11.02.2020

«Jetzt ist fertig mit ‹Baabele›»

Für die Bulls beginnt heute in der Abstiegsrunde der Swiss Regio League der Kampf um den Ligaerhalt. Stürmer Luca Knutti erklärt im Interview, wie es so weit kommen konnte und was sich in Düdingen ändern muss.

Luca Knutti, Düdingen hat die Playoffs der Swiss Regio League zum dritten Mal in Folge verpasst. Ab wann haben Sie gespürt, dass es nicht reichen würde?

Die ersten Zweifel kamen im November, Dezember, als wir erstmals in ein Loch fielen. Da habe ich – und auch einige andere – realisiert, dass wir die gleiche Situation wie im Vorjahr durchleben. Wir haben danach etwas aus der Negativspirale herausgefunden, aber die fünf Niederlagen in Folge im Januar war dann zu viel. Auch wenn das Erreichen der Playoffs mathematisch noch möglich gewesen wäre, haben wir uns ab dann doch auf die Abstiegsrunde fokussiert.

Anfang Saison war man in Düdingen sehr zuversichtlich, dass man es unter die ersten acht schaffen würde. Wieso hat es nicht geklappt?

Für mich ist es die logische Folge der letzten drei, vier Jahre. In dieser Zeit haben sehr viele Sensler, die den Kern des Teams ausgemacht haben, den Verein verlassen oder verlassen müssen. Das hat dem Team extrem geschadet. Auch andere Leistungsträger wie zum Beispiel Fabian Zaugg hat man leider gehen lassen. Er ist einer der drei besten Goalies der Liga. Nichts gegen unsere jetzigen Torhüter, sie machen ihre Sache gut. Aber in der Kabine hatte Fäbu eine extrem wichtige Funktion gehabt.

Sie, Philippe Fontana, Marco Baeriswyl und Damian Guggisberg sind die einzigen Sensler bei den Düdingen Bulls. Macht sich das irgendwie bemerkbar?

Es ist noch nicht lange her, da waren wir fünfzehn Sensler im Team, heute sind wir noch zu viert. Viele Persönlichkeiten sind verloren gegangen und der Teamspirit hat darunter gelitten.

Inwiefern?

Es ist nicht so, dass wir heute einen schlechten Teamgeist hätten. Wir können es alle sehr gut miteinander, und in der Kabine herrscht eine positive Atmosphäre. Aber man merkt, dass wir Kollegen sind, die sich erst Anfang Jahr kennengelernt haben. Früher haben wir nach dem Training immer noch etwas zusammen unternommen, heute gehen die meisten direkt nach Hause. Früher waren wir eine verschworene Gemeinschaft, in der sich jeder für den anderen aufgeopfert hat. Selbst wenn wir zwei Drittel lang schlecht gespielt hatten, schafften wir es doch noch irgendwie, gemeinsam die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Ein Spiel im letzten Drittel noch zu unseren Gunsten zu drehen, das ist uns in dieser Saison nie gelungen.

Wie steht es um die Identifikation der Zuschauer mit einem Düdinger Team, in dem kaum Sensler spielen?

Ein Blick auf die Zuschauerzahlen reicht eigentlich, um das zu beantworten. Die sind einiges tiefer als letzte Saison. Natürlich hat es auch einen Einfluss, dass unsere Matches live auf Rega TV zu sehen sind und sich deshalb einige den Weg ins Stadion sparen. Aber ich werde immer wieder von Leuten angesprochen, die mich fragen, was los sei bei den Bulls. Man kenne ja gar keine Spieler mehr.

Wegen des knappen Kaders und des Verletzungspechs mussten die Linien oft umgestellt werden. Spieler von Gottérons Elite A, vom HC Sierre und von La Chaux-de-Fonds haben bei den Bulls gespielt. Wie hat sich das ausgewirkt?

Ich finde es grundsätzlich super, dass man in Düdingen Nachwuchsspielern eine Chance gibt. Einige der Jungs waren sehr gut, bei anderen hat man gemerkt, dass sie nur ausgeholfen haben, weil ihr Club sie dazu verdonnert hat. Das Problem ist, dass die Spieler mit ­B-Lizenzen die Trainings bei ihren Teams gemacht haben anstatt mit uns. Deshalb konnten wir nie so trainieren, wie wir dann gespielt haben. Natürlich kennt jeder das Spielsystem, aber bei der Ausführung, bei den Automatismen, kommt es auf Details an. Wenn man sich ständig wieder aneinander gewöhnen muss, ist man im Nachteil gegen einen Gegner, der immer mit der gleichen Formation antreten kann.

Müsste der Verein diesbezüglich in Hinblick auf die nächste Saison Anpassungen vornehmen?

Man sollte unbedingt das Kader erweitern. Ideal wäre es, wenn man eigene Spieler für vier Linien unter Vertrag hätte. Dann ist klar, wer mit wem spielt. Hinzu kämen einige Junioren mit B-Lizenz, die zwingend in Düdingen mittrainieren sollten. So könnte man immer eine Junioren- und drei Bulls-Linien aufs Eis schicken. Jeweils eine der Bulls-Formationen könnte dann im Turnus pausieren.

