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«Es soll ein mutigeres Eishockey sein»

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Gerd Zenhäusern, die letzte Saison galt bei Gottéron als Übergangsjahr. Wie würden Sie die kommende Saison bezeichnen?

Ich würde sie jedenfalls nicht mehr als Übergangssaison bezeichnen. Letztes Jahr haben wir die Mannschaft stark erneuert und mit dem sechsten Rang das Minimalziel erreicht. Danach konnten wir in den Playoffs den Extraschritt leider nicht gehen, insgesamt legten wir aber trotzdem eine Basis, auf der sich aufbauen lässt. Dazu haben wir auf die neue Saison hin Spieler geholt, von denen wir glauben, dass sie diese Basis verstärken, und mit denen wir den nächsten Schritt machen können. Den nächsten Schritt machen heisst: wieder einmal eine Playoff-Serie gewinnen.

 

 Was haben Sie für Lehren aus der letzten Saison gezogen?

Unzählige. Ich bin ein junger Trainer und kann jeden Tag lernen. Es gibt viele Sachen, bei denen ich mir sage, dass ich sie in Zukunft wohl anders machen werde. Situationen, in denen ich anders hätte reagieren sollen, cooler bleiben. Das kann von Trainingsfragen bis hin zu strategischen oder taktischen Entscheiden gehen. Es sind ganz viele kleine Sachen.

 

 Sie haben nun vor allem von sich gesprochen. Was aber haben Sie in Bezug auf die Mannschaft für Schlüsse gezogen?

Ich versuche, die Fehler bei mir zu suchen. Ich bin derjenige, der die Mannschaft führt. Als Trainer hat man entweder eine Mannschaft mit viel Talent, mit der man fast schon automatisch um den Titel kämpfen kann. Oder man hat eine Mannschaft, mit der man versuchen kann, eine Einheit zu bilden und eine Überraschung zu kreieren. Wir befinden uns eher in der zweiten Kategorie. Wir haben zwar sicher Talent, aber um ganz gross herauszukommen, müssen wir in Sachen Teamgeist und Mannschaftsgefüge etwas Aussergewöhnliches kreieren. Das war letztes Jahr nicht der Fall. Der Zusammenhalt war nicht immer top und muss besser werden.

 

 Warum war der Zusammenhalt letzte Saison nicht top?

 Unter anderem war die interne Kommunikation nicht so gut. Das sind Dinge, die ich unbedingt verbessern will. Denn das hat so viel Negatives in die Mannschaft gebracht, dass wir zeitweise vergessen haben, worum es geht: den Puck ins Netz zu schiessen–und nicht um Transfergerüchte, vorzeitige Vertragsverlängerungen und Spieler, die keine Verträge erhalten. Das gehört zum Business, davon dürfen wir uns nicht verrückt machen lassen. Wir müssen versuchen, uns von dem so gut wie möglich abzuschotten, damit sich die Mannschaft auf die tägliche Arbeit konzentrieren kann.

Wenn Sie von den Kommunikationsproblemen der letzten Saison reden, denken Sie wohl in erster Linie an das Zerwürfnis zwischen dem Club und Benjamin Plüss …

Ja, da gab es die Geschichte um Beni, oder aber auch den früh kommunizierten Wechsel von Kamerzin zu Bern. Es war zudem das erste Jahr von Christian Dubé als Sportchef. Jeder muss seinen Platz finden. Ich denke, jeder im Club konnte aus diesen Dingen lernen.

 

 Was haben Sie im sportlichen Bereich aus der letzten Saison gelernt?

Unsere Bank war etwas zu wenig breit. Wir haben für die kommende Saison versucht, darauf zu reagieren, indem wir sowohl in der Verteidigung als auch im Sturm den einen oder anderen Spieler mehr im Kader haben.

 

 Ist das Team nicht nur breiter, sondern auch besser als letzte Saison?

Ja.

 

 In welchen Bereichen ist es besser geworden?

Überall ein bisschen. Defensiv haben wir grundsolide Verteidiger verpflichtet, die Stabilität bringen werden. Und offensiv haben die beiden neuen Ausländer Cervenka und Ritola mehr auf dem Kasten als Salminen letztes Jahr.

 

 Wird es–wenn denn alle Ausländer fit und da sind–zur Regel werden, dass Sie mit vier ausländischen Stürmern spielen, und damit zur Ausnahme, dass der kanadische Verteidiger Alexandre Picard eingesetzt wird?

