Eishockey 03.12.2019

Im Kampf gegen das «Moitié-moitié»

Killian Mottet: «Nun spiele ich mit David Desharnais und Daniel Brodin – das ändert alles.»
Killian Mottet ist bekannt für seine extremen Leistungsschwankungen. Momentan befindet sich der Gottéron-Stürmer wieder in einem Hoch, in den letzten 17 Spielen holte er 17 Punkte. Kann Mottet diese Pace nun erstmals eine ganze Saison lang durchziehen?

Killian Mottet ist bei Gottéron der Mann der Stunde. Nach enttäuschendem Saisonstart mit nur einem Punkt aus sechs Spielen blüht er seit dem Trainerwechsel so richtig auf. Seit Christian Dubé an der Bande steht, schoss er acht Tore und gab neun Assists. 17 Spiele, 17 Punkte – ein beeindruckender Wert. Wie erklärt sich Mottet den extremen Wandel? «Na ja, einer der wichtigsten Gründe ist, dass ich ganz einfach mehr spiele. In den ersten paar Partien war ich nicht viel auf dem Eis, einmal war ich sogar nur 13. Stürmer. Nun spiele ich mit David Desharnais und Daniel Brodin – das ändert alles.»

Lobeshymne auf Desharnais

Insbesondere wenn er von Desharnais spricht, kommt Mottet kaum aus dem Schwärmen heraus. «Er hat eine unglaubliche Spielübersicht. Wir verstehen uns ausgezeichnet, auf dem Eis und auch neben dem Eis», sagt der 28-jährige Freiburger. «Er ist ein hyper, hyper netter Mensch, er hilft mir sehr und redet viel mit mir, nicht nur über Eishockey.» Auch mit Daniel Brodin verstehe er sich blendend. «Er sitzt neben mir in der Kabine, wir lachen viel. Und natürlich hilft er uns auch auf dem Eis, indem er mit seinem Körper für uns Platz schafft und Pucks ausgräbt.» Kurzum: Die Chemie in der Sturmreihe stimmt, Mottet – als sensibler Spieler bekannt – blüht auf.

Monsieur «Moitié-moitié»

Da wäre bloss ein Problem: Mottet hatte in den letzten Jahren wiederholt solche Hochs. Es folgten immer ebenso bemerkenswerte Tiefs. Im St.  Leonhard kursiert schon der Treppenwitz, Mottet sei eben ein waschechter Freiburger, seine Saisons deshalb wie das berühmte Fondue: «moitié-moitié» – halb-halb. Vorletzte Saison erzielte er zunächst 19  Spiele lang kein Tor, danach bis Saisonende gleich 14. Letzte Saison machte er es genau umgekehrt. Da startete er fulminant mit 10 Toren in den ersten 18 Spielen – um danach in den 32 Partien bis Saisonende nur noch ein mickriges Törchen zu schiessen. «Das war schwer zu verdauen», gibt Mottet zu. Er hat deshalb nicht nur mit Gottérons Teampsychologen David Scott gesprochen, sondern arbeitet neu auch mit einem persönlichen Sportpsychologen zusammen. «Vor allem im Sommer war es wichtig, den Kopf zu leeren.» Es sei zwar wichtig, die letzte Saison nicht zu vergessen, um daraus zu lernen. «Aber gleichzeitig will ich nicht ständig daran denken.» Nicht zu viel nachdenken – das ist überhaupt sein neues Motto. «Das ist das, was ich im Vergleich zu früher zu ändern versuche. Ich versuche mir nicht zu viele Fragen zu stellen, sondern sowohl im Training als auch im Spiel im Hier und Jetzt zu leben.»

Dubés Zuversicht

Christian Dubé kennt Mottet gut, früher als Gegner und Mitspieler, heute als Sportchef und Trainer. Wie zuversichtlich ist er, dass sein Stürmer diesmal bis zum Saisonende ein zuverlässiger Skorer bleibt? «Es ist mein Job, dafür zu sorgen», sagt er. «Du kannst nicht immer ein Hoch haben, manchmal gibt es schwierige Momente zu durchleben, aber die dürfen nicht ewig dauern.» Man müsse Strategien entwickeln, um aus diesen Tiefs herauszukommen. «Ich glaube, ich kenne mich ganz gut aus in diesem Bereich. Killian und ich reden oft miteinander. Ich erwarte nicht, dass er in jedem Match punktet, aber dass er regelmässig Leistung bringt», sagt Dubé. Wie gegenüber sämtlichen Spielern versuche er möglichst direkt und ehrlich zu sein, egal ob es um Lob oder Kritik gehe. «Seit ich an der Bande bin, läuft es gut für ihn. Er ist einer, der Gefahr kreieren und die Beine bewegen muss. Ich denke, dass ich dazu als Trainer die richtige Person bin. Ich will, dass meine kreativen Spieler ihre Kreativität ausleben, ich wüsste deshalb nicht, warum Kil­lian in den nächsten Monaten nicht im gleichen Stil weitermachen sollte.»

Spiel gegen Lugano

Mit Tristan Vauclair und neuen Powerplay-Blöcken

Für das heutige Heimspiel gegen Lugano kehrt bei Gottéron ein weiterer Spieler ins Team zurück. Tristan Vau­clair trainierte gestern wieder normal mit und dürfte sein Comeback geben. Nicht ausgeschlossen ist zudem ein Einsatz von Philippe Furrer. Der Verteidiger trainierte gestern zwar noch in einem andersfarbenen Trikot, scheute aber trotzdem den Körperkontakt nicht. «Vor dem Training war eigentlich nicht vorgesehen, dass er spielt. Wir werden nun noch einmal miteinander diskutieren, aber Philippe spielt wohl eher noch nicht», sagte Trainer Christian Dubé nach dem Training. Umstellungen nimmt der Trainer heute bei den Powerplay-Blöcken vor. «Wir reden schon lange darüber, dass wir in Überzahl besser werden müssen. Irgendwann muss man etwas ändern.» In der ersten Powerplay-Linie stürmt neu Lhotak an der Seite von Desharnais und Brodin. An der blauen Linie stehen Gunderson und Mottet. Den zweiten Sturm bilden Stalberg, Bykow und Sprunger.

fm

Gottéron - Lugano 19.45 Davos - SCL Tigers 19.45

Der heutige Gegner

Fakten zu Lugano

• Lugano steckt tief in der Krise. Von den letzten zehn Spielen gewannen die Tessiner bloss ein einziges.

• Topskorer ist mit 2 Toren und 16 Assists der schwedische Stürmer Linus Klasen.

• Mit 172 Strafminuten ist Lugano klar das fairste Team der Liga.

• Mit einer Abwehrquote von 90,56 Prozent gehört Sandro Zurkirchen statistisch bloss zum hinteren Mittelfeld der National League.

fm