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Es bleibt noch viel zu erforschen

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Krankheit und Medizin beschäftigen die Menschheit seit jeher. Der 41-jährige Historiker Alain Bosson ist einer der wenigen, der einen Blick auf die Geschichte der Medizin in Freiburg wirft. Kürzlich hat er ein biografisches Lexikon mit 1200 Porträts von Freiburger Ärzten aus dem 14. bis Mitte des 20. Jahrhunderts veröffentlicht.

«Heilung hatte viel mit Magie zu tun»
Anton Jungo
Im Rahmen seiner Lizentiatsarbeit an der Universität Freiburg erforschte der Historiker Alain Bosson die freiburgische Medizingeschichte des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er zog in seine Arbeit alle öffentlich zugänglichen Quellen ein: Berichte der Gesundheitsdirektion, die offiziellen Dossiers der Ärzte und auch Zeitungsberichte. Für seine Master-Arbeit an der Universität Lyon weitete er seinen Forschungsgegenstand aus. In den letzten Jahren hat er zudem verschiedene Artikel zu medizinhistorischen Einzelthemen veröffentlicht.
Wie der 41-Jährige in einem Gespräch mit den Freiburger Nachrichten erklärt, kam in den vergangenen 15 Jahren eine riesige Menge an Informationen zusammen. Frucht dieser Forschungsarbeit ist das kürzlich erschienene Werk «Docteur! Dictionnaire des médecins fribourgeois».
Neben verschiedenen Aufsätzen enthält das Werk ein biografisches Lexikon mit rund 1200 Porträts von Freiburger Ärzten. Der Dictionnaire umfasst den Zeitraum von 1311 bis 1960. «Die Ärzteliste seit 1800 ist praktisch vollständig», betont Alain Bosson.
Es bleibt noch viel zu erforschen
Für den Zeitraum davor sei die Bearbeitung der Quellen sehr schwierig und aufwendig. So müsste z. B. die rund 770 m lange Reihe von Notariatsregistern, die im Staatsarchiv aufbewahrt werden, nach Hinweisen abgesucht werden.
Alain Bosson zeigt sich erstaunt darüber, dass sich nicht mehr Studierende mit der Geschichte der Medizin beschäftigen. Von Fragen der Gesundheit und Medizin sind alle Menschen betroffen.

Wo liegen die Anfänge der medizinischen Versorgung in Freiburg?
1311 wird in schriftlichen Quellen Pierre Azon als Stadt-Physikus (Stadt-Arzt) von Freiburg erwähnt. Er war vielleicht nicht der erste Arzt in Freiburg, doch der erste dokumentierte. Er war auch von seiner Herkunft her Freiburger. Man weiss nicht, wo er seine Studien gemacht hat, doch ohne Studium wäre er nicht zum Stadt-Arzt ernannt worden.
Die Aufgabe des Stadt-Physikus bestand darin, die Armen zu betreuen. Er musste bei Epidemien Stellung beziehen – eine wichtige Aufgabe, da es damals immer wieder zu Pestzügen kam.

Wie war die Situation auf dem Land?
Man darf davon ausgehen, dass zum Verantwortungsbereich des Stadt-Physikus auch die sogenannte alte Landschaft gehört. In andere Städten wie Estavayer oder Bulle gab es vermutlich ähnliche Funktionen. Die Quellen müssten aber überprüft werden.

Woher kamen die Ärzte in dieser frühen Zeit?
Das Amt des Stadt-Physikus war eigentlich eine Einrichtung deutscher Städte. Es ist deshalb nicht erstaunlich, dass es auch in der Zähringer-Gründung Freiburg anzutreffen ist. Oft wurden die Ärzte in Deutschland geholt.

Trifft es zu, dass unter ihnen viele Juden waren?
Aus dem 14./15. Jahrhundert sind in Freiburg mindestens sechs jüdische Ärzte bekannt. Viele stammten aus dem Elsass oder dem Rheinland und hatten in Strassburg studiert. Sie wurden Bürger der Stadt Freiburg und konnten ihren Beruf ungestört ausüben.
Schlecht erging es dem jüdischen Arzt Abraham de Yenna. Er wurde 1428 – aus unbekanntem Grund – Kopf gegen unten bei lebendigem Leib verbrannt. Es kam vor, dass man in einem jüdischen Arzt den Sündenbock für den Ausbruch der Pest suchte.

