers von 58:37 bis 59:38 ohne Torhüter).

Die FN-Besten: Stalberg, Rowe.

Der heutige Gegner

Fakten zum EV Zug

• Mit Grégory Hofmann, Lino Martschini und Raphael Diaz sind drei der vier besten Skorer im Team Schweizer.

• Wenn der Leader eine Schwäche hat, dann ist es das Penalty Killing. Nur 76,4 Prozent aller Unterzahlsituationen übersteht Zug ohne Gegentor – das ist der zweitschwächste Wert der Liga.

• In der Saisonbilanz gegen Gottéron steht es 1:1. Im November verloren die Zentralschweizer zu Hause 0:4, im Januar revanchierten sie sich jedoch mit einem 3:2-Sieg im St. Leonhard.

fm