Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

«Er liess sich nicht katalogisieren»

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Ihr Mann sei kein Meister der Ordnung gewesen, sagte Nicoletta de Diesbach, Witwe des bekannten Freiburger Journalisten Roger de Diesbach, gestern vor den Medien. Seine Unterlagen zu Recherchen, seine Notizen, seine Briefe und E-Mails zu sortieren und zu archivieren, habe deshalb viel Zeit gebraucht. «Jetzt bin ich stolz, das Archiv vorstellen zu können.»

Roger de Diesbach war ein engagierter Journalist, der für gründliche Recherchen und kritischen Journalismus plädierte. Von 1996 bis 2004 war er Chefredaktor der Zeitung La Liberté. Er musste diesen Posten aufgrund eines Krebsleidens aufgeben. 2009 verstarb er 65-jährig.

222 Archivschachteln

Nach seinem Tod baten seine Journalistenkollegen Nicoletta de Diesbach, die Unterlagen ihres Mannes anderen zugänglich zu machen. Sie kam in Kontakt mit dem Historiker Jean Steinauer und mit dem Freiburger Staatsarchiv. Nicoletta de Diesbach übergab die Dokumente dem Archiv, dieses klassierte und inventarisierte den Bestand. Jahrzehnte journalistischer Arbeit befinden sich nun eingereiht in 222 Ordner auf 27 Laufmetern, wie Staatsarchivar Alexandre Dafflon sagte. Die Arbeit habe fünf Jahre gedauert, da das Archiv dafür kein zusätzliches Personal engagieren konnte.

Der Bestand von Roger de Diesbach ist in drei Teile gegliedert: Der erste Teil besteht aus Recherchedossiers für sein Informations- und Recherchebüro BRRI, das er in Rossens gegründet und geführt hatte. Der zweite Teil–mit 183 Archivschachteln der grösste–beinhaltet persönliche Recherchen von de Diesbach zu verschiedensten Themen. Der dritte Teil sind neun Archivschachteln gefüllt mit persönlichen Dokumenten des Journalisten: Reisetagebücher, Notizen, Briefe.

Überblick gibt ein sogenanntes Repertoire. Es listet auf, was zu den verschiedenen Themen vorhanden ist. Ein Beispiel: Zum Thema Ruanda gibt es verschiedene Unterkapitel, eines davon heisst «Genozid in Ruanda». Dazu gibt es Unterlagen zur Rolle Frankreichs, zu einem angeklagten belgischen Priester, Leserbriefe und Notizen.

Das Archiv soll nun Historikern, Journalisten und Studenten offenstehen. Wer es konsultieren will, braucht jedoch die Erlaubnis der Familie. So sollen de Diesbachs Quellen geschützt werden: Journalisten geben bei heiklen Themen nicht preis, woher sie ihre Informationen haben.

Nicht alles archivieren

«Nun gibt es 222 Archivschachteln zu einem Journalisten, der sich nie katalogisieren liess», sagte Louis Ruffieux, Chefredaktor der La Liberté und Nachfolger von de Diesbach. «Wer seine Dokumente untersucht, wird sehen, mit wie viel Geduld und Leidenschaft er arbeitete und recherchierte.» Doch etwas liesse sich nicht archivieren, sagte Ruffieux. «Sein Lachen, wenn man eine gute Geschichte recherchiert hatte, sein Schulterklopfen, seine Menschlichkeit.»

Archivschachteln mit Dokumenten von de Diesbach. Bild Staatsarchiv, zvg

Zur Person

Ein investigativer Journalist

Roger de Diesbach wurde 1944 in Bern geboren. 1969 begann er seine Karriere beim Journal de Genève und setze sie bei der Schweizerischen Depeschenagentur fort. Von 1976 bis 1986 wirkte er als Bundeshauskorrespondent der Tribune de Lausanne (später Le Matin). 1986 gründete er das Informations- und Recherchebüro BRRI, das Schweizer Medien mit Reportagen belieferte. Als dieses 1993 aus finanziellen Gründen schliessen musste, arbeitete er für das Journal de Genève, bevor er 1996 Chefredaktor der Freiburger La Liberté wurde. Roger de Diesbach war ein Pionier des investigativen Journalismus, seine bevorzugten Themen waren die Aussenpolitik der Schweiz, die Entwicklung der Dritten Welt, Afrika oder Umweltfragen. 2007 publizierte er das Buch «Presse futile, presse inutile». Roger de Diesbach starb 2009 an Krebs. Er war verheiratet und Vater von drei Söhnen.mir

Mehr zum Thema