Eishockey 13.03.2018

«Ich versuche die Gegner zu nerven»

Gottéron-Stürmer Killian Mottet spricht vor dem zweiten Viertelfinalspiel gegen Lugano über den verpatzten Start, Freiburgs beeindruckende Heimstärke in diesem Jahr und über seine Angewohnheit, die Gegner zu nerven.

Kein Freiburger Spieler kann die Gegner derart zur Weissglut bringen wie Killian Mottet. Das bewies er auch am Samstag in Lugano, wo er keinen Zweifel daran liess, dass er sich direkt im Playoff-Modus befindet. Egal, ob beim regelmässigen Trash Talk mit Alessio Bertaggia oder beim hartnäckigen und penetranten Stochern vor dem gegnerischen Tor. Wo immer sich ein Luganese nervte, war Killian Mottet meist nicht weit entfernt.

 

Killian Mottet, wie schwierig war die klare Auftaktniederlage in Lugano zu schlucken?

Nach einer solchen Niederlage ist die lange Reise von Lugano nach Freiburg nie leicht. Aber am Sonntag konnten wir alle den Kopf lüften und sind nun bereit für diese Woche, die mit drei Spielen intensiv sein wird.

Lugano schien Freiburg im ersten Spiel überraschen zu können. Wie haben die Tessiner das geschafft?

Sie sind wirklich extrem stark und dynamisch in die Partie gestartet und haben uns zu Beginn überrannt. So stand es schnell 3:0 – und dann ist es eben schwierig zurückzukommen. Im ersten und letzten Drittel spielten wir nicht strikt nach System. So kann es dann passieren, dass man einem schnellen Gegner wie Lugano ins offene Messer läuft. Das wird uns eine Lehre sein, in den kommenden Spielen systemtreuer zu spielen.

 

Lugano war auch aggressiver und physisch präsenter. Gottéron wirkte über weite Strecken wie das Kaninchen vor der Schlange …

Diesen Eindruck teile ich nicht. Klar, Lugano spielte aggressiv, aber wir zeigten ebenfalls, dass wir physisch bereit sind. In dieser Hinsicht sah ich keinen grossen Unterschied zwischen den Teams.

Aber wenn es zu Duellen an den Banden kam, ging fast immer der Spieler von Lugano als Sieger aus dem Duell hervor.

Es stimmt schon, dass wir am Samstag Mühe hatten in den 1-gegen-1-Situationen. Lugano war physisch wohl tatsächlich einen Tick präsenter. Aber es ist nichts, das sich in den kommenden Spielen nicht korrigieren liesse.

Bei Ihnen persönlich war nicht zu übersehen, dass Sie sofort in den Playoff-Modus gewechselt haben – Trash Talk inklusive. Wer ist nach dem ersten Spiel Ihr Lieblingsfeind?

(lacht) Einen Lieblingsfeind habe ich nicht. Ich versuche bloss Emotionen in mein Spiel zu bringen. Das ist in meinen Augen wichtig, speziell in den Playoffs. Gleichzeitig dürfen wir auch nicht zu viele Emotionen reinbringen. Genau das haben wir am Samstag zu Beginn des Spiels nämlich gemacht und so zeitweise den Fokus auf das Wesentliche verloren. Aber klar, in einem gesunden Rahmen versuche ich immer Energie in die Mannschaft zu bringen, die Gegner zu nerven und auch mal ein bisschen mit ihnen zu reden. Über die gesamte Serie gesehen wird sich das auszahlen.

«Mir persönlich verleihen die Gesänge der Fans Feuer, diese Extraportion an Motivation.»

Müssen vielleicht mehr Spieler mit dieser Einstellung ans Werk gehen? War Freiburg am Samstag in Lugano schlicht zu nett?

Vielleicht. Aber wie gesagt: Es ist immer auch eine Gratwanderung. Zu Beginn des Spiels waren wir voller Emotionen, wollten unbedingt perfekt spielen, alles richtig machen – und dann passierte genau das Gegenteil, weil wir die Emotionen nicht im Griff hatten.

Gottéron hat 2018 alle acht Heimspiele gewonnen, auswärts hingegen nur zwei von neun Partien. Warum spielt Freiburg zu Hause dermassen besser als auswärts?

Das Publikum macht halt schon viel aus. Die Fans unterstützen uns enorm. Zu wissen, dass die Zuschauer hinter uns stehen und für uns Lärm machen, hilft sehr. Dass wir in diesem Jahr zu Hause noch ungeschlagen sind, gibt uns jedenfalls viel Selbstvertrauen für die nächste Partie. Aber uns ist auch klar, dass wir mindestens einmal auswärts gewinnen müssen, um weiterzukommen – also werden wir auch das tun.

Bei den klaren Statistiken Gottérons kann man nicht mehr von einem Zufallswert sprechen. Was ändert es konkret im mentalen Bereich, ob man nun zu Hause oder auswärts spielt?