Kann man etwas sagen über die Krankheiten, welche
von den Ärzten behandelt wurden?
Der Stadt-Physikus griff vor allem bei Pestfällen ein. 1349 hat ein riesiger Pestzug 40 bis 50 Prozent der Stadtbevölkerung dahingerafft. Alle 30 bis 40 Jahre gab es wieder eine Pestwelle.
Man darf sich die medizinische Behandlung nicht wie jene von heute vorstellen. Vor allem die Reichen gingen zum Arzt. Er konnte Aussagen über die Art der Erkrankung machen und beurteilen, ob der Kranke überlebt. Heilend eingreifen konnte er kaum. Die Prognosen waren aber wichtig für die Regelung der Erbschaft und für die Vorbereitung auf den Tod.
Erst ab dem 18. Jh. begann man, den Arzt zu konsultieren, um sich helfen zu lassen. Die grosse Wende trat dann im 20. Jh. ein.
Heilung hatte früher viel mit Magie zu tun. Man machte Wallfahrten und hatte für jede Krankheit einen helfenden Heiligen. Man holte sich auch Rat bei alten Leuten.

Gab es gesetzliche Bestimmungen zur Medizin?
Die älteste bekannte Vorschrift ist eine allgemeine Verordnung des Bürgerspitals und stammt aus dem Jahr 1335. Eine weitere Bestimmung ist aus dem Jahr 1472 bekannt, wo es verboten wurde, Tote in der Kirche aufzubahren.
1803 wurde ein eigentliches Gesundheitsgesetz erlassen. Aus der Zeit davor sind vor allem Dekrete bekannt.
Seit 1748 gibt es eine «medizinische Fakultät» der Stadt Freiburg. Sie hatte aber nichts mit der medizinischen Ausbildung im heutigen Sinn zu tun. Es war vielmehr eine Kommission, die prüfte, ob ein Arzt, der in Freiburg praktizieren wollte, auch tatsächlich Medizin studiert hatte. Sie erteilte die Erlaubnis zum Praktizieren.

Weiss man, wann in Freiburg die ersten chirurgischen Eingriffe vorgenommen wurden?
Die grösste medizinische Revolution war wohl die Einführung der Anästhesie 1846 in Amerika; zuerst mit Äther und später mit Chloroform. Innerhalb von rund vier Jahren hat sich die Medizin total verändert. Man sprach von einem eigentlichen Wunder der Medizin. Endlich konnte der Arzt nicht nur Prognosen stellen, sondern auch tatsächlich helfen.
Die neue Operationstechnik drang sehr rasch bis nach Freiburg vor (vgl. Kasten). Operiert wurde nicht im Spital, sondern in der Praxis des Arztes oder zuhause beim Patienten.
Die Chirurgen waren oft sehr wagemutig. Man verabreichte aber allen Patienten die gleiche Dosis, was zu vielen Todesfällen führte. Viele Tote gab es auch nach der Operation wegen Infektionen. Operationen im Innern des Körpers waren noch nicht möglich.
Seit wann kann man von einer eigentlichen medizinischen Versorgung in Freiburg sprechen?
Von einer umfassenden medizinischen Versorgung kann man erst nach dem zweiten Weltkrieg sprechen. Seit dieser Zeit sind dafür alle Voraussetzungen gegeben: eine geeignete Infrastruktur, wirksame Medikamente sowie die Krankenversicherung.

Wo machten die Freiburger Ärzte ihre Ausbildung?
Unabhängig von der Sprache studierten die Freiburger Ärzte bis ins 18. Jh. vor allem in Frankreich; in Paris, Montpellier und Strassburg. Ab dem 19. Jh. gingen sie nach Deutschland: Würzburg, Freiburg im Breisgau, Ingoldstadt/Landshut.
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