Eishockey 04.05.2019

Gottérons neuer Aggressivleader

Die vierte und letzte Ausländerposition bei Gottéron geht wie erwartet an Daniel Brodin. Der 29-jährige schwedische Stürmer, der mit viel Intensität spielt, kommt von Djurgarden und unterschrieb für eine Saison.

Die Bestätigung liess nicht lange auf sich warten. Am Donnerstag unterlag Djurgarden in der Playoff-Finalserie der Eliteliga Schwedens Frölunda mit 2:4, gestern Nachmittag gab Gottéron die Vertragsunterzeichnung mit Daniel Brodin für die Saison 2019/20 bekannt. Wie bereits vor Wochenfrist, als die Engagements von David Desharnais und Viktor Stalberg vom russischen KHL-Club Avangard Omsk offizialisiert wurden, mussten die Freiburger erst das Saisonende in Schweden abwarten, ehe der seit geraumer Zeit fixe Transfer kommuniziert werden durfte. Damit ist das rundum erneuerte Ausländerquartett von Gottéron für das nächste Championat komplett. Auf dem Papier zumindest versprechen der amerikanische Offensivverteidiger Ryan Gunderson, der kanadische Center Deshar-nais sowie die schwedischen Flügelstürmer Stalberg und Brodin ein klares Upgrade gegenüber den Ausländern der abgelaufenen Saison zu sein, insbesondere auch hinsichtlich des Freiburger Überzahlspiels, das zuletzt so schwach gewesen ist.

Er kann auch skoren

Derweil Gunderson, Stalberg und Desharnais sich vorzugsweise durch ihre Skorerqualitäten auszeichnen, liegen die Qualitäten des 29-jährigen Brodin (186 cm/85 kg) in seinem physischen Spiel. Der 29-fache schwedische Internationale scheut keinen Zweikampf, geht dorthin, wo es wehtut – und er tut weh. Zuweilen hart an der Grenze der Legalität agierend, ist er nicht selten ein Gast in der Kühlbox. So musste Brodin auch in der Finalserie gegen Frölunda eine Spielsperre absitzen. «Brodin ist ein Krieger. Er ist genau der Typ Spieler, der unserer Mannschaft noch gefehlt hat», sagt Gottérons Sport­direk­tor Christian Dubé über den Flügelstürmer, den er zweimal vor Ort in Stockholm beobachtet hatte. «Der Stil von Brodin ist kurz erklärt: Schlittschuhlaufen, aufs Tor ziehen, schiessen – und das alles mit einer hohen Intensität.» Brodins Profil lässt sich gewiss mit dem des Freiburger SCB-Spielers Tristan Scherwey vergleichen.

Brodin auf seine Aggressivität und Intensität zu beschränken, würde ihm indes nicht gerecht werden. Er hat bewiesen, dass er auch skoren kann. Mit zuletzt 35 Skorerpunkten (davon 16 Tore) in der Qualifikation für Djurgarden war er die Nummer 16 in der Skorerliste der Liga. In den Playoffs konnte er sich nochmals 9 Skorerpunkte gutschreiben lassen. Trotzdem war es die mit Abstand produktivste Saison Brodins, der 2008 bei Djurgarden sein Profi-Debüt gegeben hatte. Nachdem er eine Saison in Finnland bei Ässät gespielt hatte, kehrte er 2013 zu Brynäs nach Schweden zurück, ehe er sich im Jahr 2015 wieder dem Traditionsclub aus Stockholm anschloss.

Stets in skandinavischen Ligen engagiert, versucht Brodin nun sein Glück in einer anderen europäischen Spitzenliga. «Für mich war wichtig, dass er das europäische Eishockey und den Spielstil hier kennt», sagt Dubé, der jüngst mit dem Amerikaner Andrew Miller, der zuvor immer in Übersee gespielt hatte, nicht wirklich positive Erfahrungen gemacht hat. «Nordamerikaner haben sicherlich etwas mehr Mühe, sich zu adaptieren.» Der Sportdirektor ist der festen Überzeugung, dass sich Brodin dem Schweizer Eishockey rasch anpassen wird.

Wohl ohne Aebischer

Offen im Kader von Gottéron für die Saison 2019/20 ist nunmehr nur noch die Position des neunten Verteidigers, die Dubé gerne mit dem ehemaligen Elitejunior David Aebischer besetzen würde. Diese Vorstellung dürfte sich aber zerschlagen. «Ich habe mit David diskutiert und es sieht so aus, dass er nochmals für ein Jahr nach Amerika gehen wird.» Der 18-jährige Heitenrieder hatte vor Jahresfrist für zwei Saisons bei den Gatineau Olympiques in der Quebec Major Junior Hockey League unterschrieben. Ob er aber zu diesem Team zurückkehren oder sich einem anderen nordamerikanischem Juniorenteam anschliessen wird, ist noch offen.

Kader

Gottéron Saison 2019/20

Torhüter: Reto Berra, Ludovic Waeber. Verteidiger: Marc Abplanalp, Benjamin Chavaillaz, Marco Forrer, Ryan Gunderson (USA, neu, von Brynäs/SWE), Philippe Furrer, Jérémie Kamerzin (neu, vom SC Bern), Ralph Stalder, Noah Schneeberger. – Gesucht wird noch ein 9. Verteidiger.

Stürmer: Daniel Brodin (SWE, neu, von Djurgarden/SWE), Andrei Bykow, David Desharnais (KAN, neu, von Omsk/RUSS), Adrien Lauper (neu, von Ambri), Lukas Lhotak, Nathan Marchon, Killian Mottet, Matthias Rossi, Sandro Schmid (neu, von Malmö U20/SWE), Flavio Schmutz, Julien Sprunger, Viktor Stalberg (SWE, neu, von Omsk/RUSS), Tristan Vauclair, Samuel Walser.

Trainer: Mark French. Assistent: Dean Fedorchuk.

Abgänge: Sebastian Schilt (SCL Tigers), Sandro Forrer (Rapperswil), Laurent Meunier (Rücktritt), Jonas Holos (NOR, ?), Jim Slater (USA, ?), Andrew Miller (USA, ?), Jacob Micflikier (KAN, ?), Charles Bertrand (FRA, ?).

«Brodin ist ein Krieger. Er ist genau der Typ Spieler, der unserer Mannschaft noch gefehlt hat.»

Christian Dubé

Sportdirektor Gottéron