Eishockey 26.02.2020

Zwei Punkte sind (noch) einer zu wenig

Zwar drehte Gottéron gestern zu Hause gegen den EV Zug einen 0:1-Rückstand im Penaltyschiessen in extremis noch in einen Sieg. Diese zwei ergatterten Zähler reichen aber noch nicht ganz, um die Playoffs sicherzustellen.

Es war angerichtet gestern im St. Leonhard. 6222 Zuschauer wollten miterleben, wie sich Gottéron für die Playoffs qualifiziert. Dazu benötigten die Freiburger gegen den EV  Zug einen Sieg nach 60 Minuten, um bereits vor den zwei letzten Spielrunden vom Wochenende den Einzug in die K.-o.-Runden definitiv sicherzustellen. Dass es in einer kurzweiligen und nervenaufreibenden Partie nicht für die erforderlichen drei Punkte reichte, hatte sich Gottéron letztlich selber zuzuschreiben. Denn Möglichkeiten für Tore waren genügend vorhanden, insbesondere im Powerplay. 14 Minuten konnte das Team von Christian Dubé in Überzahl agieren, davon 82 Sekunden mit gleich zwei Mann mehr. Das lange Zeit einzige Tor schoss aber Zugs Topskorer Gregory Hofmann (45.) just in einer der Druckphasen der Freiburger.

Trotzdem schrammte Gottéron am Ende nur haarscharf an der vorzeitigen Playoff-Qualifikation vorbei, nachdem Davis Desharnais in der 57. Minute den Ausgleich doch noch realisierte und Viktor Stalberg in den Schlusssekunden zweimal am überragenden Zug-Goalie Leonardo Genoni scheiterte. Zwar holten sich die Freiburger im Penaltyschiessen dank Desharnais und Stalberg den Zusatzpunkt, doch der garantiert die Playoffs mathematisch noch nicht. Sicher sind sie erst, wenn Gottéron am Freitag in Bern oder am Samstag im letzten Qualifikationsspiel zu Hause gegen Genf noch einen Punkt holt oder der SCB und Lugano nicht das Punktemaximum von sechs Zählern holen.

Führung vergeben

Obwohl die Gastgeber mit drei Siegen in Folge im Rücken und einer guten Ausgangslage in die Partie starten konnten, war eine gewisse Anspannung nicht zu übersehen. Darauf bedacht, die Fehlerquote so tief wie möglich zu halten, stürmte Gottéron richtigerweise nicht kopflos nach vorne, zumal mit dem EVZ ein Team gegenüberstand, das seinerseits in der Offensive brandgefährlich ist. Weil auch die Zuger noch auf Siege in den verbleibenden Spielen angewiesen sind, um aus der Poleposition in die Playoffs starten zu können, war auf ihrer Seite bezüglich des Engagements keine Differenz zu den Freiburgern auszumachen. Entsprechend entwickelte sich sogleich ein ausgeglichenes Spiel mit Möglichkeiten auf beiden Seiten, wobei insbesondere das Heimteam in zwei Überzahlsituationen im Startabschnitt mehr hätte herausholen können. Die beste Chance indes hatte Lukas Lhotak, als er allein vor EVZ-Hüter Genoni auftauchte. Doch der Stürmer blieb auch in dieser Szene wie schon die ganze Saison über ineffizient.

Das torlose Drittel war insofern nicht überraschend, weil mit Reto Berra und Genoni die beiden besten Torhüter der Liga zwischen den Pfosten standen. Sie liessen sich auch während der zweiten 20 Minuten nicht bezwingen, obwohl gerade die Freiburger mehr als nur einmal den Führungstreffer auf dem Stock hatten. Nachdem sie etwas gar passiv und abwartend aus der ersten Pause gekommen waren, hatten sie bis zur Spielmitte die deutlich gefährlicheren Aktionen. Zunächst scheiterten Lhotak (wieder er) und Sandro Schmid innert Sekunden, dann hätte Daniel Brodin seine Tor-Serie der letzten Spiele ausbauen können. Eben von der Kühlbox aufs Eis zurückgekehrt, konnte der Schwede allein auf Genoni losziehen, schlug aber bei seinem Abschlussversuch über den Puck.

Ungenügendes Powerplay

Das waren aber nicht die grössten Versäumnisse Gottérons, um beizeiten ein wenig Spannung aus der Partie zu nehmen. Nachdem sich die Freiburger zuletzt im Powerplay verbessert gezeigt hatten, generierten sie gestern zu lange zu wenige Möglichkeiten mit einem Mann mehr, fanden nur selten den freien Mitspieler und brachten so die Scheibe kaum einmal erfolgversprechend aufs Zuger Gehäuse. Erst im Schlussdrittel, als Gottéron mit 0:1 hinten lag und die Dringlichkeit immer grösser wurde, setzten sie Genoni in Überzahl unter Dauerbeschuss. Der Zuger Keeper wehrte teilweise mirakulös ab und hatte auch mal das Glück des Tüchtigen auf seiner Seite. So traf Schmid eine Viertelstunde vor Ende aus nächster Nähe nur den Pfosten. So sollte es erst Desharnais gut drei Minuten vor Schluss gelingen, die Festung Genoni mit einem «Buebetrickli» zu knacken.

Am Freitag erhalten die Freiburger in Bern die nächste Möglichkeit, die Playoffs zu erreichen: gegen einen SCB, der nach seiner Niederlage gestern in Davos seinen letzten Joker verspielt hat und gegen Gottéron sowie Lausanne auf sechs Punkte angewiesen ist, um den Fall in die Relegationsrunde zu verhindern. Es dürfte selbstredend ein heisses Derby werden – und wie schon gestern definitiv nichts für schwache Nerven.

Telegramm

Gottéron – Zug 2:1 (0:0, 0:0, 1:1, 0:0) n. P.

St. Leonhard. 6500 Zuschauer (ausverkauft). SR: Salonen/Dipietro (Henri/Obwegeser). Tore: 45. Hofmann 0:1 (4 gegen 4). 57. Desharnais 1:1. – Penaltyschiessen: Martschini -, Sprunger -, Senteler -, Brodin -, Kovar 0:1, Desharnais 1:1, Klingerg -, Rossi -, Hofmann -, Stalberg 2:1. Strafen: 3-mal 2 Min. gegen Gottéron, 7-mal 2 Min. plus 1-mal 5 Min. plus Spieldauerdisziplinarstrafe (Diaz) gegen Zug.

Freiburg-Gottéron: Berra; Furrer, kamerzin; Stalder, Gunderson; Marti, Abplanalp; Brodin, Desharnais, Rossi; Stalberg, Schmid, Sprunger; Vauclair, Walser, Marchon; Lhotak, Schmutz, Lauper.

EV Zug: Genoni; Zgraggen, Diaz; Alatalo, Thiry; Geisser, Schlumpf; Stadler, Morant; Hofmann, Kovar, Klingberg; Thorell, Lindberg, Martschini; Bachofner, Senteler, Simion; Zehnder, Albrecht, Leuenberger.

Bemerkungen: Gottéron ohne Bykow, Chavalliaz, Mottet (alle verletzt) und Boychuk (überzähliger Ausländer), Zug ohne Schnyder, Zyrd (überzählig) und Martinsen (überzähliger Ausländer).

Die FN-Besten: Berra und Genoni.