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Es brodelt um David Aebischer – Gottéron droht ein neuer Fall Glauser

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Durchlebt eine schwierige Zeit: David Aebischer.
Bild Charly Rappo/a

Der junge Gottéron-Verteidiger David Aebischer war zuletzt immer wieder überzählig. Entsprechend unzufrieden ist er mit seiner Situation. Trainer Christian Dubé kann die Aufregung nicht verstehen und ist seinerseits davon genervt.

Exakt 4 Minuten und 28 Sekunden stand David Aebischer in den letzten acht Spielen auf dem Eis. Das war in der Partie vom 2. Februar gegen Lugano. In den übrigen sieben Spielen sass er auf der Tribüne. Manchmal wurde er als überzählig gemeldet, mehrmals gab Trainer Christian Dubé allerdings auch Prüfungen als Grund für die Absenz des jungen Verteidigers an. «Es war nur ein einziger Match, den ich wegen der Prüfungen verpasst habe», präzisiert Aebischer, der derzeit die Matura macht, nach dem Training vom Montagmorgen. «Ich war schon vorher überzählig – und auch danach wieder. Meine Situation hat nichts mit den Prüfungen zu tun. Es ist eine sportliche Wahl. Der Trainerstaff vertraut den sieben anderen Verteidigern mehr.»

Was passiert in den nächsten Tagen?

Im Gespräch mit dem 20-jährigen Stadtfreiburger wird schnell klar: Es brodelt in ihm, er ist mit seiner Situation sehr unzufrieden, wirkt mitunter sogar emotional. «Es ist eine sehr komplizierte Situation für mich. Wir sind nun daran zu besprechen, was es zu tun gilt. Ich weiss nicht genau, was in den nächsten Tagen passieren wird», sagt er ein wenig kryptisch. Näher will er darauf nicht eingehen.

Klar ist: So hatte er sich die Saison in Freiburg nicht vorgestellt, als er vor 13 Monaten bei Gottéron unterschrieb. Nach einer sehr starken Junioren-WM hatte er diverse Angebote aus der National League. «Aber für mich war klar, dass ich mich für Gottéron entscheide. Es ist mein Club, und ich wusste, dass ich hier zum Spielen kommen würde.» Beziehungsweise dachte er das. Es wurde damals etwa auch vereinbart, dass er nicht zu Partnerclub Ajoie in die Swiss League abgeschoben wird. «Natürlich kann man niemandem garantieren, dass er so und so viel Spielzeit erhält», sagt Aebischer heute. «Aber nach den Diskussionen damals war eigentlich klar, dass ich spielen kann, um mich zu verbessern.» Das sei allerdings schwierig, wenn man gar nicht oder nur zwei bis drei Minuten pro Partie auf dem Eis stehe. «Vielleicht haben die Trainer und ich einfach eine andere Auffassung davon, was regelmässig spielen bedeutet.»

«Andere sahen das wohl anders»

Nach Anfangsschwierigkeiten schien sich für Aebischer in dieser Saison zwischenzeitlich doch noch alles zum Guten zu wenden. Im Dezember etwa war er als Strippenzieher an der blauen Linie massgeblich daran beteiligt, dass die zweite Powerplay-Linie plötzlich erfolgreicher war als die erste. Immerhin bereits sechs Assists hat er in dieser Saison auf seinem Konto. Als Philippe Furrer nach auskurierter Gehirnerschütterung zurückkehrte, wurden die Karten im Januar allerdings neu gemischt. «Das stimmt, während Furrers Absenz erhielt ich mehr Verantwortung. Ich hatte das Gefühl, ich würde dabei einen guten Job machen, nicht nur im Powerplay, auch bei 5 gegen 5. Andere sahen das wohl anders, sonst hätten sie mich nicht wieder aus dem Lineup genommen.»

Dubé reagiert gereizt

Wie sieht es denn Christian Dubé, der Aebischer als Sportchef geholt hatte und ihn nun als Trainer auf die Tribüne setzt? «David hat manchmal noch Aussetzer. Er kam von einer Juniorenliga in die dritt-, viertbeste Liga der Welt. Das ist ein grosser Schritt, da ist es doch normal, dass es eine Anpassungszeit braucht», sagt Dubé und schiebt noch ein «Purée» hinterher – eine Ableitung von einem Fluch, der an dieser Stelle besser nicht ins Deutsche übersetzt wird.

