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«Es ist fast wie ein Videospiel»

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Einige hundert Meter vom Militärflughafen Payerne entfernt schwirren auf dem Aéropôle-Gelände ein halbes Dutzend Quadrocopter durch Plastiktore oder Metalltürme. Über 100 Drohnenpiloten sind auf dem Gelände des Aeronautik-Technoparks zu Gast. Manche von ihnen campieren gleich auf dem fussballplatzgrossen Feld. Die meisten kommen aus der Schweiz, vereinzelte aus Grossbritannien, Frankreich oder Deutschland. Die «FPV Air Race» ist der erste grössere Anlass für unbemannte, ferngesteuerte Luftfahrzeuge in der Schweiz. «Ich war an mehreren Events in Europa und habe festgestellt, dass es fast keine Schweizer Piloten gibt», sagt Organisator Yann Oeffner. «Mit diesem Anlass möchte ich den Sport in der Schweiz fördern.» Oeffner kommt aus der Nähe von Nyon. «Payerne habe ich als Austragungsort gewählt, da es ziemlich genau auf der Sprachgrenze liegt», sagt der Gründer der Firma Lémantech Labs, einem Unternehmen, das Multicopter entwickelt.

Ein Flugsimulator in echt

Über der Brust aller Piloten baumelt ein Badge. Darauf sind ihre Nicknames vermerkt: etwa «Rotoboy», «Padawan», «Tesla», «Babyjesus» oder «McFly». Eine reine Männergesellschaft. Inzwischen gibt es wieder einen neuen Start. Die Piloten platzieren die Quadrocopter auf der Startfläche, und nehmen ihre Sitzplätze ein. Mit einer Videobrille und einer Fernsteuerung ausgerüstet warten die sechs auf das Startsignal. Fast wie die Stimme vom Tower tönt die Stimme aus dem Lautsprecher. Drei Runden müssen die Piloten absolvieren, die schnellste zählt. Die besten qualifizieren sich für den Europacup in Ibiza oder das Drone Worlds in Hawaii. Mit rund 100 Kilometern sind die tellergrossen Fluggeräte mit den vier Rotoren unterwegs. Auf den Drohnen befindet sich eine Videokamera, die ein Live-Bild auf die Brille überträgt. Zuschauer können den Flug entweder via Brille oder via Bildschirm verfolgen. Das Bild in der Videobrille ist zwar etwas grobkörnig und grell, vermittelt aber ein stärkeres, direkteres Feeling für die rasante Fahrt durch den Parcours.

In einem Zelt neben dem Flugparcours reparieren die Piloten ihre Quadrocopter und laden die Akkus auf. «Ich habe schon mit Modellflugzeugen angefangen, auf denen Kameras oder Videosender montiert waren», sagt Chris Thomann aus St. Gallen. «Das Live-Bild vermittelt einem fast das Gefühl, als würde man auf einem Flugzeug sitzen.» Vor zehn Jahren hat der 35-Jährige die Drohnen als Hobby entdeckt. Heute ist er Inhaber eines Spezialshops; in Payerne ist er als Begleiter mehrerer Piloten dabei. «Es ist fast wie in einem Videospiel», sagt der 15-jährige Pilot Marlon Tanner aus Wigoltigen TG, der mit Thomann angereist ist. «Ein bisschen wie ein Flugsimulator, nur in echt.» Eine Vermischung der virtuellen und echten Welt, beinahe ein wenig wie beim aktuell beliebten Pokémon-Game auf dem Smartphone. Auf Thomanns Laptop laufen Filme, die er mit Drohnen aufgenommen hat, aktuell ein Alpenflug. Thomann und seine Kollegen waren mit ihren Fluggeräten schon überall: von den USA und Uruguay bis hin nach Singapur und London. Die Drohnen werden entweder fertig gekauft oder selber zusammengebaut. Die kleinsten sind gerademal so gross wie ein Fünfliber. Etwa 1100 Franken kostet eine komplette Ausrüstung inklusive Drohne, Brille, Fernbedienung und Akku in guter Qualität. Rund 400 Piloten auf Rennniveau gebe es in der Schweiz, sagt der gelernte Informatiker.

Die Sicherheit und die Privatsphäre wahren

Das Steuern einer Drohne untersteht Regeln: So brauchen grössere Geräte oder der Einsatz von Hilfsmitteln eine Bewilligung. Weil vor allem Hobbypiloten diese Regeln missachten, muss zuweilen die Polizei ausrücken.

sandro sprecher

«Der Informationsbedarf zum Thema Drohnen ist sehr gross», schreibt das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) auf seiner Website. Deshalb erteilt das Amt keine telefonischen Auskünfte mehr. Offensichtlich bewegen die ferngesteuerten Fluggeräte die Bevölkerung. Dazu tragen nicht zuletzt auch verschiedene Vorfälle bei: So flogen mehrfach Drohnen über die Sonnenterrasse des Berner Bades Bernaqua, was klar verboten ist.

