Eishockey 01.03.2019

Wenn die Skorer nicht skoren

Andrew Miller (links), Topskorer Julien Sprunger und Killian Mottet haben in den letzten 11 Spielen zusammen ein einziges Tor erzielt.
Gottérons beste Offensivspieler schiessen keine Tore mehr – selbst Topskorer Julien Sprunger nicht. Eine neue Toplinie soll das ändern.

Weil das Defensivspiel zuletzt sehr gut funktionierte und Torhüter Reto Berra in Topform ist, sind Gottérons Chancen auf die Playoff-Teilnahme drei Runden vor Schluss immer noch intakt. Mit dem Toreschiessen hapert es derzeit jedoch gewaltig. In den letzten elf Spielen erzielten die Freiburger dreimal gar keinen Treffer, dreimal bloss einen einzigen. So ist es nicht verwunderlich, dass Gottéron grosse Mühe hat, ein Spiel zu wenden, sobald es einmal in Rückstand liegt.

Ein entscheidender Grund für die Torflaute: Die designierten Skorer skoren nicht. Topskorer Julien Sprunger hat in diesen elf Partien ein Tor geschossen und zwei vorbereitet. Killian Mottet und Andrew Miller – die Nummern zwei und vier der Skorerliste – blieben sogar gänzlich ohne Torerfolg und holten bloss drei beziehungsweise vier Assists.

«Nicht der beste Zeitpunkt»

Überraschend kommt die Flaute vor allem bei Julien Sprunger, der normalerweise ein Musterbeispiel für Konstanz und Zuverlässigkeit ist. Nervt es ihn, dass er nun ausgerechnet in dieser entscheidenden Phase der Saison in ein Loch gefallen ist? «Ja und nein», sagt der Stürmer. «Vor der Niederlage am Dienstag haben wir dreimal in Folge gewonnen, ohne dass ich gepunktet habe. In solchen Situationen ist es mir egal.» Nach verlorenen Spielen, wie vor drei Tagen gegen Lugano aber, in denen es niemand schaffe, das Team mit einem Tor zu erlösen und auf die richtige Spur zu bringen, sehe es anders aus. «In engen Spielen braucht es Leute, die für die Differenz sorgen. In der Vergangenheit war ich oft dafür zuständig. Dadurch entstehen automatisch gewisse Erwartungen – auch von mir an mich selber.»

In seiner langen Karriere habe er jedoch gelernt, damit umzugehen, dass es für einen Stürmer immer wieder mal solche Phasen gebe, sagt der 33-Jährige. «Auch wenn momentan natürlich nicht der beste Zeitpunkt dafür ist.»

Bykow/Sprunger wiedervereint

Über weite Strecken der Saison gehörte das Trio um Sprunger, Miller und Samuel Walser zu den wichtigsten Zugpferden in der Offensive. «Seit einigen Spielen haben wir aber Mühe, den Rhythmus und die Abstimmung zu finden und uns Chancen zu kreieren.»

Das ist auch Trainer Mark French nicht entgangen. Um die Offensive neu zu beleben, wird er im heutigen Spiel gegen Genf einige Änderungen vornehmen. Wird Andrei Bykow rechtzeitig fit (siehe Kasten), werden die alten Weggefährten Bykow und Sprunger im Paradeblock wiedervereint. Dritter im Bunde ist der Franzose Charles Bertrand – eine Sturmreihe, die Spektakel verspricht. «Das könnte interessant sein. Andrei und ich kennen uns bestens, und Charles ist ein sehr offensiver Spieler, der sich viel bewegt und so immer wieder gefährliche Situationen provoziert», sagt Sprunger. «In den letzten Spielen fehlte eine Linie, die offensiv als Lokomotive diente. Sollte die Linie gegen Genf wirklich zustande kommen, wäre es unsere Aufgabe, genau diesen Part zu übernehmen.»

