Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Es war einmal…

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

«Wirklich, wir leben in finsteren Zeiten…»
«Was sind das für Zeiten, wo ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist.
Weil es ein Schweigen über so viel Untaten einschliesst!»

Bertolt Brecht: «An die Nachgeborenen»

Doch obwohl wieder «finstere Zeiten» drohen, will ich über «Bäume sprechen», für kurze Zeit die Augen schliessen und eintauchen in eine Zeit, wo meine Welt noch einfach und überschaubar schien, wo Gutes belohnt und Böses bestraft wurde. Eine kleine Geschichte, unpolitisch, ohne belehrende Attitüden und philosophischen Tiefgang.

Diese «Bäume» standen an einem Bach im Unterdorf, ein Bach voller Leben, wo im Sommer die Forellen nach Mücken sprangen und wo sie im Herbst sogar aus der Saane hochzogen, um zu den Laichplätzen ihrer Geburt zurückzukehren.

Einen kleinen Makel hatte diese Idylle aber doch: Der Bach war «privat». Und wie das so ist, wenn etwas privat ist, wird es schnell einmal teuer (siehe Krankenkassen) und ist dann eher etwas für «die Reichen». Zu dieser Zeit war der Bach verpachtet an einen älteren, eher klein gewachsenen Herrn, immer im grauen Anzug, meist mit einer Brissago im Mundwinkel und einem kecken Borsalino auf dem Kopf. Er war Lehrer, für uns der Professor, und seine «originellen» Unterrichtsmethoden sind legendär. Er hatte sicher viele Talente und womöglich sogar ein grosses Wissen, vom Fischen aber hatte er keine Ahnung. Wohl schleppte er regelmässig eine ellenlange Angelrute mit sich, aus Bambus mit Schnur und Knatterspule. Es sah auch sehr imposant aus, doch Fische fing er damit nicht, trotz fetter «Heugümper», Regenwürmer oder «Bschüttimaden», die wir für ihn, gegen ein kleines Entgelt, einfingen.

Wir, das waren Seppu und ich, beide am Bach geboren und mehr oder weniger im Bach aufgewachsen. Dank seinem Unvermögen und unserer – nicht ganz lupenreinen – Erfahrung wurden wir von ihm kurzerhand als Gehilfen engagiert. So war es auch an jenem schicksalhaften Nachmittag, als der Professor in voller Montur zu uns ins Unterdorf kam, um mit uns «auf Tour zu gehen».

Das Strässchen, wo wir wohnten, hiess damals übrigens Judengässli, alternierend auch Dräckgässli. Erst viel später machte ich mir Gedanken über diese, damals wohl dem Zeitgeist entsprechend, austauschbaren und nicht selten in Kombination gebrauchten Bezeichnungen («Honi soit qui mal y pense»).

Er klopfte bei meiner Mutter an, die meistens auch wusste, wo wir uns gerade herumtrieben, und flugs standen wir am Bach, oder besser im Bach. Seppu scheuchte mit einem Stock die Forellen aus ihren Verstecken, und ich versuchte sie mit einem kleinen Netz einzufangen. Die gefangenen Tiere kamen in eine «Brente» und von dort in die alte Kaplanei in ein stattliches Fischbassin, gespiesen von einem plätschernden Brunnen. Der Lohn für unsere «Dienstleistung» bewegte sich zwischen 10 und 50 Centimes, entsprechend der Anzahl gefangener Fische. Bei Misserfolg gingen wir leer aus. Wir hielten uns aber jeweils schadlos, indem wir heimlich immer wieder ein paar Fische für den «Eigenbedarf» abzweigten. So wuchs bereits in Jugendjahren ein tiefes Bewusstsein für soziale Gerechtigkeit.

