Eishockey 09.11.2019

Topskorer und Chef der Romands

194 Zentimeter, 98 Kilogramm: An Ludovic Hayoz gibt es für die gegnerischen Spieler nur selten ein Vorbeikommen.
Ludovic Hayoz gehört klar zu den wichtigsten Spielern der Düdingen Bulls: Der 28-jährige Verteidiger aus Chénens ist bereits seit sieben Jahren im Club und so etwas wie der Leader der grossen frankophonen Spielerfraktion – und er ist auch noch gleich der Teamtopskorer.

«Ich bin schon froh, überhaupt zu spielen – und das ohne Schmerzen und Probleme», sagt Ludovic Hayoz. Die Düdingen Bulls durchlebten als Team eine frustrierende letzte Saison, die beinahe im Abstieg aus der Swiss Regio League geendet hätte, doch für den 28-jährigen Verteidiger verlief sie noch frustrierender. Er verpasste mit einem Bandscheibenvorfall, den er sich bei einem Zweikampf zugezogen hatte, fast die gesamte Saison. «Das war eine schwierige Situation für mich. Wenn du siehst, dass es nicht gut läuft, möchtest du unbedingt helfen. Das schlicht nicht zu können, ist hart.»

Immerhin endete die Saison mit einem Happy End. Die Bulls konnten sich gerade noch retten, auch weil Hayoz quasi ohne Anlaufzeit nach mehrmonatiger Pause im Februar für die letzten Spiele der Relegationsrunde wieder auf dem Eis stand. «Damals nahmen wir ohnehin jeden, der irgendwie noch laufen konnte», blickt Trainer Thomas Zwahlen mit einem Schmunzeln zurück. «Aber im Ernst: Er war sicher massgeblich am Ligaerhalt beteiligt.»

Viel Lob vom Trainer

Heute scheinen diese turbulenten Zeiten weit zurückzuliegen. Momentan läuft alles rund. Bei den Bulls, die nach 14 Spielen überraschend auf dem vierten Rang liegen, und bei Hayoz, der mit vier Toren und zehn Assists der Topskorer der Mannschaft und der zweitproduktivste Verteidiger der Liga ist. «Er ist extrem wichtig für uns», sagt Trainer Zwahlen. «Ludo ist ein Leader und nimmt diese Rolle auch auf dem Eis wahr. Er spielt bei 5 gegen 5, im Powerplay und im Boxplay.» Hayoz sei zwar nicht immer der systemtreuste Verteidiger, aber das habe manchmal auch sein Gutes, weil es das Spiel unberechenbarer mache. Grundsätzlich wisse er aber trotz seines Offensivdrangs, wann es der Moment sei, hinten zu bleiben oder zurückzueilen.

Ludovic Hayoz ist gross (194 cm), kräftig (98 Kilogramm) und weiss auch mit dem Puck etwas anzufangen. Da drängt sich die Frage auf: Warum hat er es nicht zum Profispieler geschafft? «Ihm hat wohl ein Trainer gefehlt, der an ihn geglaubt hat. Ludo ist ein sensibler und feinfühliger Spieler. Ich habe das Gefühl, er ist unterschätzt worden. Denn er hat wirklich alles, was es braucht, um mindestens in der Swiss League zu spielen. Er würde dort noch heute nicht abfallen», sagt Zwahlen.

Hayoz selbst kann mit dem Verlauf seiner Karriere gut leben. «In meinem letzten Juniorenjahr habe ich es in La Chaux-de-Fonds versucht.» Ein Jahr lang setzte er in der Saison 2010/11 voll auf die Karte Eishockey, trainierte am Morgen mit dem NLB-Team, am Abend mit den Junioren. «Es war eine tolle Erfahrung, die mich spielerisch und menschlich weitergebracht hat», so Hayoz, der damals mit Spielern wie Johann Morant, Anthony Huguenin, Régis Fuchs oder Timothy Kast auf dem Eis stand.

Nicht weitergebracht hat das Jahr allerdings seine Karriere. Unter Trainer Gary Sheehan kam er nur zu zwei Kurzeinsätzen in der NLB. Mit dem Ende der Juniorenzeit begrub Hayoz auch seine Träume von einer Profikarriere. «Mir war schon immer klar gewesen, dass es schwierig werden würde. Deshalb war es für mich kein Weltuntergang, zu sagen: Von jetzt an spiele ich Eishockey auf Top-Amateurniveau und gebe der Ausbildung Priorität.»