Ehrlich gesagt nicht unbedingt. Ich werde versuchen, situationsbedingt zu entscheiden, je nach Gegner, nach Befinden der Mannschaft oder nach gesundheitlichem Zustand der Spieler.

 

 In der Abwehr spielen mit Marc Abplanalp, Yannick Rathgeb, Sebastian Schilt, Lorenz Kienzle, Larri Leeger und Ralph Stalder in dieser Saison auffällig viele Deutschsprachige. Ist das Zufall, oder sind Deutschschweizer defensiv zuverlässiger?

Habe ich in diesem Interview einen Joker?

 

 Nein.

Dann sagen wir mal: Es ist Zufall. Vielleicht gibt es in der Deutschschweiz einfach mehr Verteidiger (lacht).

 

 Was ist Gottérons Unique Selling Proposition, was kann das Team besser als alle anderen?

Wenn wir etwas besser könnten als alle anderen, wären wir sicher ein Kandidat für einen Titel. Das sind wir im Moment realistisch betrachtet noch nicht.

 

 Dann anders: Welches sind die Haupttrümpfe Gottérons?

Roman Cervenka kann einer dieser Haupttrümpfe sein. Wir erhoffen uns, dass er einen grossen Einfluss auf unser Spiel hat und beispielsweise das Powerplay führen kann. Ein Trumpf kann ebenfalls sein, dass wir wiederum eine klare Rollenverteilung haben. Und dann muss der Teamgeist einer unserer Trümpfe werden, jeder muss sich wohlfühlen bei dem, was er macht. Aber das geht oft über Siege. Wenn man gewinnt, ist meist alles schön und rosig. Und wenn man ver- liert, ist schnell einmal alles schlecht. Deshalb müssen wir aufpassen, dass wir möglichst schnell diesen Spirit finden. Wir sind auf gutem Weg. Ich sehe das in den Trainings. Es herrscht durch das grössere Kader ein ganz anderer Konkurrenzkampf als letztes Jahr.

 

 Sind die Trainings intensiver geworden?

In Sachen Intensität und Zweikampfverhalten gefallen mir die Trainings besser als letztes Jahr. Das ist positiv, so lernen die Spieler jeden Tag, dass sie wenig Platz haben. Checks werden durchgezogen, und jeder versucht, die Duelle unbedingt zu gewinnen. Das hilft im Spiel enorm.

 

 Wie würden Sie das Eishockey beschreiben, das Sie mit Gottéron in dieser Saison spielen wollen?

Es soll ein mutigeres Eishockey sein. Man muss natürlich aufpassen, Mut ist mit Risiko verbunden. Man versucht, ein wenig höher zu stehen, mehr zu pressen. Das bedingt, dass die Spieler diszipliniert sind, sonst kassiert man einen Konter nach dem anderen. Aber ich will sicher nicht Standhockey spielen, mit einem Fünferblock zustellen und nur darauf warten, dass es einmal eine Lücke gibt. Wir versuchen, die Dinge in die Hand zu nehmen und mit Mut nach vorne zu spielen, ein bisschen mehr als letzte Saison–schliesslich haben wir offensiv mehr Talent.

 

 Sportchef Christian Dubé scheint sehr überzeugt zu sein von seinen Transfers. Beim Vorstellen der Ziele sagte er, es wäre «inakzeptabel», mit diesem Team nur gerade so knapp die Playoffs zu erreichen. Das erzeugt Druck auf die Mannschaft–und auf Sie.

 Das ist Druck im gesunden Rahmen. Christian und ich tauschen uns täglich aus. Ich weiss genau, was er verlangt, und er weiss genau, was ich von den Spielern verlange. Wir sind auf der gleichen Wellenlänge. Es braucht einen gesunden Druck für jeden–und die Transfers waren wirklich gut. Wenn alles zusammenpasst, ist vieles möglich.

 Welches sind Ihre grössten Sorgen?

Im Moment habe ich ehrlich gesagt keine Sorgen. Ich bin zuversichtlich und versuche, darauf hinzuarbeiten, dass ich auch in Zukunft keine Sorgen bekomme, indem ich Dinge verändere und trainieren lasse.

In den letzten Jahren erwies sich Gottéron in den entscheidenden Momenten oft sowohl physisch wie auch mental als zu wenig robust. Wird das dieses Jahr anders sein?

Ich denke schon. Durch die Transfers sind wir robuster geworden. Das müssen wir auch, wollen wir oben mitspielen.

 

 Auch mental?

