eishockey 11.02.2019

Tor-Impotenz wird zum Problem

Die Düdingen Bulls sind am Samstag mit einer schmerzhaften 1:3-Heimniederlage gegen das Schlusslicht EHC Chur in die Abstiegsrunde der Swiss Regio League gestartet. Einmal mehr war die Torproduktion der Sensler ungenügend.

Am Willen fehlte es sicher nicht, dass die Düdingen Bulls abermals als Verlierer vom Platz mussten. Aber die Verkrampftheit war deutlich zu spüren und half nicht, die schon seit einiger Zeit grassierende Torflaute in den Reihen der Sensler zu durchbrechen. Chur seinerseits, dessen Formkurve umgekehrt zu der von Düdingen verlief, war nicht unbedingt besser als die Platzherren – hatte aber in seinen Reihen eben den Topskorer, der im richtigen Moment seine Qualität als Vollstrecker einsetzen konnte. Durch den etwas überraschenden Sieg von Forward Morges in Seewen hat sich die Situation um den Ligaerhalt für die Bulls extrem zugespitzt. Sie liegen nun an vorletzter Stelle, nur noch drei Punkte vor dem samstäglichen Gegner. Es ist klar, dass morgen gegen Forward Morges ein Sieg hermuss, ansonsten wird das Worst-Case-Szenario Abstieg bedrohlich näher rücken.

Wenig Zusammenhängendes

Insgesamt zeigten die beiden Teams kein grosses Spiel, dafür war der Druck auf beiden Seiten zu gross und die Qualität beschränkt. Bei Düdingen spielten einige angeschlagene Spieler, Marco Baeriswyl sogar mit gebrochenem Finger. Dabei waren die Aktionen der Bündner um etwas gefährlicher als diejenigen der Sensler. Bei Düdingen fehlte es sicher nicht am Einsatzwillen. Doch die Niederlagenserie hat bei den Spielern ganz offensichtlich tiefe Spuren hinterlassen. Oft hatte man bereits in der eigenen Zone Mühe, einen Angriff zu lancieren, und verlor den Puck zu oft bereits da wieder. Die Mittelzone überwand man dann zwar ziemlich mühelos, im gegnerischen Drittel war man dann aber endgültig am Ende seines Lateins. Da war kein Zug auf das Tor, kurvte man elendiglich lange irgendwo an den Rändern herum, hatte kaum je jemanden vor dem Tor postiert, der Abpraller hätte übernehmen können. Und wenn dann nach einer gefühlten Ewigkeit endlich doch ein Schuss abgegeben wurde, war dieser entweder genau auf den Hüter platziert oder flog meilenweit am Tor vorbei. Ein Beispiel gefällig? Kurz vor der ersten Drittelspause wurde Andri Kessler mustergültig vor dem Tor freigespielt, verstolperte aber wohl aus lauter Nervosität allein vor dem Hüter.

Im zweiten Drittel musste rasch ein Düdinger auf die Strafbank, und Chur profitierte von dieser ersten Überzahlsituation und markierte den Führungstreffer. Dieser Gegentreffer schien die Bulls zu lähmen, sie hatten nun bange Minuten zu überstehen und brachten kaum mehr einen gescheiten Angriff auf das Eis. Sie konnten sich auch bei Hüter Christof Von Burg dafür bedanken, dass es trotzdem weiterhin nur 0:1 hiess. Zudem hatten sie in Unterzahl auch Glück, als ein Schuss von Urech nur an die Latte klatschte (32.). Im insgesamt dritten Powerplay waren dann endlich auch die Düdinger erfolgreich: Pascal Kohler zog endlich einmal herzhaft von der blauen Linie ab, und der Puck fand den Weg ins Tor. Kurz danach hatte derselbe Spieler nochmals praktisch dieselbe Chance, diesmal flog der Puck aber knapp neben das Gehäuse.

