Eishockey 11.04.2019

Sandro Brügger immer noch mittendrin

Der Alterswiler Sandro Brügger (Nummer 82) beweist derzeit, dass er auch in der National League mithalten kann.
Wenn der SCB heute in die Finalserie gegen Zug startet, sind gleich zwei Freiburger mit dabei. Nebst Club-Ikone Tristan Scherwey läuft auch Aushilfsstürmer Sandro Brügger immer noch regelmässig für die Berner auf.

Sandro Brüggers persönliches Märchen geht weiter: Der Alterswiler, der letzte Saison noch mit dem EHC Basel in der Swiss Regio League spielte, steht mit dem SC Bern im Playoff-Final. In der Halbfinalserie gegen Biel gelangte der 27-Jährige erneut regelmässig zum Einsatz. Fünfmal führte er die vierte Sturmreihe als Center an, einmal kam er als 13. Stürmer zu vereinzelten Einsätzen und nur ein einziges Mal – in Spiel zwei in Biel – stand er überhaupt nicht auf dem Eis. «Ich bin zufrieden mit meiner Halbfinalserie. Dass ich noch einmal so viel zum Einsatz gelange, hatte ich vor dem Halbfinal nicht unbedingt erwarten dürfen», sagte Brügger gestern Nachmittag gegenüber den FN.

In 67 Minuten kein Gegentor

Einen Skorerpunkt hat der Sensler zwar weiterhin nicht auf seinem Konto. Mit plus 3 weist er allerdings eine positive Plus-Minus-Bilanz auf. Nur André Heim und Eric Blum haben beim SCB eine noch bessere Bilanz. Das zeigt, dass Brügger die wesentlichen Aufgaben, die an einen Viertlinienspieler gestellt werden, gut erfüllt – er bringt Intensität ins Spiel und hält die Gegner in Schach. Bemerkenswert: In den gut 67 Minuten, die Brügger in den Serien gegen Genf und Biel insgesamt auf dem Eis stand, kassierte Bern kein einziges Gegentor.

Das ist einer der Gründe, warum Trainer und Defensivliebhaber Kari Jalonen überraschend konsequent auf den Stürmer setzt. Für das entscheidende Spiel gegen Biel etwa blieb Marc Kämpf nur die Rolle des 13. Stürmers, während Brügger den vierten Block anführte. Zur Erinnerung: Brügger steht eigentlich in Visp in der Swiss League unter Vertrag und ist für diese Playoffs bloss mit einer B-Lizenz an den SCB ausgeliehen. Kämpf hingegen ist seit zwei Jahren Stammspieler bei den Bernern. «Das zeigt mir schon, dass der Trainer mir Vertrauen entgegenbringt. Allerdings ist Marc Kämpf auch kein Center», relativiert Brügger. Das stimmt zwar, allerdings hat es andere Spieler im Team, wie etwa Matthias Bieber, die als Flügel oder Center eingesetzt werden können, so dass Jalonen durchaus über andere Alternativen auf der Centerposition verfügen würde.

Was bringt das Schaufenster?

Vier Jahre nach dem Ende seiner NLA-Zeit bei Gottéron stellt Brügger derzeit unter Beweis, dass er eben doch durchaus dazu in der Lage ist, in der höchsten Schweizer Liga mitzuhalten. Das wirft Fragen für die Zukunft auf. Der 27-Jährige steht noch für zwei Jahre in Visp unter Vertrag. Noch vor drei Wochen, nach seinen ersten Viertelfinal-Einsätzen für Bern, sagte der Sensler gegenüber den FN: «Ich glaube, dass die Swiss League durchaus die richtige Liga für mich ist.» Seither hat er aber bewiesen, dass er auch in der National League konstant solide Leistungen an den Tag legen kann. Ganz so kategorisch klingt er deshalb nicht mehr. Auf die Frage, ob das Gastspiel nicht Lust darauf mache, nächstes Jahr wieder fix in der obersten Liga mitzuspielen, sagt er: «Lust schon. Natürlich habe ich mir auch schon Gedanken in diese Richtung gemacht. Aber an der Situation hat sich ja eigentlich nichts geändert. Deshalb versuche ich, in erster Linie im Hier und Jetzt zu leben und die tolle Zeit zu geniessen.»

Das perfekte Ende gegen Zug?

Das Hier und Jetzt, das ist die Playoff-Finalserie gegen den EV Zug. Für Brügger ist es der zweite Final nach 2013, als er mit Gottéron 2:4 gegen den SC Bern verlor. Damals war er allerdings in vier von sechs Partien überzählig. Ob ihm Ähnliches auch in der diesjährigen Serie droht, hängt auch davon ab, ob und wann der verletzte Nati-Center Gaëtan Haas zurückkehrt. Brügger macht sich nicht zu viele Gedanken: «Ich nehme, was kommt. Es macht mich bereits unglaublich stolz, im Final zu stehen. Ich freue mich riesig und will jetzt unbedingt den Titel – das wäre das perfekte Ende dieser unglaublichen Geschichte.»

In Alterswil, eigentlich tiefstes Gottéron-Land, drückt man deswegen momentan ein wenig verschämt den Bernern die Daumen. Brügger lacht: «Ich habe schon einige Nachrichten von Kollegen erhalten, dass sie erstmals in ihrem Leben mit dem SCB mitfiebern würden, auch wenn sie das selbst noch kaum glauben könnten …»

«Ich habe schon viele Nachrichten von Kollegen erhalten, dass sie erstmals in ihrem Leben mit dem SCB mitfiebern würden.»

