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«Es haben immer alle Angst um mich»

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Autor: Matthias Fasel

Ein bisschen aufgeregt sei er immer noch, auch wenn er bei der 75. Ausgabe des Murtenlaufs bereits zum fünfzigsten Mal mitmacht. «Es kennen einen ja alle.» Und aufgeregt sei er ohnehin immer gewesen, früher habe ihm das sogar richtig zu schaffen gemacht. «Bei meinem ersten Start 1953 musste man sich noch vom Arzt den Blutdruck messen lassen, der gab dann das Ok zum Start. Da musste ich mich immer zunächst ein bisschen hinsetzen und mich beruhigen», erzählt Anton Leimgruber.

«Es ist wie eine Sucht»

Aber bei einem, der seit über einem halben Jahrhundert lediglich aus gesundheitlichen Gründen eine Handvoll Murtenläufe verpasst hat, bei dem überwiegt selbstverständlich die Vorfreude. «Der Murtenlauf reizte mich schon immer, und als ich das erste Mal mit meinem Vater am Ziel stand, wusste ich, dass ich den Lauf auch einmal bestreiten werde.» Es sind die Freundschaften, die man knüpft, und die Tatsache, dass auch die Volksläufer für einmal vor tausenden Zuschauern rennen, die Bäcker-Toni, wie er auch liebevoll genannt wird, am Murtenlauf faszinieren.

Ohnehin ist Leimgruber in die Leichtathletik vernarrt. «Es ist wie eine Sucht. Wie andere manchmal eine Zigarette brauchen, benötige ich einfach den Laufsport.» Er habe für das Laufen auch viel geopfert. Er schätzt, dass er bis heute 40 000 Kilometer zurückgelegt hat, also einmal um die ganze Welt gerannt ist. Er hat 2004 in Lausanne die olympische Fackel getragen, und bereits einige Jahre zuvor wurde ihm am Viertagemarsch von Nimwegen von der niederländischen Königin Juliane die Goldmedaille überreicht. «Das waren die grössten Ereignisse meiner Läuferkarriere.» Ein liebevoll aufbewahrtes und gestaltetes Büchlein mit Autogrammen und Fotos von Athleten zeugt davon, dass der pensionierte Bäcker auch als Zuschauer ein ganz besonderes Verhältnis zur Leichtathletik hat. Hunderte Unterschriften von Emil Zatopek, über Sandra Gasser, Anita Weyermann bis zu Werner Günthör sind sein ganzer Stolz.

Blöde Sprüche

Er selbst habe nie Ambitionen gehegt, ein Spitzenläufer zu werden, auch wenn, wie er sagt, ihm einige namhafte Läufer durchaus Talent und einen guten Laufstil attestiert hätten. «Das wäre nicht mit meinem Beruf vereinbar gewesen», so der Sensler, dessen Rekordzeit beim Murtenlauf bei 1:03:24 liegt. Ausserdem sei man früher in den Dörfern auch komisch angeschaut worden und habe sich blöde Sprüche anhören müssen, wenn man am Nachmittag trainiert habe. «Da hörte man zum Beispiel von den Bauern, man würde ihnen auch besser beim Emden helfen, wenn man nichts zu tun habe.»

Zu Fuss nach Hause

Um den Murtenlauf zu prästieren, dafür hatte er aber immer genug Zeit zum Trainieren. Dass er es aber gleich auf 50 Läufe schafft, dass hätte er nicht gedacht. «Ich war immer ein schwaches Büblein, als ich zur Schule ging.» Beim ersten Anlauf habe man ihn deshalb auch nicht in der Rekrutenschule aufnehmen wollen, da er mit 53 Kilo zu leicht gewesen sei.

Kaum einer kann so viel Anekdoten über den Murtenlauf erzählen wie Leimgruber. Und er tut es gerne, steigert sich in einen richtigen Redefluss, wenn er von «seinem» Lauf erzählt. Zum Beispiel davon, wie er einmal nach dem Lauf zu Fuss nach Hause musste, weil sein Freund Fritz Beery ihn in der Euphorie in Freiburg vergessen habe. «Es war ein gutes Auslaufen.» Kaum einer hat aber auch den Wandel des Laufs so gut beobachten können wie der 76-Jährige. «Als ich das erste Mal mit dabei war, waren noch rund 350 Läufer am Start.» Da brauchte es noch keine Blockstarts, die er ohnehin nicht so mag, weil es ein Nachteil für die älteren Läufer sei, da sie zuletzt starten müssen. «Beim ersten Mal riefen einige Leute: Tönu, kommst du erst? Der Besenwagen folgt ja schon bald.»

Etwas zu trinken gab es früher erst im Ziel

Geändert habe sich auch sonst einiges. Früher habe es zum Beispiel nur beim Ziel etwas zu trinken gegeben. «Da sagte man noch, dass man vom Trinken einen plumpen Magen bekommt.» Aber heute, erzählt er, sehe man das halt ganz anders. Seine Enkel zum Beispiel nähmen ja sogar etwas zu trinken in die Schule mit.

Anton Leimgruber wird dieses Jahr übrigens erstmals nicht an der Königsdisziplin, sondern in der Disziplin Nordic Walking an den Start gehen. Auch damit seine Angehörigen ein bisschen ruhiger schlafen. «Es haben ja immer alle so Angst um mich.»

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