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«Es geht um die Zukunft des Dorfs»

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Am 9. Februar stimmen die Bürgerinnen und Bürger der Kantone Freiburg und Bern über eine Änderung ihrer Kantonsgebiete ab. Dies, weil die bernische Gemeinde Clavaleyres mit Murten fusionieren und künftig zum Kanton Freiburg gehören will. Damit können die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger vom Simmental bis in den Berner Jura und beinahe bis zum Genfersee ihre Meinung abgeben zum Kantonswechsel des kleinen Dorfs und der damit verbundenen Fusion mit Murten. Ein Konkordat regelt nun die Änderung der beiden Kantonsgebiete. Bei einer Ablehnung des Konkordats können Clavaleyres und Murten nicht fusionieren.

Kritik an Berner SVP

Clavaleyres umfasst einen alten Dorfkern, fünf stattliche Bauernhöfe, Äcker, Weiden, ein Rebgut sowie Nutz- und Ziergärten. In dem Ort gibt es weder einen Laden noch ein Restaurant oder eine Schule – und auch keinen Anschluss an den öffentlichen Verkehr. Der Gemeindepräsident von Clavaleyres, Jürg Truog, kennt jeden einzelnen Bewohner seiner Gemeinde. Bei 50 Einwohnern, die sich auf einen Quadratkilometer verteilen, eine überschaubare Angelegenheit. Wie ist die Stimmung in der Kleinstgemeinde? «Wir sind gespannt auf das Abstimmungsresultat, nachdem die SVP des Kantons Bern die Nein-Parole herausgegeben hat», sagte Jürg Truog. Die SVP Kanton Bern hatte am 15. Ja­nuar an ihrer Delegiertenversammlung die Nein-Parole zum Kantonswechsel mit 121 gegen 102 Stimmen mit 19 Enthaltungen beschlossen, wie die Partei auf ihrer Webseite schreibt. Sie wollen, dass Clavaleyres im Kanton Bern bleibt. Für Truog gibt es aber keine Alternative als die Fusion mit Murten. Denn Versuche, mit anderen Gemeinden zu fusionieren, sind gescheitert. 2008 stimmten Clavaleyres und Münchenwiler über einen politischen Zusammenschluss ab – Münchenwiler gab Clavaleyres eine Abfuhr.

«Die Parole der Berner SVP fanden die Leute im Dorf gar nicht schön, dabei sind die meisten SVP-Wählerinnen und -Wähler.» Auch Jürg Truog selber findet den Entscheid unsportlich: «Das Thema ist seit Jahren auf dem Tisch, und niemand sagte etwas dagegen. Und jetzt kommen sie, rufen aus, sagen Nein und haben keinen anderen Vorschlag. Es geht um die Zukunft des Dorfs», sagte Truog mit Nachdruck. «Als Partei sollten sie ihr Hirn einschalten und nicht noch eine Gemeinde zugrunde gehen lassen». Alle anderen Berner Parteien sprachen sich für ein Ja aus. «Ich bin weiterhin zuversichtlich», betonte Truog.

Bisher trat Truog als Parteiloser auf. Doch der Gemeindepräsident hatte letztes Jahr angekündigt, der SVP beitreten zu wollen, wenn die Fusion geritzt ist und er einen Platz im Murtner Generalrat ergattern kann. Er werde seinen Ärger nun «verrauchen» lassen und zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden: «Die SVP Kanton Bern ist ja nicht die SVP Kanton Freiburg.» Es sind zwei Sitze im Murtner Generalrat und ein Sitz im Gemeinderat, die der Bevölkerung von Clava­leyres mit der Fusion temporär gewährt werden sollen.

Eng mit Murten verknüpft

Für den Gemeindepräsidenten ist klar, dass Clavaleyres auf Dauer im Alleingang nicht überleben kann. Es ist für die bernische Exklave heute nicht mehr möglich, ihre Aufgaben als Gemeinde alleine zu lösen. Die Zusammenarbeit mit Murten ist bereits heute gross: Die Kinder gehen in Murten zur Schule, die Feuerwehr Region Murten rückt bei Bedarf nach Clavaleyres aus und das Abwasser fliesst nach Muntelier. Mit der angestrebten Fusion mit Murten will das Dorf verhindern, dass Clavaleyres dereinst zwangsfusioniert wird.