Lehrer und Leader

Heute steht er kurz vor dem Abschluss seines Lehrer-Studiums, wird schon bald auf den Sekundarstufen I und II Mathematik und Sport unterrichten. Dass es Hayoz nicht zum Profi schaffte, war aber vor allem auch das Glück der Düdingen Bulls. Nach einem kurzen Abstecher nach Bulle wechselte er 2012 zu Düdingen, dem Club, den er bereits aus seiner Juniorenzeit beim EHC SenSee kannte. Mittlerweile befindet sich der Verteidiger in seiner achten Saison mit den Senslern. Aus dem Team von 2012 sind neben Hayoz nur noch Philipp Fontana, Marco Baeriswyl und Michel Zwahlen dabei. Kein Wunder, gehört er als Assistenzcaptain nun auch neben dem Eis zu den Führungsspielern. «Er ist der Leader der welschen Fraktion, hat also auch in der Kabine eine sehr wichtige Funktion», sagt Trainer Thomas Zwahlen. «Er ist zwar eher der ruhige Typ, verfügt aber trotzdem über viel Persönlichkeit.»

Die Fraktion der Romands ist in den letzten Jahren immer grösser geworden. «Das hat sich stark verändert. Als ich anfing, waren die Deutschschweizer deutlich in der Mehrheit, heute ist es mehr oder weniger fifty-fifty», sagt Hayoz, der sehr gut deutsch spricht. «Eine Sprachbarriere gibt es nicht, jeder macht seine Efforts. Spannungen zwischen den Sprachgruppen gibt es definitiv keine, die Stimmung im Team ist sehr gut», so der 28-Jährige, der in Chénens aufgewachsen ist und heute in einer WG in Freiburg wohnt.

Nicht immer viel Schlaf

Der Alltag in der Swiss Regio League kann manchmal hart sein. Ludovic Hayoz etwa muss im Rahmen eines Praktikums jeden Donnerstagmorgen nach Neuenburg. «Klar, wenn wir am Mittwochabend ein Auswärtsspiel mit langer Rückreise haben, bleibt manchmal nicht viel Schlaf. Aber dann erhole ich mich einfach am Donnerstagabend.» Der angehende Lehrer denkt deshalb noch nicht ans Aufhören. Nach der Verletzung sei er zwar vorsichtig geworden, was Zukunftsprognosen angehe, aber aufhören sei eigentlich noch kein Thema. «Ich fühle mich gut in meiner Rolle. Mittlerweile gehört es auch ein wenig zu meiner Aufgabe, die jungen Spieler, die nachkommen, auszubilden. Das finde ich sehr interessant», so Hayoz, der sich gut vorstellen kann, später als Coach dem Eishockey erhalten zu bleiben.

Auch in seiner Karriere als Spieler hat er aber noch Ziele. Das wichtigste: «Die Playoffs erreichen! Das haben wir in dieser Liga ja noch nicht geschafft.» Ausserdem würde er gerne noch einmal wie 2016 gegen Genf im Cup auf ein Team aus der National League treffen. «Mir gefällt aber ganz einfach auch die Atmosphäre im Verein. Wir sind eine Bande von Copains. Der Club hat eine kleine Struktur und nicht viel Budget – doch gerade deshalb ist der Zusammenhalt gut, hilft jeder dem anderen. Auch das macht den Charme der Düdingen Bulls aus.»

Während des Gesprächs im Bistro der Eishalle in Düdingen zeigt Hayoz auf die Fahnen mit Spielernamen, die an der Stadionwand hinter dem Tor hängen. «Das sind die Spieler, die 10 Jahre bei den Bulls gespielt haben», erklärt er. Gut möglich dass dort dereinst auch die Nummer 7 von Ludovic Hayoz hängen wird.

Düdingen Bulls

Folgt in Seewen der vierte Sieg in Folge?

Nach der perfekten letzten Woche, als die Düdingen Bulls Leader Martigny (2:1) und den Tabellendritten Bülach (2:0) besiegten, stehen die Sensler heute (17 Uhr) beim Tabellenvorletzten Seewen im Einsatz. Gegen die Schwyzer spielten die Bulls bereits vor zwei Wochen, als sie zu Hause 5:4 gewannen – es war der Anfang der Siegesserie, den die Düdinger heute auf vier Spiele ausbauen möchten.

Das ist durchaus wahrscheinlich, Seewen gewann nur zwei seiner letzten zehn Spiele. Zum Selbstläufer wird die Partie für die Sensler trotzdem nicht werden. Erstens ist die Swiss Regio League dafür zu ausgeglichen, zweitens hat sich Seewen letzte Woche mit dem 3:0-Sieg gegen Thun wieder etwas Selbstvertrauen geholt.

fm
«Ihm hat wohl ein Trainer gefehlt, der an ihn geglaubt hat. Denn er hat alles, was es braucht, um mindestens in der Swiss League zu spielen.»

Thomas Zwahlen

Trainer Düdingen Bulls

«Eine Sprachbarriere gibt es nicht, jeder macht seine Efforts, die Stimmung im Team ist sehr gut.»

Ludovic Hayoz

Verteidiger Düdingen Bulls