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Er lässt sich die Freude nicht nehmen

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«Die Stunde der Laien» heisst der Titel eines Buches, das Leo Karrer 1999 veröffentlicht hat. Es gilt heute als ein Standardwerk zu einer Theologie der Laien. Darin spricht er «von der Würde eines namenlosen Standes». Der Pastoraltheologe hat sich schon früh für die Laien eingesetzt und gilt als ihr Nestor.

Stephanie Klein, Professorin für Pastoraltheologie an der Universität Luzern, hebt die Bedeutung Karrers für die Wissenschaft hervor: «Leo Karrer hat die Pastoraltheologie als Wissenschaft massgeblich geprägt. Sein Ansatz auf der Grundlage der Theologie des Zweiten Vatikanischen Konzils und der Nationalen Synoden ist es, von den Menschen und ihrer Erfahrung her nach Gott zu fragen und Theologie zu entwickeln.» Die durch das Konzil angestossene Entwicklung des neuen Berufsstands «Pastoralassistent» habe er von Beginn an begleitet und durch seine Theologie das neue Selbstverständnis der Laientheologen unterstützt.

Auch in der Schweiz wurde Karrer zum Förderer derselben. 1978 wurde er durch den Basler Bischof Anton Hänggi als Bischöflicher Personalassistent ins Personalamt berufen. Karrer war der erste Laientheologe im Personalamt und auch im Ordinariat. Von 1982 bis 2008 war er Professor für Pastoraltheologie an der Universität Freiburg. Stephanie Klein betont: «Leo Karrer hat ganzen Generationen von Studierenden das Rüstzeug für eine solide pastoraltheologische Reflexion und praktische Arbeit mitgegeben. Es war ihm ein Anliegen, kirchliche Selbstgenügsamkeit und Enge zu überwinden und über den eigenen Kirchturm hinauszudenken.»

Mann der Tat

Der Jubilar ist auch ein Netzwerker und Mann der Tat, wie Erwin Koller, Theologe und ehemaliger Leiter der «Sternstunden» von Schweizer Fernsehen SRF, vielfach miterleben konnte: 1987 lancierte Karrer die Idee einer «Tagsatzung» der katholischen Kirche in der Schweiz mit dem Ziel, alle ihre relevanten Kräfte zu versammeln. Sein Engagement für die Kirche Schweiz hat er jedoch stets mit dem Blick über alle Grenzen hinaus verbunden. Auch die «Katholischen Dialoge», die bis heute im Romero-Haus in Luzern durchgeführt werden, hat er mitgetragen.

Koller erinnert an die Überzeugung Karrers, dass Praktische Theologie nur auf der Grundlage einer soliden Theorie betrieben werden könne – und dass umgekehrt erst in der Begegnung mit den Menschen erkennbar wird, was eine Theologie wert sei. Deshalb seien für Karrer die Einleitungssätze von «Gaudium et spes» auch der «Notenschlüssel» zum Verständnis des Konzils und des kirchlichen Handelns in der Gegenwart: «Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi. Es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen seinen Widerhall fände.»

Seelsorger und Mentor

Während vieler Jahre habe er sich als Mitglied der damaligen Diözesanen Fortbildungskommission für eine fundierte Weiterbildung der Seelsorger engagiert, sagt Marco von Arx vom Basler Generalvikariat. «Sein offenes Herz, sein Mitgehen und Mitfühlen an der Lebensgeschichte seiner Mitmenschen zeichnet ihn ganz besonders aus. Und so ist er neben all seiner wissenschaftlichen Tätigkeit immer auch Seelsorger geblieben.»

Leo Karrers Abschiedsvorlesung an der Universität Freiburg im Jahr 2008 trug den Titel: «Auch im Winter wächst das Brot». Es ist ein Plädoyer gegen Mutlosigkeit und Resignation in der Kirche. Denn Karrer sagte einmal: «Ich lasse mir die Freude an der Kirche nicht nehmen!»

Zur Person

Der «Nestor der Laientheologen»

Der Röschenzer Leo Karrer (geboren 1937) stand ab 1969 im kirchlichen Dienst als vom Bischof beauftragter Mentor der in Münster studierenden Laientheologen. Zudem war er wissenschaftlicher Assistent von Karl Rahner. Von 1982 bis 2008 war Karrer Professor für Pastoraltheologie an der Universität Freiburg. Der Herbert Haag-Preisträger war auch in wissenschaftlichen Organisationen tätig: 1993 bis 2001 Vorsitzender der Konferenz der deutschsprachigen Pastoraltheologen und von 2001 bis 2004 Präsident der Europäischen Gesellschaft für Katholische Theologie.

kath.ch

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