Sprunger und Bykow, die in früheren Jahren als Gottérons Traumduo schlechthin galten, spielten in dieser Saison nur ganz zu Beginn miteinander. Nach drei Niederlagen in den ersten drei Spielen stellte French die Sturmreihen dann bereits um.

Auch eine Systemfrage?

Umstellungen in der Linienzusammenstellung hat es in dieser Saison immer wieder einmal gegeben. So richtig zufriedenstellend war offensiv jedoch kaum einmal eine Konstellation. Erstickt das überaus strikte, defensive und nichts dem Zufall überlassende System von Mark French vielleicht schlicht sämtliche Kreativität in der Offensive im Keim? «Nein, man sollte nun nicht anfangen, das System infrage zu stellen», sagt Sprunger. «Das System verlangt zwar defensiv viel taktische Gründlichkeit. In der Offensive haben wir aber durchaus Raum für Kreativität. Sich Chancen zu erspielen, Rebounds zu erkämpfen und in die richtigen Abschlusspositionen zu gelangen haben mit dem System nichts zu tun.»

Spiel gegen Genf

Tristan Vauclair kehrt zurück

Nach dem schwarzen Dienstag, als Gottéron vom sechsten auf den neunten Rang zurückfiel, ist für die Freiburger heute im Heimspiel gegen Genf ein Sieg Pflicht. Pech nur, dass Servette wahrlich nicht zu den Lieblingsgegnern zählt. In dieser Saison hat Gottéron vier von fünf Duellen gegen das physisch starke Team von Chris McSorley verloren.

Nach der mageren Vorstellung gegen Lugano stellt Trainer Mark French die Linien um. Vorgesehen ist, dass Julien Sprunger, Andrei Bykow und Charles Bertrand die Paradelinie bilden. Allerdings brach Bykow das Training gestern nach kurzer Zeit leicht verletzt ab. Eher eine Vorsichtsmassnahme, sagt French, der hofft, heute auf Bykow zählen zu können. Sicher wieder mit dabei ist Sturmkollege Tristan Vauclair. Verteidiger Philippe Furrer trainierte gestern zwar ebenfalls voll mit, wird gemäss French sein Comeback allerdings noch nicht heute Abend geben. Überzähliger Ausländer dürfte der Amerikaner Andrew Miller sein. Der Kanadier Jacob Micflikier bildet derweil wohl einen neuen Sturm mit Samuel Walser und Matthias Rossi.

fm

Tabelle National League

Die restlichen Spiele (alle 19.45). Heute: Gottéron - Genf. Ambri - Davos. Bern - ZSC Lions. Biel - Lausanne. Rapperswil - SCL Tigers. Lugano - Zug. Morgen: Lausanne - Gottéron. Davos - Lugano. Genf- Biel. SCL Tigers - Bern. ZSC Lions - Rapperswil. Zug - Ambri. Montag: Zug - Gottéron. Ambri - Rapperswil. Davos - Biel. Genf - ZSC Lions. Lugano - Bern. SCL Tigers - Lausanne.

Der heutige Gegner

Fakten zu Genf-Servette

• Genf hat viel Verletzungspech: Mit Bouma, Wingels, Skille, Wick, Vukovic, Douay, Almond, Rod und Mayer fehlten am Dienstag in Bern neun Spieler. Zusätzlich dürfte nun auch noch Jacquemet verletzt ausfallen.

• Die Genfer spielen derzeit gleich mit drei ausländischen Verteidigern – dem schwedischen Trio Tömmernes, Fransson, Martinsson.

• In den letzten 13 Spielen kassierte Genf 10 Niederlagen.

• Der Ex-Freiburger John Fritsche ist mit 6 Toren überraschend produktiv. Zuletzt traf er gegen Rapperswil und Bern zweimal in Folge.

«Das könnte in­te­res­sant sein. Andrei und ich kennen uns bestens, und Charles ist ein sehr offensiver Spieler.»

Julien Sprunger

Gottéron-Stürmer