Eishockey 08.02.2019

«Wer keinen Druck haben will, kann in einer Plauschliga spielen gehen»

Stellt sich voll und ganz in den Dienst der Mannschaft: Gottéron-Routinier Laurent Meunier (l.).
Mit 40 Jahren ist Stürmer Laurent Meunier der erfahrenste Spieler von Gottéron. Zuletzt blühte der Routinier im Strichkampf auf und ging als Teamleader erfolgreich voraus.

Er ist nicht mehr der Schnellste und auch nicht mehr der Skorer, der er auf dem Höhepunkt seiner Karriere gewesen ist. Mit seiner Routine aber spielt der 40-jährige Franzose mit Schweizer Pass bei Gottéron im Kampf um einen Platz in den Playoffs eine wichtige Rolle – als Antreiber neben und als Kämpfer auf dem Eis. Im Interview spricht der Stürmer, dessen auslaufender Vertrag Ende Saison nicht verlängert wird, über Druck, Zuschauerpfiffe und Leadership.

Laurent Meunier, vor einer Woche lag Gottéron noch unter dem Strich und im kapitalen Heimspiel gegen Servette 0:2 hinten, ehe der Anschlusstreffer alles veränderte – so schnell kann es im Eishockey gehen.

Ja, besonders darum, weil in der Rangliste alle so eng beisammen sind. Aber obwohl wir jetzt über dem Strich liegen, ist noch nichts erreicht. Es bleibt bis zum Ende ein grosser Kampf um die Playoffs. Wir müssen Spiel für Spiel nehmen und dürfen nicht zu sehr auf die Tabelle schauen. Stattdessen müssen wir uns auf uns konzentrieren, zumal wir das Schicksal in den eigenen Händen halten.

Sie gehörten am letzten Wochenende gegen Servette und Davos zu den Besten. Spornt Sie Druck an?

Ich mag es tatsächlich, Druck zu spüren und unter diesen Voraussetzungen Leistung zu zeigen. Wer keinen Druck haben will, kann in einer Plauschliga spielen gehen. Mit Druck muss man umgehen können, genau dann die guten Aktionen zeigen und in den richtigen Momenten entscheidend sein.

Druck üben auch die Zuschauer aus. Nach dem ersten Drittel gegen Servette wurde das Team von einem Pfeifkonzert in die Kabine begleitet. Wie haben Sie diese Unmutsäusserung der Fans aufgenommen?

Die Zuschauer hatten mit den Pfiffen nicht unrecht, aber sie waren nicht die beste Art und Weise, um die Mannschaft in dieser Lage zu unterstützen. Das Startdrittel gegen Servette war nicht gut, das haben wir aber selber auch gewusst. Die Pfiffe haben uns sicher nicht besser gemacht.

Sie sind mit Ihren 40 Jahren einer der Leader des Teams. Welche Rolle spielt die Routine im Strichkampf?

Es ist wichtig, den Teamkollegen zu sagen, dass sie sich konzentrieren und zu 100 Prozent da sein müssen. Es ist aber nicht der Moment, um Stress zu machen. Es ist und bleibt ein Eishockeyspiel. Wir alle sind Profis und machen das schliesslich von klein auf. In unserer Situation gilt es, ruhig zu bleiben und einen klaren Kopf zu bewahren.

Ergreifen Sie dennoch öfters das Wort in der Kabine?

Nein, eher versuche ich mit gutem Beispiel voranzugehen und mit der richtigen Einstellung auf das Eis zu gehen. Reden ist ja schön und gut, letztlich müssen die anderen dafür aber auch empfänglich sein und zuhören. Deshalb zählen vor allem die Taten. Eine gute Aktion kann den Mitspielern Sicherheit verleihen oder solchen, die etwas mehr Mühe mit dieser Ausgangslage bekunden, eine Hilfe darstellen.

Aufgrund der Verletzungen von Bykow und Schmutz hatten Sie zuletzt deutlich mehr Eiszeit als bisher. Das hat Ihnen ganz offensichtlich behagt.

In erster Linie bin ich dazu da, um dem Team zu helfen. Alles andere ist die Entscheidung des Trainers. Mit mehr Eiszeit lässt sich der Rhythmus natürlich schneller finden und du spielst vielleicht effizienter, aber jene Spieler, die zuvor an meiner Stelle zum Einsatz kamen, haben ebenfalls Leistung gebracht.

