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Erdbeben unter dem Kartenhaus

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Erdbeben unter dem Kartenhaus

Der «Fall Grossrieder» ist definitiv ein «Fall Lamon» geworden

Eigentlich war die Prostituierte D. dazu auserkoren, um den früheren Chef der Freiburger Drogenfahndung zu belasten. Nachdem sie am Donnerstag vor dem Strafgericht des Saanebezirks ausgesagt hatte, standen Paul Grossrieders Chancen auf einen Freispruch aber so gut wie noch nie.

Von JOHANNES HOFSTETTER

Ausgerechnet die Dirne D. hat den Angeklagten Paul Grossrieder am zweiten Tag des Freiburger «Prozesses des Jahres» entlastet. Nach ihren Ausführungen hat sich die Vermutung erhärtet, dass der frühere Chef-Drogenfahnder in der ganzen Affäre eher eine Opfer- denn eine Täterrolle spielt.

Befragt von Gerichtspräsident Peter Rentsch, Grossrieders Anwalt André Clerc und der zu jenem Zeitpunkt noch anwesenden Staatsanwältin Anne Colliard Arnaud gab D. freimütig zu, in sämtlichen Befragungen, die Untersuchungsrichter Patrick Lamon, dessen Kollege Jacques Reyroud und – zum Teil – Polizeikommandant Pierre Nidegger geführt hatten, gelogen zu haben.

Monatelang unter Druck

«Ich musste lügen, weil mich Lamon sonst unweigerlich noch länger unter Druck gesetzt hätte», rechtfertigte D. ihre Falschaussagen. Die junge, ziemlich selbstsicher und vor allem glaubwürdig wirkende Frau erklärte sodann, wie sie vor allem von Lamon dazu gezwungen worden war, zuungunsten Paul Grossrieders auszusagen: «Ich wurde monatelang in Einzelhaft gesteckt, hatte keinen Kontakt zur Verwandt- und Bekanntschaft, durfte keinen Anwalt sehen und bekam von Lamon immer wieder zu hören, dass er notfalls auch meine Mutter in U-Haft stecken würde, falls ich nicht so aussagen würde, wie er wolle.»

Aus diesem Grund – und um endlich aus dem Wirklichkeit gewordenen Alptraum erwachen zu können – habe sie schliesslich damit begonnen, Lamon die von ihm gewünschten Lügen aufzutischen. «Es ging ihm immer nur darum, etwas gegen Paul Grossrieder in der Hand zu haben.» In der Folge habe sie wohl oder übel «gestanden», dass Grossrieder gratis sexuelle Kontakte mit Prostituierten gepflegt habe, um ihnen im Gegenzug Straffreiheit zuzusichern.

Gestimmt habe aber kein Wort.

Auf die von Gerichtspräsident Peter Rentsch, Grossrieder-Verteidiger André Clerc und Staatsanwältin Anne Colliard gestellte Frage, wieso sie nicht früher die Wahrheit gesagt habe, hatte D. eine plausible Antwort parat: «Ich konnte erst aufhören zu lügen, nachdem ich im letzten Herbst verurteilt worden bin. Vorher hatten mich Lamon und Reyroud in der Hand und hätten mich noch ewig zu irgendwelchen Falschaussagen gegen Paul Grossrieder anstiften können.»

Lamon, führte die Zeugin weiter aus, ging aber noch weiter: Um Freiburger Polizeibeamte diskreditieren zu können, habe er eine ganze Anzahl von Prostituierten vorgeladen, um ihnen Bilder von Kripo-Mitgliedern zu zeigen, die ohne ihr Wissen von ihnen gemacht worden waren. «Aber keine meiner Kolleginnen konnte bestätigen, dass auch nur einer der Beamten irgendwelche sexuellen Kontakte mit ihnen gehabt hätte.»

Vom Untersuchungsrichter
weichgekocht

Was die (gestern «krankheitshalber» nicht vor Gericht erschienene) Prostituierte Z. anbetrifft, so stellte ihre frühere Kollegin D. fest, dass sie «nur säuft wie ein Loch und pausenlos Mist erzählt». Dass Grossrieder, wie von Z. behauptet, mit Z. im Bett gewesen sein soll, konnte sich D. nicht vorstellen.

