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Er lotet alle Facetten des Pilgerns aus

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Als Michael Schaar 21-jährig war, hörte er viel vom «Camino de Santiago». Als ihn ein Studienfreund anfragte, ob er mit ihm eine Pilgerreise machen möchte, sagte er sofort zu. Michael Schaar wollte herausfinden, ob das etwas für ihn ist. So pilgerte er mit ihm während zehn Tagen auf der «Via Baltica» von Swinemünde in Polen bis nach Lübeck. Da er zu viel Gepäck mitgenommen hatte, schickte er auf dem Postamt in Usedom gleich das erste Paket nach Hause. Das tiefe Erlebnis aber, die Stille und Ruhe zu verbinden mit dem Gehen in freier Natur, das liess ihn seither nicht mehr los. Diese Erfahrung möchte der 40-Jährige heute anderen Menschen weitergeben. Seit letztem Herbst als Leiter des Pilgerzentrums St. Jakob in Zürich.

«Ein Heimatort für viele»

Seinen Arbeitsort, die Offene Kirche St. Jakob, kennt er schon aus seiner Ausbildungszeit. Hier absolvierte Michael Schaar sein Vikariat. 2005 zog er mit zwei Koffern in die Schweiz. Neben seinem Engagement im Pilgerpfarramt der reformierten Zürcher Landeskirche arbeitet er auch in der Kirchgemeindearbeit in Zürich-Aussersihl und als Co-Leiter eines Theologiekurses der Landeskirche. Der reformierte Theologe empfindet es «als ein Privileg, mit Menschen aus der ganzen Schweiz beim und durch das Pilgern zusammenzukommen». Seine Gemeinde beschreibt er als eine, die mit ihm auf dem Weg ist. Michael Schaar weiss: «Für viele Pilgerinnen und Pilger ist der Offene St. Jakob zu einem Heimatort geworden.»

Im Pilgerpfarramt greift ihm Brigitte Vuichard, Sekretärin und Assistentin im Pilgerzentrum, unter die Arme. Er habe, wie er betont, «grosse Lust, für bestimmte Zielgruppen neue Formate zu entwickeln, dies auch gemeinsam mit den Pilgerinnen und Pilgern». Seine Ideen finden Niederschlag in einem breit gefächerten Programm.

Exil, Migration und Integration

Zum Reformationsjubiläum bietet das Pilgerzentrum in diesem Jahr ein Tagespilgern auf dem Hugenotten- und Waldenserpfad an. Der Weg begann Ende Januar in Genf und endet Mitte November in Schaffhausen. Gemeinsam mit Interessierten pilgerte Michael Schaar auf diesem Pfad durch die Schweiz. «Mit diesem Pilgerweg wollen wir an das Schicksal der reformierten Glaubensflüchtlinge erinnern und uns persönlich mit Themen wie Exil, Migration und Integration befassen», sagt Michael Schaar.

Unlängst begleitete er die Etappe von Killwangen-Spreitenbach  AG nach Zürich. Sie führte die Pilger auch am Kloster Fahr vorbei, wo sie in der St.-Anna-Kapelle Abendmahl feiern konnten. «Auf dem Kloster-Fahr-Weg in die Stadt Zürich hinein erlebten wir dennoch viel Natur. Uns kamen sogar Hängebauchschweine entgegen, die irgendwo ausgerissen waren», erzählt er. Wer Schaar zuhört, merkt, wie wichtig ihm das Tagespilgern ist. «Man kann auch vor der eigenen Haustür pilgern», ist er überzeugt.

Pilgern nach der Arbeit

Ein niederschwelliges Angebot ist das «After-Work-Pilgern». Gedacht ist es für Leute, die nach dem Arbeitstag während 90  Minuten an gastliche Orte in Zürich geführt werden und dabei den Kopf freibekommen möchten. Der Deutsche mag diese Form von Kurzpilgern, die mit Achtsamkeitsübungen verbunden ist. Besonders freut sich Michael Schaar, dass sich eine ehemalige Konfirmandin an der Durchführung des Angebots beteiligt.