Der Name der Exklave im Grenzgebiet der Kantone Freiburg und Waadt ist zwar französisch, und auch rund herum wird in vielen Dörfern französisch gesprochen, doch Clavaleyres ist rein deutschsprachig. Dies ist auch ein Grund, warum für die Einwohner eine Gemeindefusion mit einer französischsprachigen Gemeinde nicht infrage gekommen wäre. Mit einer Fusion mit Murten wird Clavaleyres quasi von einer Freiburger Enklave zu einer Murtner Exklave. Denn der Ort ist von Faoug, Courgevaux und Courtepin, nicht aber von Murten umgeben.

Der Stadtammann von Murten, Christian Brechbühl, zeigt sich ebenfalls zuversichtlich mit Blick auf die Abstimmung im Februar: «Ich wäre überrascht, wenn es abgelehnt würde.» Die beiden Gemeinden arbeiteten in vielen Gebieten zusammen, «die Fusion macht Sinn», sagte Brechbühl. Auf die Volksabstimmung folgt der Entscheid der vereinigten Bundesversammlung. Die Fusion mit Murten ist auf 2022 vorgesehen.

Geschichte

Von Freiburg nach Bern und wieder zurück?

In der Dorfchronik von Bruno Maurer von 2007 lässt sich viel über die Geschichte von Clavaleyres und auch von Münchenwiler erfahren. Denn die beiden Dörfer verbindet Hunderte Jahre gemeinsame Geschichte. 1185 erfolgte der Bau der Kloster­kirche in Münchenwiler. Der Bauernhof, der das Kloster belieferte, stand in Clavaleyres. 1484 wird die Klosterkirche Münchenwiler auf päpstlichen Erlass dem Kollegiatsstift St.  Vinzenz des Berner Münsters einverleibt. Clavaleyres gehört zum Kirchengut. 1527 werden Münchenwiler und Clavaleyres Exklaven im Murtenbiet, sie stehen unter bernischer Herrschaft. 1528 gibt es erstmals einen reformierten Gottesdienst in Münchenwiler.

1535 erfolgte der Verkauf der Herrschaften Münchenwiler und Clavaleyres mit Höfen und Kirche an Schultheiss Johann Jakob von Wattenwyl. Die Familie von Wattenwyl liess das Kloster abbrechen und aus dessen Steinen ein Schloss errichten. Nach Oberherr Markus Morlot erwirbt Anton von Graffenried 1668 die Herrschaft. Diese bleibt bis 1798 im Besitz der Familie von Graffenried, das Schloss gehörte bis 1932 der Familie von Graffenried.

1798 schlägt Napoleon Münchenwiler und Clavaleyres den Freiburgern zu. Nach diversen Besitzerwechseln und Auseinandersetzungen geht Münchenwiler 1807 vom Kanton Freiburg wieder an den Kanton Bern. 1922 erhält Clavaleyres ein Wappen. 2007 feiern Clavaleyres und Münchenwiler 200 Jahre Zugehörigkeit zum Kanton Bern. Ob dies so bleibt, zeigt sich am 9. Februar.

Chronologie

Ein langer Fusionsprozess

Der Abstimmung im Februar gehen viele Schritte voraus: 2013 beschloss die Gemeindeversammlung von Clavaleyres eine Fusion mit Murten vorzubereiten. Ein positiver Grund­satz­ent­scheid des Generalrats von Murten folgte 2014, eine entsprechende Absichtserklärung der beiden involvierten Kantonsregierungen 2016. Beim Urnengang im Herbst 2018 sprachen sich die Bevölkerungen von Clavaleyres und Murten mit grosser Mehrheit für ein Zusammengehen aus. Im Frühling 2019 unterzeichneten die freiburgische und die bernische Regierung das Konkordat, das die Änderungen der Kantonsgebiete regelt. Im Sommer 2019 stimmten sowohl das Freiburger als auch das Berner Kantonsparlament dem Gebietsänderungskonkordat zu. Im Grossen Rat von Freiburg war die Gebietsänderung unbestritten. Das Berner Parlament sagte mit 133 zu 5  Gegenstimmen Ja dazu.

 

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