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Ende einer Ära

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Auf dem Regal gegenüber dem Schaufenster steht ein einsames Glas Zitronenmarmelade. Hätte es Augen, es würde eine Gruppe Touristen vor dem Schaufenster anhalten sehen. Sie betrachten die Früchte und das Gemüse in der Auslage draussen an der Strasse, kneifen die Augen zusammen und spähen durchs Schaufenster. Für die Touristen ist der kleine Lebensmittelladen im Schatten der Kathedrale im Freiburger Burgquartier eine Sehenswürdigkeit. Kaufen tun sie nichts, sie ziehen weiter zur nächsten Attraktion.

«Ist es nicht traurig?»

René Aeby nimmt das einsame Glas Zitronenmarmelade und stellt es auf die andere Seite des Regals, neben zwei Packungen Instant-Kaffee. «Ist es nicht traurig, all die leeren Regale?», fragt er. «Es ist eine schwierige Zeit», sagt seine Frau Ana Aeby. Nach 42 Jahren schliessen sie am kommenden Samstag ihren Lebensmittelladen an der Hängebrückgasse 14. Endgültig. Einen Nachfolger haben sie nicht gefunden. «Es wäre schön gewesen, wenn es hier wieder einen kleinen Supermarkt gegeben hätte, gerade für die älteren Leute im Quartier, die nicht mehr gut zu Fuss sind», sagt Ana Aeby. Aber daraus wurde nichts. Nach dem Ende von Aebys Laden gibt es kein grösseres Lebensmittelgeschäft mehr im Burgquartier. «Abgesehen von ‹Atout vrac› in der Reichengasse», sagt Ana Aeby. Dieser Laden bietet seit einigen Jahren Lebensmittel im Offenverkauf an: Mehl, Haferflocken, Zucker oder Öl. Ein bisschen wie früher.

«Meine Eltern hatten damals auch Mehl und Zucker im Offenverkauf», erinnert sich René Aeby. Sie hatten zunächst einen Laden in der Reichengasse, bevor sie 1946 an das Lokal in der Hängebrückgasse umzogen. René Aeby stand schon als kleiner Bub im Laden und machte Lieferungen. «Wir Kinder mussten jeweils im Keller die Sprossen von den Kartoffeln wegnehmen», erzählt er und schmunzelt. Ernst fügt seine Frau an: «Die Eltern von René hatten nichts und haben etwas gewagt.» Der Vater arbeitete erst noch auswärts, bis der Laden einigermassen gut lief. «Das brauchte viel Geduld, fünf Kinder grossziehen und einen Laden zu führen.»

Ana Aeby weiss, wovon sie spricht: Sie und René haben selbst eine Tochter und einen Sohn. «Wir hatten jeweils nicht viel Zeit für sie», sagt sie. René fügt an: «Wenn ich sehe, wie viel Zeit meine Tochter und ihr Mann mit ihrem Sohn verbringen, dann muss ich sagen, ich habe einiges verpasst.» Um Familie und Laden unter einen Hut zu bringen, beschäftigten die beiden ein Kindermädchen. Jeden Sonntag aber unternahmen sie einen Ausflug. Und in den Sommerferien reiste Ana mit den Kindern in ihr Heimatland Kroatien. René Aeby brachte sie jeweils an einem Samstagmorgen hin und fuhr am Sonntag wieder zurück, damit er am Montag pünktlich im Laden stehen konnte. «Früher haben wir den Laden gar nie zugemacht», sagt er. Die letzten zwei Jahre jedoch blieb er mit seiner Frau zusammen im Sommer drei Wochen in Kroatien. «Die Verwandten wurden etwas unruhig, und fragten, wann ich denn endlich nach Hause fahre», sagt er und lächelt.

«Wir freuen uns, in Zukunft mehr reisen zu können», sagt Ana Aeby. Sie wollten auch mehr wandern und Velo fahren, fügt ihr Mann an. Das sei die letzten Jahre zu kurz gekommen. «Und Zeit mit unseren Grosskindern verbringen», sagt sie. Der erste Enkel ist dreijährig, der zweite kommt im November zur Welt – «pünktlich zur Ladenschliessung», sagt sie und lacht.

«Macht bitte weiter!»

Doch sie gehen mit einem lachenden und einem weinenden Auge. «Vermissen werden wir all unsere Kunden.» Einer davon platzt mitten im Gespräch in den Laden. Er öffnet die Türe und ruft: «Macht nicht zu! Macht bitte noch drei Jahre weiter!» Alle lachen, die Aebys wehmütig. René zeigt auf ein rosa Orchidee auf einem Regal und einen Blumenstrauss auf einem anderen: «Die sind von unseren Kunden.» Die freuten sich zwar auch für sie, dass sie jetzt mehr Zeit für sich hätten. Doch René und Ana Aeby und ihr Laden sind eine Institution im Burgquartier, die fehlen wird.

«Eine Familie hat jeweils den Hausschlüssel bei uns deponiert», erzählt René Aeby. «Wenn die Kinder von der Schule nach Hause kamen, sind sie bei uns den Schlüssel holen gekommen.» Und wahrscheinlich haben sie das gern getan. Wie auf Kommando kommen just in diesem Moment ein kleines Mädchen und ihr jüngerer Bruder in den Laden gestürmt. Ana begrüsst sie überschwänglich, verschwindet hinter einem Regal und kommt mit einer Packung Süssigkeiten wieder hervor. Sie gibt den beiden je drei Gummibärchen, plaudert mit ihnen, bevor sie sie wieder hinaus zur Mutter schickt.

Aber auch um die ältere Generation kümmern sich die Aebys. Ana erzählt von einer alten Dame, die jeweils nach dem Markt am Samstag zu ihnen einkaufen kam. «Sie ging an Stöcken und schob den Einkaufskorb mit dem Fuss vor sich her. René brachte ihr die Einkäufe am Montag vorbei.» Und nicht nur das. «Als er vorbeikam, fragte sie jeweils: René, könntest du mir nicht noch die Lampe wechseln? Und diesen Brief zur Post bringen?» René ­Aeby hat es natürlich gemacht. «Sie hatte eine Riesenfreude an René. Sie war sonst ganz allein.» Als die Dame ins Pflegeheim kam, besuchten sie die ­Aebys regelmässig. Und weil sie die Einzigen waren, beerdigten sie sie auch.

«Unseren treuen Kunden sind wir sehr dankbar», sagt René Aeby. Doch das Geschäft mit den Stammkunden reichte nicht für eine ausgeglichene Bilanz. «Als die Zähringerbrücke zuging, blieb Durchgangsverkehr aus. Die Kunden, die jeweils auf dem Heimweg bei uns einkauften, kamen nicht mehr.» Im vergangenen Jahr hatten die Aebys eine Baustelle vor dem Laden. «Es war so laut, wir konnten keine Bestellungen per Telefon mehr aufnehmen», sagt René Aeby. «Durch die Vibrationen fielen Flaschen aus den Regalen.» Laufkundschaft kam kaum mehr. «Und die Touristen kommen nicht zum Einkaufen», fügt Ana Aeby an. Sie hat das Pensionsalter noch knapp nicht erreicht, anders als ihr Mann.

Gibt es etwas, dass die beiden nicht vermissen werden? Langes Schweigen. Dann: «Nein. Wir haben immer sehr gerne hier gearbeitet.»

Zum Abschied laden René und Ana Aeby zu einem Apéro in ihrem Laden ein; am Samstag, 29. September, von 10 bis 13 Uhr.

«Wir gehen mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Alle unsere treuen Kunden werden wir sehr vermissen.»

Ana Aeby

Ladenbetreiberin

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