 Die Sicherheit geht vor

Wer eine Drohne steuern will, muss Regeln zur Flugsicherheit beachten. Grundsätzlich dürfen kleinere Drohnen bis zu 30 Kilogramm Gewicht ohne Bewilligung geflogen werden. Voraussetzung ist aber, dass der Pilot stets Sichtkontakt zu seinem Fluggerät hat, was technisch heute nicht mehr unbedingt nötig ist.

Grössere Drohnen brauchen eine Bewilligung des BAZL. Das Gleiche gilt für Hilfsmittel wie Videobrillen, wenn diese die Sicht des Piloten erweitern sollen. Drohnen müssen zu Menschenansammlungen grundsätzlich einen Abstand von 100 Metern einhalten. Um Kollisionen mit anderen Luftfahrzeugen zu vermeiden, dürfen sich zudem Drohnen Flugplätzen höchstens bis auf fünf Kilometer Distanz nähern.

 Betroffene informieren

Wird das Luftfahrzeug mit einer Kamera oder einem Smartphone ausgerüstet, gelten zusätzlich Datenschutzregeln. Wie der eidgenössische Datenschutzbeauftragte auf seiner Website schreibt, braucht es für Aufnahmen mittels Drohne entweder ein überwiegendes privates oder öffentliches Interesse oder die Einwilligung aller Betroffenen. Überfliegt zum Beispiel eine Drohne in einem Quartier ein fremdes Grundstück, müssen die Eigentümer sowie die Personen auf dem Grundstück den Aufnahmen explizit zustimmen. Ausgenommen sind Aufnahmen, auf denen einzelne Personen nicht ausgemacht werden können, so etwa, wenn die Kamera eine Menschenmenge aus grosser Höhe aufnimmt.

 Zahlreiche Einsätze

 Gerade Hobbypiloten halten sich nicht immer an die Flugregeln. «Wir hatten 2015 rund 30 Einsätze wegen Drohnen», sagt Gallus Risse, Sprecher der Kantonspolizei Freiburg auf Anfrage. «In vielen Fällen flogen Drohnen über Quartiere und störten Anwohner.» Eine Problemzone ist das Schloss Greyerz. «Das Schloss ist ein beliebtes Fotosujet, befindet sich aber innerhalb der Fünf-Kilometer-Zone um den Flugplatz Epagny.» Drohnen dürften deshalb dort nicht fliegen. Die fehlbaren Piloten zu eruieren, sei schwierig. «Weil die Batterien schnell leer sind, fliegen die Geräte meistens nur kurze Zeit. Bis wir vor Ort sind, ist die Drohne häufig bereits verschwunden.» So sei bis heute keine Anzeige eingegangen.

 Zwei besondere Einsätze verzeichnete die Kantonspolizei im letzten Jahr: Im ersten Fall kollidierte eine Drohne bei der Landung mit einem Fahrzeug. «Das war klar eine Unachtsamkeit des Piloten», so Risse. Die Betroffenen hätten den Unfall schliesslich auf dem Zivilweg geregelt. Im zweiten Fall sei eine Drohne auf Privatgelände abgestürzt, worauf der Anwohner die Polizei alarmierte. «Nachdem der Pilot dann seine Drohne abgeholt hatte, beruhigte sich die Situation wieder.»

Das Phänomen habe in den letzten Jahren sukzessive zugenommen. «Vor fünf Jahren waren Drohnen für uns kaum ein Thema.» Weil die Geräte immer billiger würden, seien entsprechend mehr Menschen mit solchen Fluggeräten beschäftigt. Gallus Risse legt den Piloten den Schutz der Privatsphäre ans Herz. In Quartieren würden Drohnen Anwohner fast zwangsläufig stören. Unbewohnte Gebiete wie etwa grosse Wiesen seien nicht zuletzt aus Sicherheitsgründen besser geeignet, wie der erwähnte Absturz zeigt.

 Neue Möglichkeiten

Der Einsatz von Drohnen geht über private Spielereien hinaus. So besitzt die Kantonspolizei seit rund einem Jahr selber eine Drohne. «Sie hilft uns bei der Suche nach Vermissten», erklärt Gallus Risse. Als ein Gefangener aus der Strafanstalt Bellechasse entwichen war, suchte die Polizei mit der Drohne die nahen Schilfgürtel ab. «Wir fanden aber keine Spuren.» Gleichzeitig wollen Unternehmen wie Google Amazon oder die Post künftig Waren mittels Drohnen ausliefern. Damit dürfte der Verkehr in der Luft in absehbarer Zeit noch dichter werden.

Zur Definition

Begriff «Drohne» ist nicht gern gesehen

Der Begriff Drohne bezeichnet unbemannte, ferngesteuerte Luftfahrzeuge. Darunter fallen die Multicopter, welche in Payerne verwendet wurden. Als Drohne werden aber auch militärische Fluggeräte bezeichnet, die etwa für gezielte Tötungen benutzt werden. Modellbaufreunde bevorzugen deshalb zum Teil den Begriff Multicopter oder auch Quadrocopter für ein Gerät mit vier Rotoren.sos

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