Sandro Brügger

Sensler SCB-Stürmer

Playoff-Final

Für Bern spricht die Vergangenheit, für Zug die Gegenwart

Zum dritten Mal nach 1997 und 2017 stehen sich ab heute im Playoff-Final der National League Bern und Zug gegenüber. Die Ausgangslage ist offen: Die Erfahrungen der letzten Jahre sprechen für den SCB, der Verlauf der diesjährigen Playoffs dagegen für Zug.

Erstmals seit sechs Jahren und dem Duell zwischen Freiburg-Gottéron und Bern (2:4  Siege) treffen im Final die beiden besten Mannschaften der Qualifikation aufeinander. Entsprechend offen ist die Ausgangslage. Auf der einen Seite die Zuger, die bisher äusserst souveräne Playoffs hinter sich haben und sich in den letzten Wochen unantastbar zeigten, auf der anderen Seite der Qualifikationssieger aus Bern, der im Viertel- und Halbfinal öfters taumelte, aber immer siegte, wenn es zählte, und der am Dienstag beim 5:1 gegen Biel nichts anbrennen liess.

Zug steigt ausgeruht und nach einer Pause von einer Woche in die Endausmarchung der Meisterschaft. Der Faktor Müdigkeit – Bern stand mehr als 300 Minuten länger auf dem Eis als der EVZ – sei aber kein Faktor, versicherte Berns Tristan Scherwey, mit fünf Toren und drei Assists viertbester Playoff-Skorer seiner Mannschaft, nach dem Finaleinzug. «Ich bin es leid, ständig Fragen nach der Müdigkeit zu beantworten. Es sind Playoffs, die schönste Zeit des Jahres. Da ist man nicht müde», sagte der Berner Aggressivleader, der am Dienstag mit zwei Toren glänzte und zudem wertvolle Vorarbeit beim wegweisenden 2:0 leistete.

Zug wartet seit 21 Jahren

Nicht nur die körperliche Frische spricht für den EV Zug, sondern auch zahlreiche Statistiken. Das Team von Trainer Dan Tangnes schoss deutliche mehr Tore (4,11 pro Spiel) als Bern (2,50) und kassierte auch weniger (2,11) als der Qualifikationssieger (2,17). Zug hat das effizientere Powerplay und das erfolgreichere Boxplay. Mit Lino Martschini und Garrett Roe stellt der EVZ auch die beiden aktuellen Topskorer der Playoffs.

Martschini ist so etwas wie das Sinnbild der aktuellen Zuger Stärke: In den vergangenen Jahren tauchte der klein gewachsene Stürmer in entscheidenden Phasen oftmals unter, nun ist er mit fünf Toren und acht Assists der Playoff-Topskorer. Zudem befindet sich Torhüter Tobias Stephan ebenso in (Top-)Form wie sein Gegenüber bei Bern und Nachfolger bei Zug, Leonardo Genoni. Die Euphorie rund um den EVZ ist gross. Berechtigt ist die Hoffnung, dass die Zuger 21  Jahre nach ihrem ersten Meistertitel den Pokal wieder in die Höhe stemmen dürfen und die Herrschaft der «grossen Vier» im Schweizer Eishockey (Bern, ZSC Lions, Davos und Lugano) beenden.

Berns Steigerungslauf

Im Weg steht den Zugern mit dem SCB aber ein grosser Brocken. Das Team von Kari Jalonen vermochte in den bisherigen Playoffs nur selten richtig zu überzeugen. Es bekundete mit dem unangenehmen Genf-Servette grösste Mühe und stand gegen Biel kurz vor dem Ausscheiden. Mit dem Rücken zur Wand aber spielte Bern jeweils seine ganze Routine aus. «Wir sind gewachsen in diesen Playoffs und haben trotz schlechter Phasen die wichtigen Spiele gewonnen», attestierte Jalonen seiner Mannschaft.

Bern konnte nicht verbergen, dass es schon mit besseren Voraussetzungen in eine finale Phase gestiegen ist. Die Kämpferqualitäten, eine wichtige Eigenschaft im Playoff, und die immense Erfahrung sprechen aber für Bern. Drei Finalteilnahmen in vier Jahren sprechen Bände. Und aus der Tatsache, dass er gegen den EVZ noch nie eine wichtige Serie (Halbfinal oder Final) verlor, darf der SCB ebenfalls Kraft schöpfen.

Bern ist zugutezuhalten, dass es sich im Halbfinal gegen Biel deutlich steigerte. War zum Beispiel das Powerplay gegen Servette noch inexistent, gehörte es gegen Biel zu den grossen Stärken. Hatte sich Bern im Viertelfinal fast nur auf seine vierte Linie verlassen können, waren im Halbfinal Spieler wie Tristan Scherwey plötzlich ein wichtiger Faktor. Und mit Ramon Untersander kehrte der Spielmacher an der blauen Linie nach einer langen Pause stark zurück. Gegen Biel spielte der Verteidiger so dominant auf, als wäre er nie weg gewesen.

sda

 

«Es sind Playoffs, die schönste Zeit des Jahres. Da ist man nicht müde.»

Tristan Scherwey

Stürmer SC Bern