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«Es gab immer wieder etwas Spannendes»

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1448 Protokolle von Gemeinderatssitzungen, Botschaften und Protokolle von 102 Gemeindeversammlungen, die Organisation von 30 1.-August-Feiern, die Zusammenarbeit mit 43 Gemeinderäten und zwei Syndics – diese Zahlen fassen nur ansatzweise zusammen, womit Gérald Buchs in den letzten 37 Jahren beschäftigt war. Im Sitzungszimmer des Plaffeier Gemeinderates, in dem er viele Stunden verbracht hat, blickt er im Gespräch mit den FN zurück. Denn mit der Fusion, die am 1. Januar 2017 in Kraft tritt, wird er zum Gemeindeschreiber-Stellvertreter und Leiter Fusionsumsetzung.

Dabei war es 1979 eher Zufall, dass der Jauner in Plaffeien gelandet ist. Der damalige Plaffeier Syndic Heinrich Piller hatte gegenüber dem Jauner Gemeinderat Theodor Schuwey von den Schwierigkeiten erzählt, die Stelle zu besetzen. Das Gespräch fand zufälligerweise auf der Alp Chalet Grat statt, bewirtet von der Familie Buchs. «Der Alphirt hätte einen Buben, der fähig wäre», hatte der Jauner dem Plaffeier damals gesagt. Diese Empfehlung reichte: Wenige Tage später war Gérald Buchs als Gemeindeverwalter von Plaffeien gewählt. «Ich habe keine Minute gezögert, sondern einfach zugesagt. Heute staune ich über die Courage, die ich damals hatte», erinnert er sich. Zu Plaffeien habe er damals wenig Bezug gehabt. Das hat sich aber rasch geändert. Syndic Heinrich Piller nahm ihn mit auf Bauplätze, an Ortsbesichtigungen und zu Sitzungen. So wurde er rasch mit der Materie vertraut und lernte immer mehr Leute kennen. Anfangs teilte sich die Verwaltung das Erdgeschoss des alten Gemeindehauses mit der Spar- und Leihkasse. Schreiberei und Kasse waren zusammen.

Immer wieder was Neues

«Es ist die grosse Vielseitigkeit, die mir in all den Jahren gefallen hat», sagt er mit Überzeugung. In einer Gemeinde wie Plaffeien habe man es nicht nur mit eigentlichen Gemeindeangelegenheiten zu tun, sondern mit vielen weiteren Bereichen: mit Chaletbesitzern und Hoteliers etwa, mit Alpweg- und Mehrzweckgenossenschaften, mit dem Abwasser- und dem OS-Verband, mit Tourismus, dem Schulkreis Plaffeien-Brünisried, dem Kulturkreis mit Oberschrot und Zumholz sowie dem Plaffeienmarkt. «Es gab immer wieder etwas Neues, etwas Spannendes, so dass mir nie der Gedanke kam, etwas anderes zu tun.» Er habe sich mit dem Betrieb und der Gemeinde identifiziert und viel Herzblut investiert, weil ihm eine gute Entwicklung Plaffeiens wichtig war. Dies ging über das Berufliche hinaus, hat Gérald Buchs doch vor 32 Jahren die Trachtengruppe Kaiseregg gegründet.

Auch die technische Seite seiner Arbeit hat sich verändert. Die ersten Buchungen erfolgten auf einer riesigen Buchungsmaschine. Als Ende der 1980er-Jahre das Thema Computer aufkam, musste er Überzeugungsarbeit leisten. «Einige Mitarbeiter haben damals Unterschriften gesammelt mit der Forderung «Wir wollen keinen Computer». Nach einem Besuch beim Hersteller in Bern waren sie überzeugt, dass so ein Gerät hilfreich sein kann.

Die damaligen Computer seien für die Textverarbeitung wenig komfortabel gewesen. «Aber es war doch eine Riesen­entwicklung, wenn ich daran denke, dass vorher die Eintragungen etwa für die Einwohnerkontrolle von Hand respektive mit der Schreibmaschine gemacht wurden.» Als er in den 1990er-Jahren an der HSG St. Gallen das harmonisierte Rechnungsmodell HRM kennenlernte, hat er es kurzerhand eingeführt – ohne den Dienstweg über den Kanton zu gehen. «Es hatte zum Glück keine Konsequenzen, der Staat hat dieses Buschor-System später als Standard-Rechnungsmodell übernommen.» 1996 wurden Gemeindeschreiberei und -kasse getrennt und für Letztere ein Kassier eingesetzt.

