Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

«Es hat nichts mit Kirchenmusik zu tun»

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Vierzehn Konzerte in neun Tagen bietet das diesjährige Internationale Festival Geistlicher Musik Freiburg ab diesem Samstag. Die Kirche des Kollegiums Sankt Michael ist Schauplatz und das Bach Collegium Japan der Höhepunkt des 17. Ausgabe. «Wir brauchen heute mehr denn je Räume, wo wir uns treffen, austauschen, einen Dialog führen und unsere Begeisterung miteinander teilen können», heisst es im Programm. 1986 wurde das Festival erstmals durchgeführt. Seither findet es alle zwei Jahre statt, mit einem Kompositionswettbewerb im Zwischenjahr. Angeregt wurde es durch zwei Festivals in Freiburg: 1978 mit vorwiegend zeitgenössischer Musik zum 30. Geburtstag der «Jeunesses Musicales de Suisse» und 1982 mit geistlicher Musik. Der Erfolg und die Unterstützung durch Radio Suisse Romande Espace 2 ermutigten die Initianten weiterzumachen. Und so gibt es seit 1986 das Festival, das mittlerweile ein internationales Echo auslöst.

Von der ersten Stunde an dabei war François Page, ausgebildeter Tenor, langjähriger Direktor von Espace 2 und Chorleiter der Maîtrise de Fribourg. Als Vizepräsident prägt er das Festival massgeblich. Im Interview verrät der 67-Jährige, wie es ihm gelungen ist, das Bach Collegium Japan nach Freiburg zu bringen.

François Page, warum müssen es denn gerade Japaner sein, wo wir in Europa doch so viele renommierte Ensembles haben?

Dieses Ensemble ist etwas ganz Ausserordentliches, und ich versuche seit 20 Jahren, es einzuladen. Doch die Mails blieben unbeantwortet. Dann wollte es der Zufall, dass die Pianistin Ryoko Näf, Gattin von Patrick Näf, unter dessen Leitung ich im Chor singe, in ihre Heimat nach Japan reiste. Ryoko traf den Dirigenten Suzuki in Tokio, und er sagte ohne zu zögern zu. Es zeigte sich, dass beide an der gleichen Hochschule studiert haben. Auf dieses Konzert freue ich mich sehr.

Seit der Gründung nennt sich das Ereignis «Festival Geistlicher Musik». Ist das noch zeitgemäss?

Das muss man in einem weiten Sinn verstehen. Das Festival hat nichts mit Kirchenmusik zu tun. Doch ist es Musik, die die Beziehung Mensch–Gott zum Inhalt hat. Musik mit spirituellem Charakter. Ich denke, dass sich jeder Mensch auf irgendeine Weise mit dem Überirdischen beschäftigt und daher das Thema immer Gültigkeit hat. Seit einigen Jahren gehört mit der Reihe «Musik aus aller Welt» (jeweils um 17.30 Uhr) auch aussereuropäische Musik dazu.

Mittlerweile können Sie die Ensembles aus einer grossen Anzahl von Anfragen auswählen. Welches sind die Kriterien?

Jeder Abend soll das Publikum in eine unterschiedliche Atmosphäre versetzen. Wir achten auf eine gute Mischung aus Musik des Mittelalters, der Renaissance, der Romantik und aus Zeitgenössischem. Die Wahl fällt auf etwas mehr Barock, weil die Leute das lieben. Aber auch der ist unterschiedlich. Einmal ist es deutscher Barock, ein anderes Mal französischer. Für jedes Konzert konnten wir aus 20 Ensembles auswählen. Der künstlerische Leiter Luc Terrapon und ich machen jeweils eine Vorselektion, und das Gesamtkomitee entscheidet.

Das Festival nennt sich international. Rechtfertigt sich dieser Begriff?

Wenn wir Anfragen von Ensembles aus der ganzen Welt erhalten, dann glaube ich das schon. Dazu verholfen hat uns Espace 2. Der Sender nimmt die Konzerte auf und sorgt für eine weltweite Ausstrahlung. Mit den technischen Möglichkeiten sind die Konzerte mittlerweile in der ganzen Welt zu hören, in Russland wie in Japan. Mittlerweile kommen die Besucher nicht nur aus Freiburg, sondern aus der ganzen Westschweiz.