Abgesehen davon, fügte D. an, habe sie persönlich rein gar nichts gegen den Ex-Chef der Freiburger Drogenbrigade: «Das habe ich Herrn Lamon zwar x-mal erzählt, aber er wollte partout, dass ich Grossrieder irgendetwas anhänge.» Nachdem sie vom Untersuchungsrichter lange genug weichgekocht worden war, habe sie Protokolle ohne sie gegenzulesen unterschrieben und Belastendes vorgebracht, das mit der Wahrheit nicht im Entferntesten etwas zu tun gehabt habe.

Die Frage, ob es von den vermeintlichen Sexualkontakten von Paul Grossrieder mit der Dirne Z. irgendwelche Videoaufzeichnungen gäbe, beantwortete D. mit einem trockenen Lachen: «In ihrem Salon gab es keine einzige Möglichkeit, die Kunden zu filmen. Abgesehen davon lügt Z. seit jeher wie gedruckt. Ich frage mich heute noch, wieso die Freiburger Untersuchungsbehörden von Pontius zu Pilatus und bis nach Österreich rannten, um ein Videoband zu suchen, das Grossrieder beim Geschlechtsverkehr mit Z. zeigen solle.»

Anklageberg schrumpft

Nach der Aussage der Dirne D. konnten Paul Grossrieder und sein Anwalt einen (weiteren) Punktesieg feiern. Sollte sich bestätigen, was die Frau am Donnerstag ausgesagt hat, bliebe von dem ursprünglich turmhohen Anklageberg nur noch ein Häufchen übrig.

Grossrieder, der sich noch bis am 4. Juli wegen sexuellen Handlungen mit Beschuldigten, Begünstigung, Sich-bestechen-Lassens und Amtsgeheimnisverletzung vor Gericht zu verantworten hat, kann dem weitern Prozessverlauf gelassen entgegenblicken: Nachdem ihn die Hauptbelastungszeugin zu hundert Prozent entlastet hat, droht das ohnehin schon wacklige Kartenhaus der Anklage endgültig in sich zusammenzustürzen.

«Prozess verläuft
wie geplant»

André Clerc, der Verteidiger von Paul Grossrieder, liess sich auch nach dem überraschenden Abgang der Staatsanwältin nicht aus der Ruhe bringen – im Gegenteil. Der Eklat war für ihn und seinen Mandanten ein Beweis mehr dafür, dass im Freiburger Justizsystem bei weitem nicht alles so funktioniert, wie es eigentlich sollte.

Mit ANDRé CLERC sprach
JOHANNES HOFSTETTER

Wie viel würden Sie, Herr Clerc, nach den ersten zwei Prozesstagen auf einen Freispruch Ihres Klienten Paul Grossrieder wetten?

Es wäre wohl ziemlich zynisch, wenn ich diese Frage beantworten würde. Fest steht, dass Herr Grossrieder und ich überzeugt sind, auf dem richtigen Weg zu sein.

Wie beurteilen Sie den bisherigen Prozessverlauf?

Die Sache läuft genauso, wie ich es erwartet hatte.

Auch wenn Staatsanwältin Anne Colliard ihr Mandat niedergelegt hat?

Ja, auch dann. Die Anwesenheit der Staatsanwaltschaft ist in diesem Prozess, der unzählige Schwächen des Freiburger Justizsystems ans Tageslicht bringt, nicht zwingend notwendig.

Haben Sie in Ihrer Karriere schon einmal erlebt, dass die Vertretung der Staatsanwaltschaft mitten in der Verhandlung davonläuft?

Nein, noch nie (schmunzelt). Dass Rechtsanwälte ihre Mandate während eines Prozesses deponierten, ist allerdings auch im Kanton Freiburg schon öfter passiert.

Sie haben das bei der letzten CannaBioland-Verhandlung ja ebenfalls getan . . .

Eben; das kann halt vorkommen.

Die Staatsanwaltschaft hat kapituliert

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