Im Gespräch über David Aebischer beendet Dubé fast jeden Satz mit «Purée». Es ist ein heikles Thema für ihn. Mit Andrea Glauser verliess 2018 schon einmal ein talentiertes Eigengewächs Freiburg, weil es das Gefühl hatte, zu wenig Eiszeit zu erhalten, und von Dubé vorübergehend nach Thurgau in die Swiss League abgeschoben worden war. In Langnau ist Glauser anschliessend zum Nationalmannschafts-Verteidiger gereift. Nächste Saison wechselt er zu Lausanne. Aebischer und Glauser kennen sich, sie haben auch schon über die aktuelle Situation gesprochen, wie Aebischer verrät. Mit Sven Helfenstein haben die beiden Freiburger sogar denselben Agenten.

«Ich kann doch nicht auf die Medien hören»

Entsprechend genervt ist Dubé darüber, dass man Aebischers Situation überhaupt zum Thema macht. «Das gehört zur Entwicklung eines jungen Spielers. Ich kann doch nicht auf die Leute oder die Medien hören, ich will einfach gewinnen – und dafür stelle ich die besten Spieler auf.» Das sei doch das, was man in Freiburg gewollt habe: eine Leistungskultur, eine Winner-Mentalität. «Der Coaching-Staff hat genügend Erfahrung. Wir waren alle Profis, teils auf sehr hohem Niveau. Wir sehen die Spieler jeden Tag im Training. Wir wissen, was wir tun. Es gibt eine gewisse Hierarchie in einer Mannschaft.»

Aebischer habe in dieser Saison gute und weniger gute Sachen gemacht. Manchmal gehe ihm alles noch ein wenig zu schnell. «Das ist für einen Spieler in diesem Alter ganz normal. Und wenn man eine Zeit lang nicht spiele, arbeite man als junger Spieler halt einfach noch härter, um sich aufzudrängen und noch besser zu werden. «Daniel Brodin war in dieser Saison auch oft überzählig. Was hat er gemacht? In jedem Training mehr gearbeitet als alle anderen. Es gibt keine Wunder im Spitzensport, man muss sich alles hart erarbeiten.»

Er habe Aebischer nicht viel vorzuwerfen, sagt Dubé. Er sehe auch das Problem gar nicht. Teamkollege Sandro Schmid sei letztes Jahr in seiner ersten Saison ebenfalls oft auf der Tribüne gewesen, mittlerweile sei er unangefochtener Stammspieler. Auch dass David Aebischer einen starken Charakter habe, sei kein Problem. «Das ist gut, ich habe ja selbst einen starken Charakter.»

Und dann auch noch Diaz

Dass seine schwierige Situation rein sportlich bedingt sei, ist auch Aebischer wichtig zu betonen. «Ich wurde schon oft mit dem Gerücht konfrontiert, es könnte mit meinem Benehmen zu tun haben. Aber ich bin definitiv nicht der Typ, der für Stunk in einer Mannschaft sorgt. Im Gegenteil: Ich bin eher ein ruhiger Mensch.» Er versuche auch jetzt, auf und neben dem Eis weiterzuarbeiten. «Aber für die Moral ist es derzeit nicht leicht, es ist nicht einfach, die Situation zu akzeptieren.»

Dazu kommt, dass in Freiburg auch die mittelfristigen Perspektiven trotz Vertrag bis 2022 wenig rosig sind. Mit Raphael Diaz kommt nächste Saison ein Offensivverteidiger hinzu, der es Aebischer noch schwerer machen wird, in seiner Spezialdisziplin Powerplay zum Einsatz zu kommen. «Diaz ist sicher ein ähnlicher Spielertyp wie ich – einfach mit viel mehr Erfahrung und einem ganz anderen Palmarès.» Sollten auf übernächste Saison dann auch noch sieben Ausländer pro Team erlaubt sein, wäre das für junge Spieler ein weiterer Rückschlag, fügt er noch hinzu. An Sorgen mangelt es dem Verteidigertalent derzeit wahrlich nicht. «In meinem Kopf passiert gerade sehr viel», schliesst Aebischer. Was in den nächsten Tagen passieren wird, bleibt indes abzuwarten.

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