Nur zwei Syndics

Mit nur zwei Syndics hatte er es im Laufe der 37 Jahre zu tun: Heinrich Piller bis 1996 und seither Otto Lötscher. «Das ist ein Riesenglück.» Wenn es menschlich zwischen dem Ammann und dem Gemeindeschreiber nicht funktioniere, dann klappe gar nichts. Ammänner und Gemeinderäte haben ihm jeweils nicht nur die gewöhnliche Korrespondenz und die Botschaften für die Gemeindeversammlungen anvertraut, sondern auch Stellungnahmen zu Gesetzen und Antwortbriefe an die Adresse von Bund und Kanton. «Es hat mir gefallen, kreativ zu sein und eigene Ideen einzubringen», sagt er. Manchmal habe er diese Schreiben recht scharf formuliert, um bei den Amtsstellen Druck zu machen. «Entweder haben es die Gemeinderäte durchgewunken, oder sie mussten es etwas entschärfen», sagt er mit einem Lachen.

Über 50 Hauptaufgaben stehen im Pflichtenheft von Gérald Buchs. Er hat 15 Lehrlinge ausgebildet, war bei der Organisation von 30 1.-August-Feiern und dem Aufenthalt von 35 Schneeklassen aus Kasterlee beteiligt und hat zahlreiche andere Anlässe auf die Beine gestellt – 34 Ordner zeugen davon. Zu seinen «Kindern» gehört auch das «Echo von der Kaiseregg». Das «blaue Blettli» hat er 1980 nach dem Vorbild des Mitteilungsblatts von Jaun initiiert. Es gelangt mittlerweile in einer Auflage von 2900 Exemplaren an fünf Gemeinden.

Anders geplant

Der 61-Jährige macht keinen Hehl daraus, dass er das Amt des Gemeindeschreibers im neuen Plaffeien gerne weitergeführt hätte. Bekanntlich hat die Arbeitsgruppe Fusion entschieden, diese Kaderstelle der heutigen Gemeindeschreiberin von Oberschrot, Margrit Mäder, zu übertragen. Dies auch als Zugeständnis an die Gemeinde Oberschrot, da in den Bereichen Finanzen und Bauamt bereits zwei andere Kaderstellen aus den Reihen des alten Plaffeien kommen. Gérald Buchs hatte ein Übergangsmodell vorgeschlagen, bei dem er noch ein, zwei Jahre geblieben wäre und seine Nachfolgerin Schritt für Schritt in die Dossiers und Aufgaben eingearbeitet hätte. «Das wollte man leider nicht.» Aber er könne die heutige Situation akzeptieren. Er werde seine neue Aufgabe als Leiter der Fusionsumsetzung genauso gewissenhaft machen wie seine bisherigen Aufgaben und sich um EDV und Arbeitsplatzeinrichtung kümmern, um neue Vereinbarungen und die Überarbeitung von Reglementen. Er plant zudem, das Archiv der neuen Gemeinde zu ordnen und allenfalls sogar aufzuarbeiten. «Die Arbeit geht mir nicht aus.»​

Sitzungen

Als der Whisky die Runde machte

Von Amtes wegen war Gérald Buchs Sekretär in vielen Verbänden und Kommissionen. «Ich habe mich nur eingemischt, wenn ich gemerkt habe, dass die Diskussion in eine falsche Richtung geht. Wenn etwa neue Gemeinderäte einen früher gefassten Entscheid über den Haufen werfen wollten, weil sie die Hintergründe nicht kannten.» Da er lange dabei war, habe er die Zusammenhänge am besten überblicken können. Aus Diskretionsgründen nennt er keine Details aus oft langen und manchmal hitzigen Diskussionen. Nur von einer Sitzung erzählt er, ohne Namen zu nennen: Ein Gemeinderat sei Vater geworden und habe eine Flasche Whisky mitgebracht. «Eine reichte nicht, um nach der Sitzung anzustossen, so wurden zwei weitere besorgt.» Es wurde geraucht und getrunken, bis es einem der Herren richtig schlecht wurde. «Sagen wir es so: Die Putzfrau hatte am nächsten Tag viel Arbeit.»

im

«Ich habe keine Minute gezögert, sondern einfach zugesagt.»

Gérald Buchs

abtretender Gemeindeschreiber Plaffeien

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