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«Es braucht Empathie und Autorität»

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Michel Jungo hat das Asylzentrum in Wünnewil geleitet und wird auch die Unterkunft in Düdingen führen, welche heute als Ersatz für Wünnewil eröffnet wird. 170 Frauen und Männer aus 36 verschiedenen Staaten durchliefen das Zentrum in Wünnewil im vergangenen Jahr. Jungo war verantwortlich für das Zusammenleben dieser Menschen und führte gleichzeitig ein Betreuerteam bestehend aus sieben Personen. In seine Zuständigkeit fiel auch die Zusammenarbeit mit den Behörden und der Polizei. Im Gespräch mit den FN spricht der 31-jährige Sensler über die Herausforderungen seiner Aufgabe und über Solidaritätsbekundungen, welche die Asylsuchenden in Wünnewil erfahren haben.

 

 Michel Jungo, Ihre Aufgabe scheint keine einfache zu sein. Welche Eigenschaften sind wichtig für Ihren Beruf?

Es braucht viel Geduld, organisatorisches Talent, Feingefühl und auch Empathie, um sich in die Situation der Asylsuchenden hineinversetzen zu können. Gleichzeitig sollen die Asylsuchenden auch merken, wer die Verantwortung trägt und dass sie sich an Regeln halten müssen. Dafür braucht es Autorität und Durchsetzungsvermögen.

 

 Können Sie konkrete Situationen nennen, in denen Ihnen diese Eigenschaften geholfen haben?

Asylsuchende haben oft Vorstellungen und Hoffnungen, wenn sie in die Schweiz einreisen, die sich dann nicht bewahrheiten. Sie sind beispielsweise nicht zufrieden mit dem Essen oder der Unterkunft. An uns Betreuern ist es zu spüren, dass die Unzufriedenheit vielleicht eine tiefer greifende Ursache hat. Häufig gibt es Konflikte unter den Asylbewerbern. Wir sind dafür da, diese zu diskutieren und Lösungen zu finden. Eine Herausforderung war zum Beispiel die Zeit des Ramadans. Die muslimischen Bewohner blieben in der Nacht lange auf, was die anderen beim Schlafen störte. Es brauchte Regeln, um die Situation zu klären.

 

 Sind Sie und die anderen Betreuer auch eine Art Psychologen?

Manchmal. Die Situation der Asylbewerber ist in persönlicher und wirtschaftlicher Hinsicht schwierig. Sie wollen wissen, wie es mit ihnen weitergeht. Wir hören ihnen zu und versuchen, soweit es geht, Antworten zu geben.

 

 Die Asylbewerber kommen mit ihren Sorgen und Fragen zu Ihnen–wie schwierig ist es, trotz dieser Nähe Distanz zu wahren?

Das Thema Nähe und Distanz ist zentral. Jeder Betreuer muss einen eigenen Zugang zu den Asylsuchenden finden und gleichzeitig lernen, sich wieder abzugrenzen. Dafür muss man sich selbst gut kennen. Es ist klar, dass es manchmal traurige Momente gibt, zum Beispiel wenn ein Asylsuchender gehen muss. Aber das gehört zum Alltag in einem Asylzentrum.

 

 Ist das Finden der Balance zwischen Nähe und Distanz das Schwierigste an Ihrem Job?

Nein, nicht für mich. Als Zentrumsleiter trage ich die Verantwortung für den gesamten Betrieb. Das kann sehr belastend und stressig sein. Damit umzugehen ist für mich die grösste Herausforderung.

 

 Trotz Stress und Verantwortung: Was reizt Sie an Ihrer Aufgabe?

Das interkulturelle Umfeld ist spannend. Es ist interessant zu sehen, wie unterschiedlich Menschen mit verschiedenen Hintergründen auf Situationen reagieren. Es zeigt mir auch auf, dass wir gewisse Sachen anders machen könnten.

 

 Unter anderem wegen dieser Andersartigkeit sind die Vorurteile gegenüber Asylsuchenden in der Bevölkerung relativ gross. Bekommen Sie das in Ihrer Arbeit zu spüren?

Nicht so, dass es meine Arbeit massgeblich beeinflussen würde. Ich kann auch nachvollziehen, dass die Leute gewisse Ängste und Vorurteile haben. Diese müssen wir ernst nehmen. In Wünnewil haben wir jedoch sehr viele Solidaritätsbekundungen erfahren.

 

 Zum Beispiel?

Die Begleitgruppe der Gemeinde hat sich sehr engagiert, und das Interesse der ganzen Bevölkerung war enorm, das hat sich am Tag der offenen Tür gezeigt. Immer wieder haben auch Leute Kleider vorbeigebracht. Oder ein Asylsuchender ging jeden Morgen draussen spazieren. Dabei hat er sich mit einem alten Mann angefreundet, obwohl sie nicht dieselbe Sprache sprechen. Ein anderer Asylsuchender hat im Dorf eine Frau nach einer Übersetzung gefragt. Diese ist Deutschlehrerin und gibt dem Mann jetzt privat einen Sprachkurs.

 

 Denken Sie, dass sich in der Stadt eine ähnliche Solidarität entwickeln könnte?

In der Stadt ist sicher vieles anonymer. Gleichzeitig ist es aber auch nicht einfach, in eine Dorfgemeinschaft hineinzukommen.

 

 Wenn Sie auf das Jahr in Wünnewil zurückblicken, wie sieht Ihre Bilanz aus?

