Eishockey 31.07.2020

«Mit 1000 Zuschauern können wir alle den Laden dichtmachen»

Die steigenden Infektionszahlen lassen für Veranstalter von Grossanlässen nichts Gutes erahnen. Wird das Verbot verlängert, gibt es keine Eishockey- Meisterschaft, sagt Gottérons Generaldirektor Raphaël Berger.

Der Himmel über den Schweizer Profi-Sportclubs hat sich in den letzten Tagen wieder verdunkelt. Die steigenden Corona-Fallzahlen sorgen auf Behördenebene für Nervosität. Zwar entscheidet der Bundesrat frühestens an seiner nächsten Sitzung am 12. August, wie es ab September mit Grossveranstaltungen weitergeht. Zuletzt sickerte in den Medien jedoch durch, dass ein mögliches Szenario vorsieht, das bis Ende August gültige Verbot für Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen bis März 2021 zu verlängern. Daraufhin präsentierten verschiedene Fussballclubs ihre Schutzkonzepte, die immerhin von einer Stadionauslastung von rund 50 Prozent ausgehen.

An der Pressekonferenz des Bundesamts für Gesundheit (BAG) sagte Direktor Pascal Strupler auf Nachfrage eines Journalisten gestern Nachmittag allerdings, er könne sich nicht vorstellen, dass Sportstadien im September zur Hälfte gefüllt sein werden. Am Abend teilte dann auch noch die Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und Gesundheitsdirektoren (GDK) mit, die Mehrheit der Kantone sei dafür, die Limite von 1000 Personen bis mindestens Ende Jahr beizubehalten.

Das Horrorszenario

Natürlich verfolgt auch Raphaël Berger die Situation ganz genau. Vor dem Bundesratsentscheid will sich der Generaldirektor von Freiburg-Got­téron allerdings nicht verrückt machen lassen. «Es bringt nichts, Spekulationen zu kommentieren. Und das BAG spielt zwar sicher eine wichtige Rolle. Aber es gibt auch andere Bundesämter, die sich eher in eine andere Richtung geäussert haben. Und am Ende entscheidet immer noch der Bundesrat», sagte Berger gestern Abend gegenüber den FN.

Eines scheint aber klar: Wenn Gottéron am 18. September im neuen Stadion den HC Lausanne empfangen wird, dann sicher nicht in einem vollen Stadion. Den Vorverkauf für Stehplatz-Abos hat der Club denn auch bereits gestoppt. Dass Stehplätze zugelassen werden, ist unrealistisch. Und auch ein Stadion, das zwar nur aus Sitzplätzen besteht, bei dem aber jeder Platz besetzt ist, bleibt wohl fürs Erste nur Wunschdenken.

Raphaël Berger ist ein besonnener Typ, allzu viel will er vor dem Bundesratsentscheid nicht sagen. Sollte allerdings die aktuelle Limite bis im März bestehen bleiben, sieht er schwarz. «Mit 1000 Zuschauern können wir alle den Laden dichtmachen. Nicht nur Gottéron, sondern alle Clubs der Liga.» Berger geht davon aus, dass die Meisterschaft unter diesen Bedingungen gar nicht erst gestartet würde. «Ausser höchstens, es gibt eine einschneidende finanzielle Hilfe.»

Gottéron etwa generiert 60 bis 70 Prozent seiner Einnahmen durch seine Heimspiele. «Die Clubs budgetieren mit einer Stadionauslastung von 80 bis 95 Prozent. Mit 1000 Zuschauern kommt man da nicht über die Runden, das ist fast dasselbe wie Geisterspiele.»

Auslastung von 60 Prozent?

Auch die Eishockeyclubs, deren wichtigste Vertreter sich gestern im Emmental zu einer Krisensitzung trafen, die heute weitergeht, haben deshalb ihre Schutzkonzepte mit realistischen Zuschauerzahlen parat. Wie dasjenige von Gottéron aussieht, will Berger nicht im Detail erklären. «Noch ist zu viel unklar.» Möglich sei eine absolute Zuschauerlimite oder eine relative. Möglich sei, dass die Kantone die Konzepte für Veranstaltungen mit über 1000 Personen absegnen müssten. Oder aber der Bund. Die Konzepte der Eishockeyclubs dürften denjenigen der Fussballclubs allerdings ähnlich sein. Liga-Manager Denis Vaucher sprach gegenüber «Watson» kürzlich von einer Auslastung von 60 Prozent. Gästefans gäbe es keine, dafür Maskenpflicht, eine klare Aufteilung in Sektoren und nur personifizierte Sitzplatztickets.

Welche Zuschauer dürfen rein?

Wie würde es für Gottéron bei einer Auslastung von 50 oder 60 Prozent finanziell aussehen? «Das hätte viele Konsequenzen, wir müssten finanzielle Notmassnahmen ergreifen und müssten kurzfristig ein anderes Finanzkonzept erarbeiten. Aber wir könnten überleben», so Berger. Wahrscheinlich müssten dann die Spieler Lohneinbussen in Kauf nehmen. «Wir haben noch nicht konkret diskutiert, aber natürlich die Spieler über die Situation informiert.»

Auch bei einer Auslastung von 50 bis 60 Prozent könnte Gottéron nicht all seinen über 6000 Abonnenten Einlass gewähren. Wie würde der Club bei der Auswahl vorgehen? «Jeder könnte dann einfach eine gewisse Anzahl Spiele besuchen. Das ist die fairste Lösung.» Der Club habe den Abonnenten allerdings geschrieben, er äussere sich erst klar, wenn auch die Situation klar sei.

Am Montag steht der erste Zusammenzug der gesamten Mannschaft an, das erste offizielle Eistraining findet am 10. August statt. Das alles scheint für Gottéron derzeit allerdings unbedeutend. Viel wichtiger ist der 12. August, wenn der Bundesrat auch über die Zukunft des Freiburger Traditionsclubs mitentscheidet.