Mit der Rückkehr der beiden Center am Freitag in Bern riskieren Sie nun wieder die Rolle des 13. Stürmers übernehmen zu müssen.

Dafür bin ich bereit. Ich versuche, meinen Teil dazu beizutragen, wann immer ich zum Einsatz komme. Spricht man von Leadership, bedeutet das auch unabhängig von der Rolle oder den Spielminuten für das Team einzustehen. Es geht nicht darum, sein Ego in den Vordergrund zu stellen. Die Mannschaft steht an erster Stelle. Du akzeptierst die Entscheide des Trainers zum Wohl des Teams.

Trainer Mark French hat gesagt, dass für Gottéron bis Ende der Qualifikation bereits jetzt alle Spiele Playoff-Charakter haben. Hat die Mannschaft den Playoff-Modus eingeschaltet?

Alle Partien sind für uns mehr oder weniger wegweisend. Nach jedem Spiel kannst du über oder unter dem Strich sein. Unsere Einstellung muss deshalb dem Playoff-Modus entsprechen. Wir müssen in jedem Spiel an unser Limit gehen.

An die Grenzen müssen Sie auch in Bern gehen, wo es in dieser Saison bisher zwei klare Niederlagen abgesetzt hatte (1:6 im Cup und 2:6 in der Meisterschaft). Was muss Gottéron diesmal besser machen?

Im Vergleich zu den beiden Auswärtsspielen waren wir zu Hause zweimal klar besser (Red.: 3:0-Erfolg sowie knappe 0:2-Niederlage). Darauf müssen wir uns stützen und die Dinge wiederholen, die wir in den Heimpartien gut gemacht haben. Der SCB ist sehr stark, wir müssen deshalb physisch und mental solid auftreten. Es wird heikle Phasen zu überstehen geben, da gilt es solidarisch zu sein und möglichst keine Treffer zu kassieren. Gleichzeitig müssen wir vor dem Berner Tor effizient sein, da sie dir nur wenig zugestehen.

Im letzten Aufeinandertreffen konnten sich die Berner 30 geblockte Schüsse notieren lassen. Welche Rolle wird die Opferbereitschaft spielen?

Das gehört dazu. Kannst du den Puck blocken, dann stellst du dich ihm in den Weg. Wenn du die Scheibe raushauen musst, dann haust du sie raus. Alle diese kleinen Dinge, die du nicht auf der Anzeigetafel stehen siehst, können ein Spiel entscheiden.

Vorschau

Bertrand muss Micflikier weichen

Gottérons Trainer Mark French kann heute Abend auswärts gegen den Leader SCB wieder auf die zuletzt verletzten Center Andrei Bykow und Flavio Schmutz zählen. Überzähliger Ausländer ist überraschenderweise Charles Bertrand. Für ihn kehrt Jacob Micflikier in die Aufstellung zurück. Reto Berra steht im Tor.

Furrer rechnet mit Rückkehr

Verletzt sind die Verteidiger Ralph Stalder und Philippe Furrer. Letzterer dürfte entgegen den ersten Prognosen in dieser Saison doch noch zum Einsatz kommen. Furrers Verletzung in der Rippengegend ist etwas weniger schlimm als jene, die er sich im Oktober an ähnlicher Stelle zugezogen hatte. So sollte er auf die Playoffs hin – oder im schlechteren Fall in der Abstiegsrunde – das Comeback geben können.

fs

Heute spielen

SC Bern - Gottéron 19.45 Uhr Davos - Lausanne 19.45 Uhr Servette - SCL Tigers 19.45 Uhr Rapperswil - Biel 19.45 Uhr Lugano - Zug 19.45 Uhr

Der heutige Gegner

Fakten zum SC Bern

• Kein anderes National-League-Team ist so heimstark wie die Berner. In bisher 20 Spielen holten sie zu Hause 47 Punkte.

• Von den letzten elf Heimspielen gegen Gottéron hat Bern zehn gewonnen.

• Der SCB hat das beste Boxplay der Liga und erst 14 Tore in Unterzahl kassiert. Zum Vergleich: Gottéron musste im Boxplay schon 37 Tore hinnehmen.