Wir ziehen eine positive Bilanz. Wir hatten in Wünnewil grundsätzlich zwar dieselben Probleme wie in allen Asylzentren. Zusammen mit der Gemeinde konnten wir den Asylsuchenden aber eine positive Grundstimmung vermitteln. Das hat entscheidend zum Erfolg beigetragen. Es freut mich, wenn wir positive Rückmeldungen von der Begleitgruppe bekommen und feststellen, dass das Asylzentrum auch ihnen etwas gebracht hat. Und Asylsuchende, die jetzt in Wohnungen leben, besuchen uns oft. Das zeigt uns, dass sie sich wohlgefühlt haben.

Zuhören und diskutieren sind ein wichtiger Teil der Arbeit von Zentrumsleiter Michel Jungo (Mitte). Bild Charles Ellena/a

Verteilung: Vier permanente Zentren im Saane-, Broye- und Greyerzbezirk

D em Kanton Freiburg werden 3,3 Prozent der Asylsuchenden zugeteilt, die in der Schweiz ankommen. Im vergangenen Jahr wurden Freiburg 933 Asylbewerber zugewiesen, 2011 waren es noch 709. In der Schweiz wurden 2012 28 600 Anträge verzeichnet, gegenüber 22 500 im Jahr 2011. Vier permanente Asylunterkünfte stehen im Kanton: zwei in der Stadt Freiburg (Burg, Remparts) sowie je eine in Estavayer und Broc. In Freiburg steht zudem eine Notunterkunft für abgewiesene Asylbewerber (Poya). Im ganzen Kanton gibt es 330 Wohnungen für insgesamt 1083 Asylbewerber. Der Staatsrat will die Asylsuchenden ausgeglichen verteilen. Provisorische Unterkünfte werden deshalb vorzugsweise im See-, Sense- und Vivisbach eröffnet, zum Beispiel 2009 in Sugiez und 2012 in Wünnewil. mir

Zur Person

Co-Leiter im Bundeszentrum Jaun

Michel Jungo hat an der Universität Freiburg Sozialanthropologie und Englische Literatur studiert. 2011 begann er im Bundeszentrum in Jaun als Betreuer zu arbeiten und wurde stellvertretender Zentrumsleiter. Bei der Eröffnung der Unterkunft in Wünnewil 2012 übernahm er die Leitung. Für seine Tätigkeit hat Jungo interne Weiterbildungskurse der ORS Service AG besucht, welche für die Betreuung der Asylsuchenden verantwortlich ist. Michel Jungo ist 31-jährig und stammt aus Rechthalten.mir

Wünnewil: «Die Leute merkten, dass das nicht einfach 50 Kriminelle sind»

D oris Bucheli, Gemein depräsidentin von Wünnewil-Flamatt, ist erleichtert. Die Ängste der Bevölkerung im Zusammenhang mit der provisorischen Asylunterkunft haben sich nicht bewahrheitet. «Es ist fast schade, dass das Zentrum schliesst», diesen Satz habe die Gemeindepräsidentin in den letzten Wochen von einigen Bürgern gehört.

Das Zentrum wurde Mitte Februar 2012 eröffnet, mit dem Kanton wurde eine maximale Dauer von 15 Monaten vereinbart. «Es ist notwendig, dass wir uns an das halten, sonst verlieren wir unsere Glaubwürdigkeit in der Bevölkerung», sagt Doris Bucheli.

Für den guten Verlauf macht die Gemeindepräsidentin einerseits die Zusammenarbeit mit der ORS, der Polizei und dem Kanton geltend, andererseits die Arbeit der Begleitgruppe. Diese bestand aus 15 Einwohnern von Wünnewil-Flamatt. Sie organisierten zusammen mit dem Betreuungsteam der ORS Anlässe. «Die Asylsuchenden haben unsere Solidarität, den Respekt und das Wohlwollen gespürt», sagt Bucheli. Sie hätten sich wohlgefühlt in Wünnewil und die Gastfreundschaft nicht ausgenutzt. «Klar hat es auch negative Erlebnisse gegeben, und es war nicht immer einfach. Aber das Positive überwiegt.»

Einstellung geändert

Die Begleitgruppe stellte eine Verbindung zwischen der Bevölkerung und den Asylsuchenden dar. «Sie konnte vieles auffangen. Wenn sich in der Gemeinde Gerüchte über das Asylzentrum verbreiteten, konnte sie diese zerstreuen.» Die Einstellung der Bevölkerung gegenüber den Asylsuchenden habe sich im vergangenen Jahr verändert. «Die Leute merkten, dass das nicht einfach 50 Kriminelle sind, die wir beherbergen.»

Die Gemeindepräsidentin hat sich stark engagiert für das Asylzentrum. Zu Beginn besuchte sie die Unterkunft mindestens einmal wöchentlich. Sie erhielt auch Anfragen von besorgten Bürgern. «Es war mir ein Anliegen, reagieren und Auskunft geben zu können.» Der Zeitaufwand war gross. «Es war ein intensives Jahr, aber auch ein bereicherndes», sagt Doris Bucheli.

Der Gemeinderat habe eine konstruktive Haltung eingenommen, das sei ihr von Anfang an ein Anliegen gewesen. «Wir sind ein Teil des Ganzen und müssen dem Kanton im Asylwesen Hand bieten.» Sie rät auch der Gemeinde Düdingen, wo nun heute ein Asylzentrum eröffnet wird, dem Thema mit Offenheit entgegenzutreten. mir

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