Nun standen wir also wieder mit Stock und Netz im Bach und tatsächlich, nach einigen vergeblichen Versuchen zappelte eine richtig grosse Forelle im Netz. Kräftig, mit einer Hakennase fast wie ihr Cousin, der Lachs, mit dunklem Rücken und golden leuchtendem Bauch, das glänzende Schuppenkleid übersät mit grossen roten Tupfen. Wild und zornig protestierte sie in ihrem engen Gefängnis, der Brente. Dem Professor fielen fast die kleinen Äuglein aus ihrer Höhle, und es fehlte nicht viel und er hätte zu weinen begonnen. Um das wirklich prächtige Tier nicht unnötig zu peinigen, befahl er Seppu, den Fisch unverzüglich ins Bassin zu bringen. Ich blinzelte Seppu zu, und mit einer unmissverständlichen Handbewegung zeigte er, dass er mich verstanden hatte.

Seppu war kaum um die erste Biegung verschwunden, da entschied der Professor, dass es für heute genug sei und wir ebenfalls zum Bassin hoch gehen. Zu früh! Viel zu früh, als dass Seppu unser perfides Vorhaben ausführen konnte. Ich protestierte, vergeblich.

Dann liess ich das Fangnetz in den Bach fallen, ein paar Minuten gewonnen. Ich stolperte, liess mich fallen, schürfte die Knie auf, wieder ein paar Minuten.

Seppu hatte es inzwischen bis zum Bassin geschafft, er packte die Forelle, tötete sie fachgerecht, da sah er uns bereits am Eisentor zur Kaplanei. Rasch schob er den Fisch behelfsmässig unter den Brunnen, wusch sich die Hände, und mit rotem Kopf und wackelnden Ohren mimte er die reine Unschuld.

Der Professor inspizierte als Erstes das Bassin und suchte misstrauisch nach «seinem» Fang des Tages, welcher aus verständlichen Gründen nicht zu sehen war. Seppu machte bereits ein paar Schritte rückwärts, um sich einen Fluchtweg offen zu halten. Ich ahnte, was geschehen war, stellte mich unverfroren und herzklopfend neben den Professor und behauptete steif und fest, die Forelle hätte sich hinter einem grossen Stein versteckt, man müsse nur genau hinschauen, ein Stück der Schwanzflosse schaue sogar noch hervor. Der Professor nahm seine Brille ab, putzte sie umständlich mit seinem grossen Taschentuch, schnäuzte sich kurz, schaute nochmals genauer hin, glaubte nun ebenfalls die Schwanzflosse zu erkennen. Halbwegs beruhigt, zückte er sein Portemonnaie, kramte in der Münz und zauberte zwei (!) 50er-Räppli hervor. Mit schon fast schlechtem Gewissen streckten wir freudig die Hände hin, und fast wäre alles gut gegangen, wenn nicht….

Der Blick des Professors wurde plötzlich starr, das Gesicht abwechselnd blass und rot, seine Lippen bewegten sich, doch kein Laut kam aus seinem Mund. Wir drehten uns in die Richtung seines Blickes und sahen voller Entsetzen das ganze Desaster: Ein riesiger Kater hatte den Braten, in diesem Falle den Fisch gerochen und war gerade dabei, ihn mit viel Mühe, hinter unserem Rücken, unter dem Brunnen hervorzuzerren.
Der Rest ist rasch erzählt: Statt Geld zu bekommen, gaben wir Fersengeld und rannten «so weit die Füsse trugen» bis ins unterste Unterdorf.

Nach ein paar Wochen haben wir uns wieder versöhnt. Der Professor hatte die Geschichte meiner Mutter erzählt. Die schickte uns, wie es der Brauch war, zur Beichte, zusätzlich mussten wir wiederholt ohne Lohn Fische fangen und natürlich hoch und heilig versprechen: Nie wieder!!! Niemand sah, dass wir heimlich, hinter dem Rücken, die Finger kreuzten.

Kommentar (0)

Schreiben Sie einen Kommentar. Stornieren.

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die Pflichtfelder sind mit * markiert.

Meistgelesen