Mir persönlich verleihen die Gesänge der Fans Feuer. Jeder Spieler ist anders, einige hören das Publikum vielleicht nicht einmal richtig, aber mir gibt es immer noch diese Extraportion an Motivation, wenn ich höre, wie das Publikum hinter uns steht. Zudem hat man bei Heimspielen nicht noch eine Carfahrt in den Beinen und kann gleich von Beginn weg loslegen. Und der Start in ein Spiel scheint für uns besonders wichtig zu sein.

Hier gehts zum Interview mit Lugano-Stürmer Luca Fazzini vor der Serie.

Welches sind die Schlüssel, um am Dienstagabend auch das neunte Heimspiel des Jahres zu gewinnen?

Wir müssen diesmal unbedingt gut in den Match starten, gleich zeigen, dass wir das Heimteam sind. Anschliessend müssen wir 60 Minuten hart arbeiten und aufopferungsvoll kämpfen. Im Vergleich zum ersten Spiel müssen wir zudem mehr Verkehr vor das gegnerische Tor bringen und auch mehr in den Abschluss gehen. Wenn wir alle hart arbeiten, werden wir diesen Match gewinnen.

Sie sind bereits unter Druck. Verliert Freiburg auch Spiel zwei, sieht es düster aus. Wie gehen Sie mit dem Druck um?

Wir gehen davon aus, dass wir gewinnen werden. Wir dürfen keineswegs mit der Einstellung ist Spiel gehen: Oh, wenn wir verlieren, wird es schwierig. Wir wollen nun dieses zweite Spiel gewinnen, und dann werden wir am Donnerstag mit zusätzlichem Selbstvertrauen nach Lugano gehen und auch dort zu gewinnen versuchen.

Spiel zwei

Trainer Mark French verlangt mehr Disziplin

Bevor Trainer Mark French gestern nach dem Training zum Interview erschien, sprach er lange mit dem Tschechen Roman Cervenka. «Roman ist ein sehr intelligenter Spieler. Manchmal ist es wichtig, sich die Sicht der Spieler einzuholen, um den Horizont zu erweitern», so French. «Als Trainer siehst du das Spiel bloss von der Bank aus oder im Video.» Was die beiden diskutiert haben, will French nicht verraten. Aber die schlechte Leistung des Paradeblocks im Spiel vom Samstag – Cervenka verliess das Eis mit einer Minus-4-Bilanz – sei nicht das Thema gewesen. French will schlicht alles daran setzen, für das heutige Heimspiel gegen Lugano das richtige Rezept zu finden. «Das Wichtigste ist, dass wir unsere Emotionen besser kanalisieren. Was wir brauchen, das ist Disziplin, dass jeder den Job macht, den er machen muss.»

Slater und Holos fraglich

Aber muss Gottéron nicht gerade auch physischer spielen? «Wenn es der Job ist oder es die Situation verlangt, physisch zu spielen, dann müssen wir auch physischer spielen, ja. Auch das hat letztlich mit Disziplin zu tun. Aber es kann nicht jeder machen, was er gerade für richtig hält. Wir müssen unseren Gameplan einhalten.»

French hofft, heute mit vier Ausländern antreten zu können. Sowohl der Einsatz von Jonas Holos als auch der von Jim Slater ist aber weiter ungewiss. Holos leidet immer noch an einer Grippeerkrankung. «Es wird sich die Frage stellen, wie es um sein Energie-Level steht. Wahrscheinlich sehen wir das im Morgen-Warm-up.» Slater war gestern ebenfalls nicht im Mannschaftstraining, stand allerdings danach alleine auf dem Eis. Ihn behindert immer noch eine Schulterverletzung. «Ein Einsatz von Jim ist fraglich, aber nicht unmöglich.»

Sprunger weiter im dritten Block

Sicher dabei sein wird Julien Sprunger. Und dennoch gehört der Captain ebenfalls zu den Sorgenkindern im Team. Seit seinem Comeback hat er in fünf Spielen noch kein Tor geschossen und seine Gefährlichkeit nur selten unter Beweis gestellt. Speziell ist, dass Sprunger auch heute nur im dritten Block auflaufen wird, an der Seite der alles andere als überragenden Stürmer Nathan Marchon und Flavio Schmutz. «Es geht darum, eine gute Balance zu finden, die Kräfte auf alle Linien zu verteilen», rechtfertigt French seine Wahl. Um noch einmal einen Impuls zu setzen, hatte er am Samstag im Schlussdrittel allerdings Sprunger manchmal in den Paradeblock befördert. «Die Videoanalyse von diesem Match hat mich ehrlich gesagt auch nicht gerade zum Schluss kommen lassen: Wow, das muss ich unbedingt beibehalten.»

fm

 

Die heutigen Spiele

Playoff-Viertelfinals: Gottéron - Lugano 20.15 Servette - Bern 20.15 ZSC Lions - Zug 20.15 Davos - Biel 20.15

Abstiegsrunde: Lausanne - Ambri 20.15 Kloten - Langnau 20.15

Rangliste der Abstiegsrunde: 1. Langnau 1/70. 2. Lausanne 1/63. 3. Ambri 1/60. 4. Kloten 1/47.