Viel Aufwand und kein Ertrag

Somit konnten sich die Zuschauer – mit einer stimmungsvollen Churer Delegation – auf einen spannenden Schlussabschnitt freuen. Dieser begann für die Düdinger mit einer Überzahlsituation, die man aber einmal mehr nicht nutzen konnte. Und wenig danach verloren die Düdinger im Mittelabschnitt ärgerlich die Scheibe, diese gelangte zu Topskorer Patrick Zahner, der loszog und zeigte, was Düdingen fehlt: Mit einem Schlenzer liess er Hüter Von Burg keine Chance. Abermals mussten die Bulls damit einem Rückstand nachrennen. Nicht, dass sie dies nicht engagiert getan hätten. Aber es war eben doch ein Gemurkse. Bestens dokumentierte schliesslich die Szene in der 53. Minute die Verfassung der Düdinger: Chur-Hüter Sarkis wollte den Puck nach vorne spielen, dieser landete aber genau auf der Schaufel des Düdingers Yannick Stettler, der somit freistehend auf den Hüter losziehen konnte. Doch der Puck landete genau auf dem Körper des Schlussmanns. In den Schlussminuten konnten die Düdinger nochmals in Überzahl agieren, doch auch mit sechs gegen vier wollte der Puck trotz einigem Tohuwabohu vor dem gegnerischen Tor nicht über die Linie. Der Gegentreffer ins leere Tor besiegelte die schmerzhafte Niederlage endgültig.

Ein Tor genügt einfach nicht

Düdingens Trainer Thomas Zwahlen musste nach dem Spiel eingestehen, dass die Impotenz im Abschluss seiner Spieler einmal mehr ausschlaggebend war: «Ja, mit einem Tor – und das von einem Verteidiger – kann man einfach kaum gewinnen. Es gelingt uns einfach nicht, diese Knoten vor dem Tor zu öffnen.» Insgesamt habe sein Team die Vorgaben gut umgesetzt, habe sich auch Chancen erarbeitet: «Wir spielten hinten mit einem guten Torhüter diszipliniert. Vorne hatten wir durchaus auch unsere Chancen, kreierten auch einigen Verkehr vor dem Tor, aber irgendwie wollte der Puck einfach nie bis ins Tor.» Er ist sich bewusst, dass die Lage ungemütlich wird. «Wir wussten, dass der Ligaerhalt kein Spaziergang würde. Es bleibt nur, weiterzuarbeiten – irgendwann wird der Puck auch wieder für uns laufen.» Er hofft zudem, dass am Dienstag beim kapitalen Spiel gegen ­Morges Luca Knutti wieder mittun kann.

Telegramm

Düdingen – Chur 1:3 (0:0; 1:1; 0:2)

Eisbahn SenseSee. 387 Zuschauer. SR: Fluri (Wittwer, Dumauthioz). Tore: 22. Monstein (Schwab, Urech; Ausschluss Röthlisberger) 0:1; 37. Kohler (Holzer, Kessler; Ausschluss Isler) 1:1; 44. Zahner (Bischofberger) 1:2; 60. (59:51) L. Sieber (Rotzer, C. Sieber; ins leere Tor) 1:3. Strafen: 4-mal 2 Minuten gegen Düdingen, 9-mal 2 Minuten gegen Chur.

HC Düdingen Bulls: Von Burg; Kohler, Zwahlen; Röthlisberger, Ryf; Bulliard, Thom; Tschanz, Holzer, Kessler; Schlapbach, Baeriswyl, Stettler; Chassot, Spicher, Roggo; Perdrizat, Nussbaumer.

EHC Chur: Sarkis; Urech, Schwab, John, Fischer; Arpagaus, Isler; C. Sieber, Monstein, Lampert; Infanger, Rutzer, Tkachenko; L. Sieber, Szabó, Scherrer; Bischofberger, Waidacher, Zahner.

Bemerkungen: Düdingen ohne die verletzten Zaugg, Blanchard, Hayoz, Schmid, Knutti, Fontana, Maillard, Dousse, Braichet und Bussard. Lattenschuss Urech (32.). 32. Lattenschuss Urech. Timeout Bulls (58:49). Düdingen von 58:54 bis 59:51 ohne Torhüter.

Swiss Regio League. Abstiegsrunde: EHC Seewen - Star Forward Lausanne-Morges 2:3. Düdingen Bulls - Chur 1:3. Rangliste: 1. Seewen 1/40 (102:118). 2. Star Forward Lausanne-Morges 1/31 (65:136). 3. Düdingen Bulls 1/30 (64:118). 4. EHC Chur 1/27 (86:126).