eishockey 08.02.2020

Ralph Stalders Zukunft liegt in Kanada

Der Entschluss ist gefasst: Ralph Stalder wird im Sommer mit seiner Familie nach Kanada auswandern. Zeit, seine letzten Spiele als Eishockey-Profi zu geniessen, bleibt dem Gottéron-Verteidiger im Strichkampf aber nicht.

Christian Dubé hätte den Vertrag mit Ralph Stalder gerne schon vor Wochen verlängert. Der 33-jährige Verteidiger zögerte jedoch, die Offerte anzunehmen. Jetzt ist klar, weshalb: Der Basler wird seine Karriere Ende dieser Saison beenden. «Es müsste schon sehr vieles schieflaufen, damit es doch noch anders kommt», lässt sich Stalder die Hintertür noch einen klitzekleinen Spalt offen. Den Entscheid aber hat er getroffen. «Ich ging bereits mit dem Gedanken in die Saison, dass es ziemlich sicher die letzte sein würde. Das Angebot von Gottéron hat dann noch einmal für Diskussionen zu Hause gesorgt. Es wäre einfacher gewesen, wenn ich nichts auf dem Tisch gehabt hätte», sagt Stalder, der mit neun Skorerpunkten in 40 Partien auf gutem Weg ist, seine produktivste Saison für die Freiburger zu realisieren, mit dem für ihn typischen Lächeln auf den Lippen. «Aber schlussendlich war es so abgemacht – und es stimmt so für mich.» Die Worte des bescheidenen Baslers lassen es erahnen. Der Entschluss, nach 17  Jahren Profi-Eishockey die Schlittschuhe an den Nagel zu hängen, war ein Familienentscheid. «Grund Nummer eins für den Rücktritt ist meine Familie. Ich habe drei Kinder, die alle bald im schulpflichtigen Alter sind.»

Land mit Apartments gekauft

Ein neuer Lebensabschnitt, der weitreichende Konsequenzen für die Stalders mit sich bringen wird. Denn die Kinder sollen in Kanada eingeschult werden. Seit über zehn Jahren verbringt Stalder den Sommer in Übersee, wo er sich einst in der Nähe von Calgary ein Haus mit viel Umschwung gekauft hatte. Inzwischen habe er sich gut 250  Kilometer von Calgary entfernt. Im 4000-Seelen-Ort Golden in British Columbia hat er Land und einige zu vermietende Apartments erworben. «Ich habe in Kanada zwei Projekte am Laufen. Spruchreif ist allerdings noch nichts. Aber klar ist, dass ich dort geschäftlich Fuss fassen will. Irgendwas muss man schliesslich machen», schmunzelt Stalder. Ganz sicher finden wird er im Columbia Valley viel unberührte Natur. Die unendliche Weite in diesem riesigen Land habe ihn schon immer fasziniert.

«Die Zeit ist zu intensiv»

Als fünfköpfige Familie nach Übersee auszuwandern, ist ein grosses Projekt. Es liegt jedoch nicht im Charakter von Stalder, daraus eine grosse Sache zu machen. Schon gar nicht öffentlich, zumal es momentan Wichtigeres gebe – er meint damit die Lage von Gottéron. «Obwohl für mich im Augenblick noch alles unrealistisch erscheint, sage ich mir, dass ich meine letzten Spiele geniessen sollte. Aber die Zeit ist zu intensiv, um es geniessen zu können.» Schliesslich soll seine Karriere mit einer positiven Note enden. Eine Karriere, in der Stalder vieles erlebt hat, unter anderem die Relegation mit Basel aus der National League und den Aufstieg mit Lausanne in die höchste Spielklasse. Insgesamt sieben Saisons verbrachte der klein gewachsene Verteidiger mit dem unverkennbaren Spielstil im LHC, ehe er 2016 zu Gottéron stiess.

Heute geht es für Ralph Stalder ein vorletztes Mal nach Lausanne zurück, wo für die Freiburger der Kampf um die Playoffs in die nächste Runde geht. «Es braucht noch zehn Exploits, wenn wir die Playoffs erreichen wollen.» Erst selten habe er eine solch schwierige Saison erlebt. «Kein Spiel war einfach für uns, jedes einzelne ein Kampf. Mindestens sechs der restlichen zehn Partien müssen wir nach Hause bringen», weiss Stalder. So würde für ihn der Abschied aus der Schweiz auch aus sportlicher Sicht einfacher.

Der heutige Gegner

Die Fakten zum HC Lausanne

• Lausanne-Goalie Tobias Stephan kassiert im Schnitt nur 1,99 Tore pro Partie. Das ist der Liga-Topwert.

• Bei den Waadtländern haben die Verteidiger 23 Prozent der Tore erzielt. Auch das ist im Liga-Vergleich der grösste Anteil.

• Ein Schwachpunkt des LHC ist das Powerplay. Die Erfolgsquote beträgt niedrige 16,15 Prozent. Nur die SCL  Tigers sind in Überzahl noch weniger effizient.

• Der französische Stürmer Alexandre Grenier wird heute sein Debüt für Lausanne geben. Zuletzt spielte Grenier in der DEL für Iserlohn (32  Spiele/11 Tore/12 Assists).

• Topskorer ist der Kanadier Justin Jeffrey (40 Spiele/ 10  Tore/19 Assists), der auf kommende Saison hin zum SC  Bern wechseln wird.

• Verletzt bei den Waadtländern sind der Kanadier Cory Emmerton sowie der Lette mit Schweizer Lizenz Ronalds Kenins.

Vorschau

Philippe Furrer gibt heute in Lausanne sein Comeback

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass meist um die 70 Punkte erforderlich sind, um die Playoffs zu schaffen. Zehn Partien vor Ende der Qualifikation hat Gottéron 53 Punkte auf dem Konto. Es müssen also sechs, besser sogar sieben Siege in den ausstehenden Spielen her, will Gottéron den Sprung über den Strich noch schaffen. Mit Vorstellungen wie zuletzt gegen Servette, als die Freiburger zu Hause chancenlos blieben, wird daraus aber bestimmt nichts. «Insofern bin ich glücklich, dass wir keine lange Pause hatten», sagt Trainer Christian Dubé. Die heutige Partie zwischen Lausanne und Gottéron ist wegen der Länderspielpause nur eine von zwei in der National League an diesem Wochenende. «Wir müssen besser sein als gegen Servette. Vieles wird über den Kampf gehen.» Gegen Lausanne sei Geduld gefragt, so Dubé weiter. «Sie betreiben ein aggressives Forechecking.»

Obwohl die Freiburger bisher alle vier Saisonduelle gegen den LHC für sich entscheiden konnten, gehen sie heute als Aussenseiter aufs Eis. Erstmals wieder mit dabei seit dem 3. Januar in Lugano wird Verteidiger Philippe Furrer sein, der sich von seiner Verletzung erholt hat. Dafür muss heute Benjamin Chavaillaz aufgrund einer Oberkörperblessur passen. Derweil Andrei Bykow noch längere Zeit auszufallen droht, steht die Rückkehr von David Desharnais kurz bevor. Ein Comeback des Centers, der sich am Spengler-Cup einen Handbruch zugezogen hatte, ist nächsten Dienstag in Biel nicht ausgeschlossen.

Dubé hat die Linien ein weiteres Mal neu formiert. So stürmt Schmutz neu zwischen Stalberg und Sprunger, Boychuk neben Brodin und Mottet.

fs

Heute spielen

Lausanne - Gottéron 19.45 Uhr