Doch mit dem Atelier für gregorianischen Gesang wollte es nicht so klappen?

Wir hatten letztes Mal nur sechs Anmeldungen und mussten uns dazu etwas einfallen lassen. Das Kloster Hauterive war die Lösung: Die Interessierten können im Kloster leben, und das hat Anklang gefunden. 34  Kursteilnehmer – die meisten Chorleiter – haben sich angemeldet.

Seit rund 15 Jahren ist das Festival mit einer Auslastung von bis zu 90 Prozent ein grosser Erfolg. Und trotzdem sind es «nur» 5000 Besucher. Müsste man da nicht einen anderen Ort suchen?

Ja, das haben wir uns auch schon überlegt. Gibt es doch nur 440 Plätze in der der Kollegiumskirche. Aber sie ist sozusagen die Wiege des Festivals und mit ihrem einzigartigen Ambiente sehr beliebt. Alles passt: Werke, Kirche, der Platz als Ort der Begegnung …

… und die Beiz «Chez Pauline».

Stimmt. Die Begegnung im Zelt vor oder nach dem Festival ist ein wichtiger Ort des Austausches. Das Team von «Chez Pauline» begleitet sonst Filmequipen und führt neuerdings auch das Restaurant «Les Menteurs» in der Blue Factory.

Das Budget des Festivals ist mit 900 000 Franken beachtlich.

Rund 420 000 Franken betragen die Gagen, Unterkunft und Verpflegung der Musiker. Die andere Hälfte deckt die Kosten der Organisation. Dieses Jahr ist das Budget höher, weil das Engagement der Japaner doch einiges kostet. Flug und fünf Tage Unterkunft sind zu bezahlen. Das Komitee hingegen arbeitet freiwillig. Einzig ein 100-prozentiger Sekretariatsposten ist bezahlt.

Von Anfang an haben wir auch einen Kompositionswettbewerb durchgeführt. Er ist quasi das Herzstück des Festivals. Die Studierenden der Musikhochschule Waadt, Wallis, Freiburg (Hemu) werden am Sonntag die mit dem ersten und dem zweiten Preis ausgezeichneten Werke des 13. Kompositionswettbewerbs aufführen. Seit 2011 arbeiten wir mit der Hemu zusammen. Auch das Auftragswerk ist Tradition. Am Dienstagabend wird das Werk der Freiburger Komponistin Caroline Charrière uraufgeführt.

Wie kommen Sie zu all dem Geld?

Espace 2 trägt einiges bei, aber auch der Kanton, die Loterie Romande und der Freundeskreis mit rund 300 Mitgliedern. Doch die Suche von Finanzquellen wird jedes Jahr mühsamer. Dies, obwohl das Festival für den Kanton mittlerweile ein wichtiges Aushängeschild ist.

Programm

Vierzehn Konzerte in neun Tagen

Das Internationale Festival Geistlicher Musik bietet vom 30. Juni bis zum 8. Juli vierzehn Konzerte, die meisten in der Kollegiumskirche St.  Michael, eines in der Franziskanerkirche. Am Samstag spielt zum Auftakt das spanische Barock­ensem­ble La Galanía (20.30 Uhr). Am Sonntag gibt das Instrumentalensemble der Musikhochschule Waadt, Wallis, Freiburg die Sieger­werke des Kompositionswettbewerbs zum Besten (17 Uhr), und am Abend tritt der Estonian Philharmonic Chamber Choir auf (20.30 Uhr). Erstmals bietet das Festival deutsch- und französischsprachige Führungen im Kollegium St. Michael an (Mittwoch und Donnerstag 19 Uhr).

cs/il

Ganzes Programm und weitere Infos: www.fims-fribourg.ch

Vorverkauf bei Starticket und bei Freiburg Tourismus (026 350 11 00).

Mehr zum Thema