Findet man genügend Spieler für vier Linien?

Natürlich hat Düdingen nicht die gleichen finanziellen Möglichkeiten wie andere Vereine der Liga. In der Westschweiz ist aber viel Potenzial vorhanden, es gibt einige grosse Clubs und zahlreiche Junioren. Nicht alle schaffen es ganz nach oben, für sie bietet die Swiss Regio League eine gute Alternative. Auf dieser Stufe gibt es in der Westschweiz mit Martigny nur einen Verein, dann ist Düdingen geografisch am nächsten. Wir befinden uns eigentlich in einer komfortablen Situation. In der Deutschschweiz ist der Konkurrenzkampf um die besten Spieler deutlich grösser.

Kaum mehr Spieler aus der Region, fehlende Identifikation der Zuschauer – auch der SC  Düdingen hatte mit diesen Problemen zu kämpfen. Er hat deswegen eine Liga tiefer einen Neustart vorgenommen. Wäre eine solche Neulancierung auch eine Option für die Bulls?

Ein Neuanfang könnte Sinn machen, aber dann müsste man auch wirklich alles ausmisten. Ich hoffe aber, dass es nicht zum Abstieg kommt. Das wäre sehr schlecht für das Freiburger Eishockey. Zum einen hätte Gottéron keinen Partnerclub mehr, bei dem seine Elite-Junioren ans körperbetontere Erwachsenen-Eishockey der Swiss Regio League herangeführt werden könnten. Für Gottéron wäre dies schlecht, auch wenn es das nie zugeben würde.

Und zum anderen?

In der 1. Liga ist der Trainingsaufwand fast gleich wie bei uns in der Swiss Regio League, die Fahrten zu den Spielen gegen Teams wie ­Franches-Montagnes, Vallée de Joux oder St-Imier wären aber komplizierter. Der Zeitaufwand wäre für uns Spieler unter dem Strich grösser, obwohl wir eine Liga tiefer antreten würden. Ich befürchte, dass uns in diesem Fall viele davonlaufen würden.

Sie auch?

Ich habe mehrere Offerten von Clubs aus der Swiss Regio League erhalten, den meisten habe ich bereits abgesagt. Im Sommer mache ich die Berufsmatura, und ich weiss noch nicht genau, wie es dann beruflich weitergeht. Das muss ich erst regeln, bevor ich mich eishockeytechnisch irgendwo verpflichte. Ich habe bisher weder mit Düdingen noch mit einem anderen Verein verhandelt. Ich konzentriere mich zuerst voll auf die Playouts.

Wie beurteilen Sie die Ausgangslage der Düdingen Bulls für diese Playouts?

Ich befürchte, dass wir und das punktgleiche Huttwil den Absteiger unter uns ausmachen müssen. Thun und Seewen haben doch schon einige Punkte Vorsprung. Unsere Ausgangslage ist schwierig, denn Huttwil ist deutlich unter Wert klassiert. Der Verein hat auf diese Saison hin einige starke Spieler zusammengekauft und ist mit entsprechend grossen Ambitionen in die Saison gestartet. Ich hatte die Berner vor dem Saisonstart in die Top 3 der Liga getippt. Ich hoffe, Huttwil kann sein Potenzial auch weiterhin nicht abrufen.

Wie gelingt es Düdingen, den Abstieg abzuwenden?

Wenn wir von unseren sechs Partien drei gewinnen, insbesondere jene gegen Huttwil, dann sollten wir auf der sicheren Seite sein. Damit uns das gelingt, müssen wir uns allerdings mächtig steigern. Wir müssen endlich als Team auftreten und alle am gleichen Strang ziehen. Wir müssen uns in die Schüsse werfen und auch sonst da hingehen, wo es weh tut. Jetzt ist fertig mit «Baabele», jetzt gilt es ernst.

«Für mich ist das Verpassen der Playoffs die logische Folge der letzten drei, vier Jahre.»
«Früher haben wir nach dem Training etwas zusammen unternommen, heute gehen die meisten direkt nach Hause.»
«Wir müssen endlich als Team auftreten und alle am gleichen Strang ziehen.»

Swiss Regio League

Wegweisendes Spiel gegen Huttwil

Im ersten Spiel der Abstiegsrunde der Swiss Regio League empfängt Düdingen heute (19.30 Uhr, Eishalle Sense-See) das punktgleiche Huttwil. Gegen die Berner weisen die Bulls eine positive Bilanz aus: Drei Siege, einer in der Verlängerung, stehen einer Overtime-Niederlage gegenüber.ms

 

 

Huttwil h Di. 11.02. 19.30

Seewen a Sa. 15.02. 20.15

Thun a Di. 18.02. 20.00

Thun h Sa. 22.02. 17.30

Seewen h Di. 25.02. 19.30

Huttwil a Sa. 29.02. 20.15

h =heim, a = auswärts