Eishockey 27.12.2018

Von Aufsteigern und Clublosen

Andrea Glauser (l.) ist mittlerweile Nationalspieler; Barry Brust hingegen ist bei seinem neuen Team geschasst worden.
Ein Dutzend Spieler hat Gottéron auf diese Saison hin beziehungsweise während dieser Saison verlassen. Einigen davon läuft es im neuen Club gut, andere haben nicht einmal mehr einen Club – ein Überblick.

Es gibt Spieler wie Julien Sprunger, Killian Mottet, Andrei Bykow oder Marc Abplanalp, die seit einer halben Ewigkeit das Trikot Gottérons tragen. Und es gibt den Rest, Spieler, die munter kommen und gehen. Auch auf diese Saison hin und sogar während dieser Saison, haben zahlreiche Spieler Freiburg verlassen, die einen, weil sie mussten, die anderen, weil sie wollten. Doch wie schlagen sie sich in ihren neuen Clubs?

Tore für Birner und Holdener

Die beiden Spieler, die Gottéron während der aktuellen Saison verliessen, haben in ihren neuen Vereinen zumindest bereits geschafft, was ihnen in Freiburg in dieser Saison verwehrt geblieben war – sie haben ein Tor geschossen. Michal Birner ist in seiner tschechischen Heimat offensiv wieder aufgeblüht. In 8 Spielen für den Tabellenzweiten Bili Tygri Liberec hat der Stürmer 3 Tore erzielt und 3  Assists gegeben. Auch Makai Holdener, der bei Gottéron meist nur überzählig war, ist der Neustart geglückt. Nach zwei Spielen für seinen neuen Verein IK Pantern hat er immerhin bereits ein Tor auf seinem Konto. Allerdings spielt der junge Schweizer mit dem Club aus Malmö nur in der zweithöchsten schwedischen Division.

Glauser der grosse Gewinner

Von den Spielern, die Gottéron bereits vor der Saison verlassen hatten, sticht Andrea Glauser positiv heraus. Der junge Düdinger hat sich beim Überraschungsteam Langnau zum Erstlinien-Verteidiger entwickelt und hat genau das gefunden, was er bei Gottéron vermisst und im Emmental gesucht hatte: viel Eiszeit. Mit 18:12 Minuten pro Partie ist Glauser, der auch in Überzahl spielt, der Langnauer Verteidiger mit der zweitmeisten Eiszeit. Die guten Leistungen des 22-Jährigen blieben auch Nationaltrainer Patrick Fischer nicht verborgen. Er bot Glauser sowohl im November für den Deutschland Cup als auch im Dezember für den Lucerne Cup auf.

Weniger auf einer Erfolgswelle reiten zwei andere Verteidiger, die Gottéron auf diese Saison hin auf eigenen Wunsch verlassen haben. Yannick Rathgeb hat in Übersee einen ex­trem schweren Stand. Von einem Einsatz in der NHL ist er meilenweit entfernt. Selbst im Farmteam der New York Islanders, den Bridgeport Sound Tigers, spielt der 23-Jährige nur die zweite Geige. Bloss in 11 der 32 Partien Bridgeports kam der Langenthaler überhaupt zum Einsatz, ansonsten war er selbst in der AHL überzählig. Rathgeb schoss 2 Tore und gab 2 Assists, konnte aber seine Stärken – den Offensivdrang und den starken Schuss – nie wirklich ausspielen, weil er im Powerplay kaum zum Einsatz gelangt und fast ausschliesslich mit Defensivaufgaben betraut wird. Noch nicht richtig glücklich geworden ist auch Lorenz Kienzle bei seinem neuen Club Ambri. Auch er war bei den Tessinern bereits wiederholt überzählig. Und wenn Kienzle spielt, dann nicht lang. Nur gerade 9 Minuten pro Spiel steht er auf dem Eis. In Freiburg noch ganz klar ein Offensivverteidiger, kommt er zudem in Ambri im Powerplay kaum zum Zug. Nach 20 Einsätzen steht er entsprechend noch ohne Tor und mit nur zwei Assists da. Dass er mit Minus-7 auch noch die zweitschlechteste Plus-Minus-Bilanz im Team aufweist, rundet das negative Gesamtbild ab.