Ja, mental haben wir in den letzten Jahren viel gelernt. Mit dem Gang in die Playouts vor zwei Jahren, aber auch mit dem frühen Aus letztes Jahr gegen Genf. Die Playoffs sind ein Kampf, da hat es für Schönwetterspiel wenig Platz. Wir haben sehr viel darüber gesprochen, was uns gefehlt hat, um diesen Schritt zu machen, und versuchen auch, mit einzelnen Spielern daran zu arbeiten.

 

 Dann waren die Schwächen im mentalen Bereich in Ihren Augen der Hauptgrund für das frühe Playoff-Out?

Wie schon oft erwähnt, ist das Emotionale in diesem Club ein zweischneidiges Schwert. Es braucht Emotionen, aber wenn man zu hoch und zu tief fliegt, ist das nicht gut. Diese Schwankungen muss man in Grenzen halten. Klar, wenn man in eine Euphorie reinkommt, hat man das Gefühl, dass man auf ihr reiten sollte, bis sie vorbei ist. Aber ich denke, auch hier muss man versuchen, die Emotionen in Grenzen zu halten. Nicht, dass die Spieler plötzlich glauben, besser zu sein, als sie in Wirklichkeit sind, und gleichzeitig in einer schlechten Phase das Gefühl haben, dass wir kurz vor dem Abstieg in die Nationalliga B stehen. Das ist hier ein wenig das Problem.

 

 Ein weiteres Problem war, Sie haben es angesprochen, das knappe Kader. Tatsächlich ist es in dieser Saison ein wenig breiter. Aber dennoch: Fallen drei, vier Spieler gleichzeitig aus, hat Gottéron schnell wieder ein Problem, oder?

Ja, das ist so. Das ist einer der Bereiche, die wir von Jahr zu Jahr zu verbessern versuchen, um der Spitze näherzukommen. Aber letztlich ist die Breite des Kaders immer in erster Linie eine Budgetfrage. Wenn man das heutige Budget mit demjenigen von 2013 vergleicht, als Gottéron den Final erreichte, muss man sagen: Da steht heute einfach mehr als eine Million Franken weniger auf dem Eis. Das Geld ist irgendwo sonst im Club, aber in die Spieler wurde damals über eine Million mehr investiert. Da hast du schnell einmal zwei, drei, vier Spieler mehr.

 

 Dann gilt auch dieses Jahr: Wenn Freiburg drei, vier Verletzte hat, ist das ein deutlich grösseres Problem, als wenn Bern oder Zürich drei, vier Verletzte hat.

Ganz klar. Das sind halt diese vier, fünf Millionen Franken Unterschied zwischen uns und den Spitzenteams. Es kann auch denen schlecht gehen, aber die Wahrscheinlichkeit ist kleiner. Das zeigt ein Blick in die Vergangenheit. In den letzten zehn Jahren sind immer dieselben drei Clubs Meister geworden: Zürich, Bern, Davos.

 

 Zurück zu einem spezifischeren Problem auf dem Eis: Das Powerplay Gottérons überzeugte in den letzten Jahren selten. Unter anderem, weil es an kreativen und schussstarken Spielern an der blauen Linie fehlte. Ist Besserung in Sicht?

Ja. Ritola ist zwar Stürmer, spielt aber an der blauen Linie. Und er macht das sehr gut. Auf der anderen Seite haben wir mit Gustafsson und Kienzle zwei weitere Neuzugänge, die in diesem Bereich Besserung bringen könnten. Dazu kommt Rathgeb, so dass ich denke, dass wir auf dieser Position vier gute Optionen haben. Mit Stalder kommt vielleicht noch eine fünfte hinzu. Er ist ruhig am Puck. Aber klar, auch diese Saison gilt: Einen Fransson haben wir nicht, einen Romain Loeffel auch nicht.

 

 Letztes Jahr tippten Sie Gottéron in den Bereich zwischen dem 6. und 8. Platz–und lagen damit richtig. Dieses Jahr?

Ich würde sagen, zwischen dem 5. und 7. Wenn man die Teams und Spieler analysiert, muss man sagen: Rein auf dem Papier gibt es immer noch vier Teams, die sich von uns abheben: Bern, Lugano, Zürich und Davos. Danach kommen Zug, Genf und wir.

«Der Zusammenhalt war nicht immer top und muss besser werden.»

«Im Vergleich zu 2013 steht heute mehr als eine Million Franken weniger auf dem Eis.»

«Cervenka und Ritola haben mehr auf dem Kasten als Salminen.»

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