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Er hat fast 150 000 Franken abgezweigt

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Krawatte, Anzug, Poschettli, die grauen Haare gescheitelt. Laurent Passer ist gepflegt wie immer. Doch nichts mehr ist wie vorher. Er hat seine Arbeit verloren, seine Frau ist ihm davongelaufen, sein Ruf ist dahin. Laurent Passer war jahrelang Präsident der katholischen kirchlichen Körperschaft (kkK) und Präsident des Pfarreirats Christ-König in Freiburg. Er war ein angesehenes Mitglied der Kirche, jemand, auf den die Leute hörten. Bis auskam, dass er Geld abgezweigt hatte. Geld, das der Pfarrei gehörte.

«Es ging so einfach. Ich habe das aus Dummheit getan.»

Laurent Passer

Ehemaliger Präsident des Pfarreirats Christ-König

Passer war schon seit sechs Jahren Pfarreipräsident, als die Pfarrei im Jahr 2010 eine Kreditkarte anschaffte. Von da an bezahlte er persönliche Restaurantbesuche, Kleider und Schuhe, aber auch Hotelaufenthalte und Flugreisen mit der Kreditkarte. «Es ging so einfach», sagte Passer gestern vor dem Polizeirichter des Saanebezirks. Und: «Ich habe das aus Dummheit getan.» Ob er auf zu grossem Fuss gelebt habe, fragte Polizeirichter Alain Gautschi. «Ja, das kann man so sagen.»

Die Beträge wurden immer grösser, die der 53-Jährige für sich selber brauchte: Waren es von Oktober bis Dezember 2010 noch 420 Franken, waren es im Jahr 2011 bereits knapp 9000 Franken. In den beiden folgenden Jahren buchte er je rund 20 000 Franken über die Karte ab. Und in den Jahren 2014 und 2015 waren es bereits je knapp 50 000 Franken. Unter dem Strich kommt die Anklageschrift auf 147 000 Franken.

Die Buchhalterin der ­Pfarrei wusste, dass Passer die Kreditkarte für persönliche Auslagen benutzte. Im Oktober 2011 zahlte er knapp 7000 Franken zurück. Danach verbuchte die Buchhalterin die Ausgaben des Pfarreipräsidenten auf ein Konto, das den Namen «Attente» trug. Den Sold übertrug sie Ende des Jahres jeweils unter dem Eintrag «Abrechnung» auf das Konto «Andere Transitorische Aktiven». Nur dieses Konto erschien in der Bilanz. Laurent Passer präsentierte die Rechnung und das Budget jeweils der Finanzkommission der Pfarrei. Die transitorischen Aktiven legte er dabei nicht vor.

Alles flog auf, als im Dezember 2015 der Exekutivrat der katholischen kirchlichen Körperschaft als Kontrollorgan genauere Angaben zur Rechnung 2014 der Pfarrei einforderte: Dem Exekutivrat waren unter den Transitorischen Aktiven zwei Konti namens «Abrechnung» aufgefallen. Trotz mehrmaligen Anfragen antwortete Laurent Passer erst Mitte Januar – und gab zu, dass er selber der Schuldner war.

Kurz darauf zahlte er 30 000 Franken zurück. Ende Januar legte er sein Amt als Pfarreipräsident nieder und zahlte den gesamten Betrag, den er der Pfarrei schuldete, zurück. «Ein Angehöriger hat mir den Betrag geliehen», sagte er gestern vor Gericht.

Sein Anwalt Alexandre Emery und die stellvertretende Generalstaatsanwältin Alessia Chocomeli-Lisibach hatten sich auf ein vereinfachtes Verfahren geeinigt; in diesem handeln die beiden Parteien vor dem Gerichtstermin eine Strafe aus. Dafür gibt es keine Rekursmöglichkeit mehr.

Die stellvertretende Generalstaatsanwältin hat Laurent Passer der ungetreuen Geschäftsbesorgung angeklagt. Er erhält dafür eine bedingte Freiheitsstrafe von zwölf Monaten. Die Bewährungsfrist läuft über zwei Jahre. «Ihr Verhalten war nicht ungeschickt, sondern unehrlich», sagte Polizeirichter Alain Gautschi zu Passer. «Auch wenn Sie bei der Erziehungsdirektion gearbeitet haben und in der Kirche sehr aktiv waren, hinterlassen Sie bei mir kein gutes Bild.» Im Oktober erhält Laurent Passer noch Arbeitslosengeld. Danach wird er ausgesteuert.

Buchhalterin

Ein zweites Verfahren ist noch hängig

Während der Strafuntersuchung gegen Laurent Passer, den ehemaligen Pfarreipräsidenten der Stadtfreiburger Pfarrei Christ-König (siehe Haupttext), zeigten sich weitere Unregelmässigkeiten in der Pfarreikasse. Die Buchhalterin, die im Februar 2016 zurückgetreten ist, soll ebenfalls rund 30 000 Franken für persönliche Ausgaben genutzt haben. Das Verfahren gegen die Buchhalterin wurde vom Verfahren gegen Laurent Passer getrennt: «Es gab keine Mittäterschaft von Laurent Passer», sagte die stellvertretende Generalstaatsanwältin Alessia Chocomeli-Lisibach gestern den FN. Das Verfahren gegen die Buchhalterin sei sehr arbeitsintensiv. «Noch gibt es mehrere unklare Punkte.»

njb

 

Reaktion

Bischof setzt Finanzkontrolle für das Bistum ein

Der Bischof von Lausanne, Genf und Freiburg, Charles Morerod, rief im Februar 2016 einen Vermögensverwaltungsrat für die Bistumsfinanzen ins Leben, als Reaktion auf die Unregelmässigkeiten in der Pfarrei Christ-König. Das Gremium berät den Bischof in finanziellen und ökonomischen Fragen und gewährleistet die Kontrolle über die Finanzen des Bistums. Es soll Massnahmen und Empfehlungen ausarbeiten, die auf allen Ebenen des Bistums in finanziellen Angelegenheiten mehr Transparenz ermöglichen. Das Ziel sei, finanzielle Missstände aufzudecken und präventive Massnahmen zu erarbeiten; ausserdem sollen Schwachstellen im gegenwärtigen System eruiert werden.

njb

 

 

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