Harte Zeiten für Cervenka

Grössere Sorgen hat Roman Cervenka. Der letztjährige Topskorer Gottérons schlägt sich mit gesundheitlichen Problemen herum. Nach enttäuschendem Start mit nur einem Tor aus 12 Spielen, plagen den Tschechen seit November ernsthafte gesundheitliche Sorgen. Nach einer Wadenverletzung, die zu einer Thrombose führte, erlitt er auch noch eine Lungenembolie und eine Entzündung an den Lungenflügeln. Der tschechische Stürmer fehlt den ZSC Lions deshalb noch einige Wochen, weil er während seines Regenerationsprozesses mit Blutverdünner behandelt wird und deshalb keine Kontaktsportart ausführen darf.

Zwar gesund, aber ohne Club war bis heute Barry Brust. Das Gastspiel des kanadischen Torhüters beim chinesischen KHL-Club Kunlun Red Star war nur von kurzer Dauer. Anfang Dezember löste Kunlun den Vertrag mit dem unkonventionellen Spektakel-Goalie bereits wieder auf. Brust kam lediglich auf 9  Einsätze und wies dabei eine Abwehrquote von 89,5 Prozent auf – die schlechteste aller vier in dieser Saison bei Kunlun eingesetzten Torhüter. Immerhin kriegt Brust eine weitere KHL-Chance: Der 35-Jährige hat heute einen Vertrag bei Nizhny Novgorod unterzeichnet.

Rivera nur noch viertklassig

Ebenfalls nicht mehr gänzlich clublos, aber in der Versenkung verschwunden ist Chris Rivera. Der 32-jährige Stürmer spielt mit Genf-Servette  II nur noch in der 1. Liga, der vierthöchsten Division der Schweiz. Selbst dort fällt Rivera in erster Linie bloss mit Härte auf. In den drei Partien, die Rivera für sein neues Team absolviert hat, schoss er ein Tor, gab 3 Assists und kassierte 37 Strafminuten.

Immerhin in der ersten Mannschaft von Genf-Servette spielt Riveras letztjähriger Sturmkollege John Fritsche – und das gar nicht so schlecht. In 24 Spielen hat der US-Schweizer bereits vier Tore erzielt – doppelt so viele wie in der gesamten letzten Saison für Gottéron.

Mit Mathieu Maret, Kevin Kühni und Nelson Chiquet spielen zudem drei letztjährige Freiburg-Spieler nunmehr eine Liga tiefer in der NLB. Stürmer Chiquet hat dabei bei den GCK Lions durchaus das Skoren entdeckt. Nach 26 Spielen hält er bei 10 Toren und 5 Assists. Die Verteidiger Maret (Langenthal, 0 Tore und 2 Assists in 27 Spielen) und Kühni (La Chaux-de-Fonds, 1 Tor und 8 Assists in 20  Spielen) zeigen wenig überraschend eher unspektakuläre Leistungen.

Vielversprechender Schmid

Bleiben noch zwei junge Talente, die zwar (noch) nicht für Gottérons Farmtem gespielt haben, auf die es sich aber trotzdem einen Blick zu werfen lohnt: David Aebischer und Sandro Schmid, die derzeit beide mit der Schweizer U20-Nationalmannschaft an der WM in Kanada im Einsatz stehen. Aebischer wäre diese Saison für Freiburgs NLA-Kader vorgesehen gewesen, wurde aber von den Gatineau Olympiques gedraftet und spielt in der kanadischen Junioren-Liga QMJHL. Dort ist der 18-Jährige mit 2 Toren und 7  Assists in 30 Spielen der viertproduktivste Verteidiger im Team. Stürmer Schmid wird nächste Saison für Gottéron auflaufen, absolviert die aktuelle Spielzeit aber noch mit der U20 der Malmö Redhawks in der starken schwedischen Junioren-Liga. Dort hält der 18-jährige Murtner nach 24 Spielen bei 11 Toren und 9 Assists. Damit ist Schmid der klare Topskorer seiner Mannschaft.