Viermal im Jahr wird in Stille unter dem Stichwort «LAufmerksamkeit» von der St.-Jakob-Kirche aus in einer Tageswanderung zum Kloster Kappel, einem ehemaligen Zisterzienserkloster in Kappel am Albis  ZH, gepilgert. Und am 20. Mai fand in diesem Jahr erstmalig ein schweizweiter Pilgertag statt, der unter dem Motto «Immer der Muschel nach» stand. Auf allen 46 Streckenabschnitten des schweizerischen Jakobswegs gleichzeitig begleitet zu pilgern, das war dabei die Intention. Immer wieder stellt Michael Schaar fest, dass er mit Menschen unterwegs ist, die den Draht zur Kirche verloren haben, aber durch das Pilgern wieder einen neuen Zugang zu ihr bekommen. Gerade für diese Menschen, sagt er, wolle er Seelsorger sein, weil er bei ihnen den Wunsch nach etwas «Grösserem» spüre.

«Aus der Erstarrung»

Ein weiteres besonderes Angebot ist «Pilgern für Trauernde». Trauernde, die einen nahen Menschen verloren haben, konnten mit Michael Schaar in diesem September auf dem Harzer Klosterweg in Deutschland während sieben Tagen pilgern. Dieses Angebot wird auch 2018 durchgeführt. Das Trauerpilgern ist für ihn eine wichtige Aufgabe: «Trauernde aus der Erstarrung in die Bewegung – äusserlich und innerlich – zu begleiten, und dann die Wandlung zu erleben: Das ist für mich ein wertvolles Geschenk», sagt Schaar. Er bot dabei mit Andachten, Meditationen, Gebetszeiten und der Möglichkeit zu Einzelgesprächen verschiedene Formen der Trauerverarbeitung an. Das Trauerpilgern führte er gemeinsam mit Regula Würth durch, einer katholischen Seelsorgerin und Leiterin von «Exerzitien im Alltag» aus St. Gallen. Der Pilgerpfarrer betont: «Diese Pilgerreise ist keine Therapie-Sitzung. Im Gegenteil: Sie ist eine Geburtshilfe für ein neues Leben.» Schaar, der im letzten Jahr seinen Vater verloren hat, hat selbst die Erfahrung gemacht, wie heilsam es ist, gemeinsam mit anderen Trauerarbeit zu machen und dabei pilgernd zu Fuss unterwegs zu sein.

«Der Weg im Mittelpunkt»

An den Touren des Pilgerzentrums Offener St. Jakob nehmen mehrheitlich Reformierte teil, aber auch Katholiken und Konfessionslose sind mit auf dem Weg. Gibt es Unterschiede zwischen katholischen und reformierten Pilgern? Reformierte, beobachtet Michael Schaar, pilgern weniger zu Reliquien oder Gräbern. Ablass und Busse spielen auch in seinem Pilgerkonzept keine Rolle. «Nach reformiertem Verständnis steht vielmehr der Weg im Mittelpunkt und das, was er mit dir macht», betont er.

Als Pilgerleiter sei es ihm wichtig, mit anderen unterwegs praktische Erfahrungen zu machen. Wegzukommen von der reinen Wissensvermittlung. Bei einem Misthaufen am Wegrand beispielsweise könne der Mist im eigenen Leben das Thema sein. Auch ein Kreuzgang, in dem sich Licht und Schatten abzeichnen. Michael Schaar unterstreicht: «Es ist wichtig, dass man solche Themen eines Weges aufgreift und als Impulse setzt für die Gruppe, mit der man unterwegs ist.»

«Trauerpilgern ist Geburtshilfe für neues Leben.»

Michael Schaar

Pilgerpfarrer

«Man kann auch vor der eigenen Haustür pilgern.»

Michael Schaar

Pilgerpfarrer

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